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ZDF-Test Rewe vs. Edeka: Hier kauft es sich besser ein


Darmkeime an der Pfand-Rückgabe, dafür aber leckeres Vanilleeis: Ein Test der beiden Supermarkt-Giganten brachte Ekliges zutage. Am Ende war es ein Nachtisch, der über den Sieger entschied.
Von Alica Müller

187 Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für Lebensmittel aus - das sind 2300 Euro pro Kopf. Dafür geht es entweder zum Discounter oder in den Supermarkt. Ganz vorne dabei: Edeka und Rewe. Mit über 11.000 Filialen ist Edeka die größte Kette in Deutschland, dicht gefolgt von Rewe mit rund 10.000 Läden.  Doch wo kann man günstiger, hochwertiger und hygienischer einkaufen, wer behandelt seine Mitarbeiter besser? Das "ZDF" machte den Test

Fast identische Preise

Die Journalisten wählten in sieben deutschen Städten jeweils einen Edeka- und einen Rewe-Markt aus. Dort ging es zuerst um die Preisgestaltung. Von Toilettenpapier über Vollmilch bis Cornflakes legten sie 19 Produkte in den Einkaufswagen. Die Summe war am Ende erstaunlich ähnlich: 38,18 Euro bei Edeka, 38,50 bei Rewe. Unterschiede gibt es lediglich im Vergleich zum Discounter: Bei Aldi hätten die Artikel fast zehn Euro weniger gekostet. 

Auch beim Qualitätstest sind die Unterschiede gering. Zwei Jungen-Fußballmannschaften durften sich auf dem Spielfeld ordentlich einsauen, anschließend wurden ihre Trikots und Hosen mit Waschmittel der Eigenmarken von Edeka und Rewe gewaschen. Bei Edeka wurden die weißen Hosen sauberer, außerdem enthielt das Waschgel weniger Duftstoffe. Diverse Tests von Stiftung Warentest bestätigen das Ergebnis, wenn auch knapp: Bei Produkttests, zum Beispiel von Tiefkühlreis und Biomehl, lag Rewe sieben Mal vorne, Edeka acht Mal.

Was eigentlich Lab ist? Keine Ahnung.

Um den Service zu testen, stellten die Mitarbeiter in den Filialen Fragen zu den Produkten. Sie wollten wissen, was die Aussage "In Schutzatmosphäre verpackt" auf Käse- und Wurstpackungen bedeutet. Die wahre Bedeutung der Aufschrift ist, dass ein Gasgemischt mitverpackt wurde, das die Lebensmittel länger frisch aussehen lässt. Bei Edeka wusste das nur einer von sieben Mitarbeitern, bei Rewe zwei. Während die anderen teilweise zugaben, die Antwort nicht zu kennen, wurden manche auch kreativ: "Das ist eine Hygienevorrichtung", erklärte eine Mitarbeiterin. Bei der Frage nach Lab, einem Zusatz in Käse, der bei der Gerinnung hilft und oft aus Kälbermägen hergestellt wird, wussten bei Edeka immerhin vier und bei Rewe zwei Mitarbeiter Bescheid.

Von wegen regional

Anschließend ging es um die Gesundheit, gemessen an der Pestizidbelastung von Erdbeeren. Im Labor wurden die Früchte getestet. Das Ergebnis ist bei beiden gut: Höchstwerte werden nicht überschritten. Um das zu gewährleisten, setzen Hersteller auf die Kombination verschiedener Pestizidarten. Bei Edeka wurden nur zwei Arten nachgewiesen, bei Rewe waren es fünf.

Beide Ketten gehen außerdem mit dem Trend zu regionalen Produkten. Auf dieses Versprechen kann man sich nicht verlassen: Die Produkte kommen fast nie aus der direkten Region. Stattdessen gibt es bei Edeka in Mannheim "regionalen" Schinken, der 500 Kilometer entfernt in Bayern produziert wird, und bei Rewe Vollmilch, die 170 Kilometer reisen musste. Ein hinzugezogener Experte von "Ökotest" nennt das einen "staatlich geprüften Regionalschwindel" – hier würde den Verbrauchern das Geld aus der Tasche gezogen.

Fäkalbakterien an der Flaschenrückgabe

Schockierende Ergebnisse gab es beim Hygienetest. Im Labor wurden dafür Proben von den Einkaufswagengriffen, den Selbstbedienungs-Brottheken und der Pfandflaschenrückgabe untersucht. Die Zusammenfassung des Wissenschaftlers: "Nach meiner Erfahrung sind öffentliche Toiletten sauberer." Er fand Durchfallerreger am Einkaufswagen und Erreger für Wundinfektionen an der Brotausgabe. Am dreckigsten war die Flaschenrückgabe besiedelt, dort fand man Darmkeime, die zum Beispiel eine Wundinfektion auslösen können. Eklig? Ja, aber für gesunde Menschen sind die Keime ungefährlich. Belastet waren die Filialen beider Ketten. Im Endeffekt schnitt Rewe aber in fünf der sieben Märkte besser ab.

Ohne Gesundheitszeugnis an die Fleischtheke

Nicht nur die Kundenfreundlichkeit, sondern auch den Umgang mit den Mitarbeitern nahmen die Journalisten unter die Lupe. Beide Unternehmen sind Genossenschaften. Viele der Märkte werden also von eigenständigen Händlern betrieben, besonders bei Edeka. Das ist schlecht für die Mitarbeiter. Es gibt wenig einheitliche Verträge, weshalb viele nicht nach Tarif bezahlt oder von einem Betriebsrat vertreten werden. Die Journalisten sprachen mit einer ehemaligen Edeka-Mitarbeiterin, deren Gehaltsverhandlungen so lange hinausgezögert wurden, dass sie auch nach der Probezeit noch für Mindestlohn arbeitete. Bei Rewe bewarb sich eine Journalistin undercover als Aushilfe. Nach wenigen Stunden wurde sie schon an den Frischetheken eingesetzt – und das ohne das verpflichtende Gesundheitszeugnis. Sollte ein Prüfer in den Laden kommen, sollte sie sich im Büro verstecken. Laut der Gewerkschaft ver.di geht Rewe insgesamt aber besser mit seinen Angestellten um – dort gibt es mehr Tarifverträge und Betriebsräte.

Vanilleeis hilft Edeka zum Sieg

Da die Supermärkte bislang gleich auf lagen, wurde die Entscheidung schließlich im subjektivsten Teil des Tests gefällt – dem Geschmackstest. Testesser bekamen ein Drei-Gänge-Menü vorgesetzt, das jeweils nur mit Edeka- und Rewe-Produkten gekocht wurde. Auch wenn Vorspeise und Hauptgang den Testern gleich gut schmeckten, am Ende gewann Edeka in der Gesamtwertung – dort schmeckte das Vanilleeis und die Crème brûlée einfach besser.

Im Endeffekt zeigte der Test kaum Unterschiede zwischen den beiden größten deutschen Supermarktketten – Rewe scheint besser mit seinen Mitarbeitern umzugehen, dafür wird die Produktqualität bei Edeka ein bisschen besser bewertet. Ob es auf der Grundlage  wirklich repräsentativ ist, Edeka als den besseren Supermarkt zu benennen, kann man bezweifeln. Dafür bleiben die Bilder der Bakterientests im Kopf: Wir werden uns die Hände nach dem Einkaufen jetzt wohl besonders gründlich waschen.


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