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Kaiser's Tengelmann: Komplett verkaufen oder zerschlagen?

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann hat in diesem Jahr schon 40 Millionen Euro Verlust gemacht. Die Eigentümer wollen verkaufen, Edeka würde zuschlagen - doch das Bundeskartellamt muss zustimmen.

Drei Einkaufstüten: Kaiser's Tengelmann und Edeka

Kaiser's Tengelmann und Edeka: Bald eine große Familie?

Die Geduld ist am Ende, die Eigentümer wollen verkaufen, rund 16.000 Beschäftigte Bangen um ihren Job: Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann soll an Edeka verkauft werden, doch das Bundeskartellamt hat ein Veto eingelegt. Bestätigt das Bundeswirtschaftsministerium dieses Veto, werde Tengelmann gar nicht erst versuchen, das Verbot in einem jahrelangen Verfahren vor Gericht auszuhebeln. Stattdessen werde bei einer negativen Ministerentscheidung sofort mit der Zerschlagung - dem Verkauf in Teilpaketen - begonnen, hat die Nachrichtenagentur DPA aus Unternehmerkreisen erfahren. Bis Ende 2016 werde von Kaiser's Tengelmann dann nichts mehr da sein.

Kaiser's Tengelmann: 500 Millionen Euro Verlust

Grund für dieses Tatendrang ist die schlechte Bilanz. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres habe Kaiser's Tengelmann Verlust von rund 40 Millionen Euro produziert. Dies sei nicht mehr länger tragbar, heißt es bei dem Unternehmen zur Begründung. Vor elf Monaten verkündete Karl-Erivan Haub, der Geschäftsführende Gesellschafter des Familienunternehmens, die rund 450 Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka verkaufen zu wollen. Die Supermarktkette soll in den vergangenen 15 Jahren über 500 Millionen Euro Verlust aufgehäuft haben. 

Doch im April stoppte das Bundeskartellamt die Pläne mit seinem Veto. Bei einem Zusammenschluss befürchtet die Wettbewerbsbehörde Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Schließlich ist der Lebensmittelhandel in Deutschland schon heute hochkonzentriert. Nur vier Ketten - Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit dem Discounter Lidl sowie Aldi - teilen sich 85 Prozent des Marktes. Und unter den "großen Vier" ist Edeka mit weitem Abstand die Nummer eins. 

8000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Allerdings waren weder Edeka noch Tengelmann bereit, das Verbot einfach hinzunehmen. Gemeinsam stellten sie einen Antrag auf Ministererlaubnis, um das Veto auszuhebeln. Das Hauptargument: Nur die Gesamtübernahme sichere die 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser's Tengelmann. Eine Einzelabwicklung werde mindestens 8000 Arbeitsplätze kosten. 

Die Handelskonzerne warfen dem Kartellamt in ihrem Antrag die "Ignorierung der Wirklichkeit" vor. Die Befürchtung, durch die Gesamtübernahme der Supermarktkette könnten die Preise im Einzelhandel steigen, sei haltlos. Denn das Unternehmen habe im Wettbewerb mit Edeka, Rewe, Aldi und Co schon lange nicht mehr mithalten können. "Seine Verkaufspreise lagen stets über denen von Rewe und Edeka", heißt es im Antrag auf Ministererlaubnis. Wenn überhaupt würden durch die Übernahme die Preise sinken. 

Bei Tengelmann werden die möglichen Folgen einer Zerschlagung in düsteren Farben gemalt. Die Erfahrungen bei der Aufgabe einzelner Vertriebsregionen in den vergangenen Jahren zeigten, dass dann ein großes Rosinenpicken stattfinden werde. Denn für Problemfilialen fänden sich keine Interessenten - ebenso wenig wie für die Konzernzentrale, die Fleischwerke oder die Logistik. 

Nicht nur Edeka hat Interesse

Problemfilialen hat Kaiser's Tengelmann genug. Dem Antrag auf Ministererlaubnis zufolge schreiben 58 der 144 Filialen in der Region Berlin rote Zahlen, 47 der 192 Geschäfte in München und Oberbayern, sowie 91 der 135 Filialen in Nordrhein. 

Allerdings sehen nicht alle die Folgen einer Zerschlagung so dramatisch. Schließlich haben bereits Handelsketten wie die Schweizer Migros, die Coop Kiel und Rewe Interesse an Filialen - oder im Falle Rewe - sogar an der ganzen Kette signalisiert. Die Monopolkommission ließ deshalb auch in einem Sondergutachten deutliche Zweifel an der Argumentation der Handelsriesen erkennen. Es sei nicht einmal sicher, dass mit der Übernahme durch Edeka mehr Jobs dauerhaft erhalten würden als bei einer Veräußerung an andere Unternehmen, meinte das Gremium. 

law / DPA