HOME

Wochenlanger Ausstand: Einigung im Poststreik nicht in Sicht

Bei der Post kehren die zerstrittenen Tarifpartner an den Verhandlungstisch zurück. Beide glauben, nicht zurückweichen zu dürfen. Die Chancen auf eine schnelle Einigung scheinen gering.

Mitarbeiter der Deutschen Post demonstrierten am Montag in München

Mitarbeiter der Deutschen Post demonstrierten am Montag in München

Entnervte Postkunden, die auf ihre Briefe und Pakete warten, Millionenschaden für das Unternehmen jeden Tag: Der härteste Tarifkonflikt bei der Post seit mindestens 20 Jahren hat beim Unternehmen und der Gewerkschaft Verdi für Verbitterung gesorgt. Nach Wochen ohne äußerlich erkennbare Annäherung gibt es nun wenigstens einen neuen Verhandlungstermin. Doch die Aussichten für eine Einigung scheinen nicht sehr rosig.

Wochenlang hatten sich beide Lager geradezu feindlich gegenüber gestanden. "Wir sind im Krieg", soll ein Post-Vorstand gesagt haben. Verdi-Funktionäre liefen mit Kameras Aushilfszustellern hinterher, um tatsächliche oder vermeintliche Rechtsverstöße zu dokumentieren. Beschwerden, Eidesstattliche Versicherungen und Klagen etwa gegen den Einsatz von Beamten - die Gewerkschaft zog alle Register.

Auf der anderen Seite nimmt die Post viel Geld in die Hand, um dennoch über die Runden zu kommen. Post-Manager haben ihre Büros verlassen und stellen seit Wochen Briefe zu. Ihre eigentliche Arbeit bleibt liegen. Die Post lässt sonntags arbeiten - aus Sicht mancher Kontrollbehörden zumindest am Rand des Erlaubten - und zahlt Tausenden Aushilfskräfte 100 Euro Bonus für die Sonntagseinsätze. Dabei sollten die Personalkosten doch gerade verringert werden. 

Angst vor der Konkurrenz

Warum ist der Konflikt so hart wie zuletzt 1994, als es immerhin um die Post-Privatisierung ging? Warum geben beide Seiten keinen Millimeter nach? Für die Post wie für Verdi geht es um Grundsätzliches und beide befürchten dauerhaften Schaden, wenn sie jetzt zurückweichen.

Die Post sieht dringenden Nachholbedarf bei den Kosten vor allem im lukrativen Paketgeschäft, das stark wächst und wesentlich zu den Unternehmensgewinnen beiträgt. Da manche Konkurrenten verstärkt Subunternehmer einsetzen und am Ende gerade einmal den Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen, sieht die Post mit ihrem Haustarif von 17,70 Euro keine Zukunft. Auf diese Weise entstünden neue Jobs künftig nur noch bei der Konkurrenz, warnte Postchef Frank Appel.

Die neu geschaffenen Regionalgesellschaften mit im Schnitt 13 Euro pro Stunde zahlten immer noch viel besser als viele Konkurrenten und übrigens ebenfalls auf der Grundlage eines mit Verdi verhandelten Tarifs, sagt die Post. Es gehe um zusätzliche Jobs, keiner der 140.000 Angestellten mit bisherigen Postverträgen werde schlechter gestellt.

Verdi will nicht nachgeben

Genau das kaufen Verdi und die kleinere Kommunikationsgewerkschaft DPV dem Postchef nicht ab. Erst würden die Tarife beim Paket gekippt, dann bei der Briefzustellung, ist die Angst der Gewerkschaften. Mit neuen, kleineren Regionalgesellschaften solle auch die Mitbestimmung in den großen Einheiten ausgehebelt werden. 

Dass Appel den Aktionären eine Gewinnsteigerung von jährlich 8 Prozent versprochen hat, bringt die Gewerkschaft auf die Palme. Die runde Zahl von 5 Milliarden Gewinn bis 2020 mag an der Börse gut klingen - bisher sind es knapp drei Milliarden. Doch viele Beschäftigte fürchten, dass sie dafür bezahlen müssen.

Das kompromisslose Festhalten der Post an den schlechter bezahlten Regionalgesellschaften ist aus Sicht von Verdi eine Kampfansage. "Die wollen die Unterwerfung - das macht doch keine Gewerkschaft mit", sagt ein Verdi-Funktionär. Und erst recht nicht in einem Unternehmen mit so vielen Gewerkschaftsmitgliedern wie bei der Post: In manchen Post-Betrieben sind es 80 Prozent der Beschäftigten. Das Misstrauen sitzt tief. Deshalb will Verdi auch während der Verhandlungen weiter streiken. "Das ist, als ob Sie die Hände zur Umarmung ausstrecken und gleichzeitig kräftig vors Schienbein treten", heißt es bei der Post.

ivi / DPA
Themen in diesem Artikel