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Reality-TV: Finanzamt holt sich Dschungel-Prämie

Schlechte Nachricht für Containerbewohner und Madenesser: Wer Wochen in einer Realityshow zubringt, muss seinen Gewinn versteuern. Das Urteil des Bundesfinanzhofs könnte D-Promis viel Geld kosten.

Von Jens Tartler

Sascha Sirtl ist ein guter Sohn. Von den 1 Mio. Euro, die er 2005 in der Containershow "Big Brother" bei RTL 2 gewann, zahlte er Schulden ab und ließ seinen Eltern in Franken ein Haus bauen. Er selbst gönnte sich nur einen BMW X5.

Die Hälfte der Million ist weg - und die andere Hälfte muss das Ex-Model jetzt ans Finanzamt Köln-Mitte überweisen. Deutschlands höchstes Steuergericht, der Bundesfinanzhof (BFH) in München, hat entschieden: Wer bei "Big Brother", im Dschungelcamp oder bei "Germany's next Topmodel" viel Geld verdient, muss es voll versteuern.

"Das läuft nicht mehr unter Spiel und Wette", sagt Sirtls Anwalt Burkhard Binnewies. Bei Lottogewinnern etwa ist für den Fiskus nichts zu holen, und auch wer bei Günther Jauch Millionär wird, kann seinen Gewinn komplett behalten.

Wer aber Wochen oder sogar Monate in einer Show zubringt, der erzielt nach Auffassung des BFH Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit. Sirtl und sein Anwalt hatten sich dagegen mit dem Argument gewehrt, die Entscheidung der Zuschauer über den Sieger im Container unterbreche "die Kausalkette zwischen dem Vertrag und der tatsächlichen Zahlung der Prämie". Deshalb sei "Big Brother" steuerlich etwas anderes als ein normales Angestelltenverhältnis.

Sozialabgaben für Castingkandidaten

Bei den Finanzbeamten, beim Finanzgericht Köln und schließlich beim BFH kamen Sirtl und Binnewies damit nicht durch. Formal hat der Anwalt zwar noch eine mündliche Verhandlung in München beantragt. Die Erfahrung zeige aber, dass die Richter dort ihre Meinung in den seltensten Fällen änderten, sagt Binnewies. Möglicherweise verzichte er auf die Verhandlung. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinen Mandanten schon mal darauf vorzubereiten, dass er zahlen muss.

Aber nicht nur er. "Das wird die ganze Branche verändern", sagt der Anwalt. Die Produktionsfirmen müssten künftig für die Lohnsteuer und voraussichtlich auch für die Sozialabgaben ihrer Castingkandidaten haften. Ein Sprecher des Senders RTL 2 will sich dazu erst äußern, wenn er den Bescheid des BFH selbst gelesen hat.

Auf Sirtl gekommen sind die Finanzbeamten durch einen größeren Workshop. Dort fragten sie sich, warum Dauerbewohner des "Big Brother"-Containers steuerfrei davonkommen sollen. Sie ließen sich die Teilnehmerlisten kommen und schrieben Steuerbescheide - nicht nur an Sirtl. Aber bei ihm hat es sich richtig gelohnt.

FTD