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Ratingpanne bei Benotung Frankreichs EU droht Standard & Poor's mit Sanktionen


Das wird Konsequenzen haben: Die Falschmeldung von Standard & Poor's zur Bonität Frankreichs ruft Michel Barnier auf den Plan. Der EU-Binnenmarktkommissar will Ratingagenturen künftig stärker kontrollieren.

Erst schäumten die Franzosen, nun übt auch Brüssel scharfe Kritik: Die Europäische Union hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wegen der irrtümlichen Veröffentlichung einer Falschmeldung zur Kreditwürdigkeit Frankreichs verurteilt. Es handele sich um einen "schwerwiegenden Vorfall", erklärte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Freitag in Brüssel. Dieser zeige, dass die Akteure in der aktuell sehr schwankenden und angespannten Situation an den Finanzmärkten Strenge und ein besonderes Verantwortungsgefühl zeigen müssten.

Gleichzeitig drohte der EU-Kommissar mit Konsequenzen: "Es ist nun Sache der europäischen Wertpapieraufsicht Esma, gemeinsam mit der nationalen Aufsichtsbehörde AMF die Fakten zu prüfen und Schlussfolgerungen zu ziehen". Die Panne belegt nach Barniers Worten die Notwendigkeit, Ratingagenturen schärfer zu kontrollieren. "All dies stärkt meine Überzeugung, dass Europa striktere und schärfere Regeln braucht."

Am kommenden Dienstag wird Barnier neue Vorgaben präsentieren. Sie sehen unter anderem vor, Ratingagenturen vorübergehend die Veröffentlichung der Benotung von Euro-Krisenstaaten zu verbieten, der Wertpapieraufsicht Esma eine Kontrolle über die Methodologie der Ratings zu geben und Auftraggeber zu verpflichten, alle drei Jahre die Ratingagentur zu wechseln, um Gefälligkeitsratings zu vermeiden. Für fehlerhafte Benotungen sollen Ratingagenturen künftig haften.

Der französische Kommissar zeigte sich verärgert, dass Standard & Poor's mitten in der Schuldenkrise ihrer Verantwortung nicht gerecht werde. Es gehe ja "nicht um irgendeine Ratingagentur", sondern um eine der drei großen, betonte Barnier. Standard & Poor's beherrscht gemeinsam mit Moody's und Fitch den Markt.

S&P macht "technischen Fehler" verantwortlich

Standard & Poor's hatte Frankreich am Donnerstagabend versehentlich die Top-Bonität aberkannt - und damit das zweitgrößte Euro-Land geschockt. Finanzminister François Baroin forderte daraufhin in einer am späten Donnerstagabend in Paris verbreiteten Erklärung die Aufsichtsbehörde für die europäischen Finanzmärkte zu einer Untersuchung auf.

Die Agentur selbst klärte den Fehler erst Stunden nach dem Vorfall auf: Eine entsprechende E-Mail sei an einige Abonnenten der S&P-Internetseite versendet worden. Standard & Poor's sprach von einem "technischen Fehler". Man wolle die genaue Fehlerquelle untersuchen.

Bei Analysten provozierte der Vorfall kritische Fragen: "Wie kann denn so etwas passieren?", hieß es beim Frankfurter Bankhaus Metzler. "Wir haben in den vergangenen Wochen bereits etliche nicht nachvollziehbare Entwicklungen beobachten dürfen - doch das versehentliche Verlautbaren einer Ratingverschlechterung ist der bisherige Höhepunkt."

Trotz der Erklärung seitens S&P bleibt für die Metzler-Analysten ein "sehr fader Beigeschmack": Selbst im Falle eines Irrtums müsse die Meldung schließlich irgendjemand verfasst haben. "In einer Phase, in der der Markt ohnehin über die Bonität der Franzosen spekuliert, ist das ein nicht zu entschuldigender Fehltritt." Auch für Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank, "stellt sich die Frage, wie ein Text vorbereitet sein kann, wenn es dazu gar keine Absicht gibt".

Aktienkurse beruhigen sich nur leicht

Die Panne hätte zu kaum einem ungünstigeren Zeitpunkt passieren können: Bereits vorher waren die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen zu den als extrem sicher geltenden deutschen Staatsanleihen auf Rekordhöhe gestiegen - mittlerweile liegen sie bei knapp 1,6 Prozent.

Am Donnerstag hatte die Rendite für zehnjährige französische Staatstitel einen Sprung um rund 0,3 Prozentpunkte hingelegt, der laut Händlern zumindest teilweise auf den Patzer von S&P zurückging. Die Rendite des französischen Zehn-Jahres-Papiers lag am Freitag bei 3,4 Prozent und damit nur leicht unter dem Höchststand vom Donnerstag.

Derweil hat sich die Lage für italienische und griechische Staatsanleihen zum Wochenausklang entspannt. Nachdem die Risikoaufschläge für italienische Staatstitel bereits am Donnerstag merklich gesunken waren, gingen sie auch am Freitag spürbar zurück. Deutlich geringere Risikoaufschläge muss Griechenland zahlen, nachdem dort der Weg für eine Übergangsregierung frei wurde.

mlr/AFP/DPA DPA

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