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Ratiopharm-Skandal: "Langwierige und umfangreiche Ermittlungen"

Der vom stern aufgedeckte Pharmaskandal um den Ulmer Generikahersteller Ratiopharm hat nun doch juristische Konsequenzen. Die Staatsanwälte ermitteln wegen Betrugs und Untreue.

Von Markus Grill

Die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart hat die Entscheidung der Ulmer Staatsanwaltschaft aufgehoben, die die Ermittlungen im Fall Ratiopharm bereits eingestellt hatte.

Nach Angaben des stellvertretenden Leiters der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart, Rainer Christ, besteht gegen Verantwortliche der Firma Ratiopharm "ein Anfangsverdacht der Beteiligung an Vergehen des Betrugs und der Untreue von Ärzten." Insbesondere gehe es um die Frage, ob Ärzte gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot zu Lasten der Krankenkassen verstoßen haben, indem sie Ratiopharm-Präparate verordneten, weil sie dafür einen Vorteil bekamen. Der Schaden für die Krankenkassen entsteht dadurch, dass Ratiopharm innerhalb der Generikasparte zu den eher teureren Anbietern gehört.

Systematisch Provisionen gezahlt

Der stern hatte im November enthüllt, dass Ratiopharm Ärzten systematisch Umsatzprovisionen für die Verordnung von Medikamenten bezahlt habe. Bundesweit sollen nach Schätzung von Insidern bis zu 1000 niedergelassene Ärzte von dem System profitiert haben. Noch breiter ist der Kreis der Ärzte, die hochwertige Espressomaschinen, Tischleuchten oder Mikrowellen-/Grillgeräte erhalten haben sollen.

Nach Einschätzung des Leitenden Oberstaatsanwalts Rainer Christ werden die Ermittlungen gegen Verantwortliche der Firma Ratiopharm "langwierig und umfangreich sein."