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Royal Bank of Scotland: Rekordverlust überschattet Rettungspaket II

Deprimierender hätte die Woche für die Bankenwelt nicht beginnen können: Während die britische Regierung ein neues Rettungspaket für die kriselnde Branche bekanntgibt, kündigt die Royal Bank of Scotland einen Rekordverlust von etwa 31 Milliarden Euro an. Für die Regierung Brown ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen die Bankenkise.

Nach immer neuen Milliardenlöchern bei den Banken hat die britische Regierung ein zweites massives Rettungspaket für die kriselnde Branche geschnürt. Dabei will der Staat die Banken gegen die Risiken ihrer faulen Kredite versichern, teilte Finanzminister Alistair Darling am Montag in London mit. Die Versicherung, für die die Steuerzahler gerade stehen, soll den Kreditfluss wieder ankurbeln.

Unterdessen geht die Royal Bank of Scotland (RBS) für das vergangene Jahr von einem Verlust von umgerechnet bis zu 31 Milliarden Euro aus - ein Negativrekord in der britischen Geschichte. Der Staat erhöhte deshalb den Anteil an der Bank von 58 auf 70 Prozent. Bankentitel brachen trotz des Hilfspakets an der Londoner Börse ein. Die RBS-Papiere sackten um 46 Prozent auf 18,6 Pence ab. Die neue Lloyds Banking Group verlor fast 30 Prozent.

Das neue Bankenrettungspaket sieht vor, dass die Banken das Ausmaß ihrer riskantesten Kredite offenlegen. Die Regierung wird die Institute dann im Gegenzug für eine Gebühr gegen 90 Prozent der möglichen Ausfälle absichern. Die britischen Maßnahmen sollten ein Vorbild für andere Länder sein und auf dem G20-Gipfel im April in London diskutiert werden, sagte Premierminister Gordon Brown. Zugleich werde die Bank of England einen Fonds über 50 Milliarden Pfund einrichten, um "gute" Unternehmenswerte anzukaufen und die Firmen somit vor der Kreditklemme zu schützen. Erst vor etwa drei Monaten hatte Großbritannien sein erstes Milliarden-Rettungspaket vorgestellt.

Das Volumen "toxischer Kredite" in den Büchern britischer Banken wird auf 200 Milliarden Pfund geschätzt. Dies gilt als Grund, dass die Banken nur noch zögerlich Kredite vergeben, wodurch Unternehmen das Geld ausgeht und weitere Jobs verloren gehen. Darling erklärte, dass die Banken, die die Versicherung in Anspruch nehmen, sich verpflichten müssten, endlich wieder mehr Geld zu leihen. Großbritannien hat die Finanzkrise besonders schwer getroffen. Am Montag teilte die EU-Kommission mit, dass die Wirtschaftsleistung des Königreichs dieses Jahr um 2,8 Prozent schrumpfen werde.

Erstes Rettungspaket ohne spürbaren Effekt

Bereits Anfang Oktober rettete die Regierung mehrere Banken mit einer Finanzspritze über 37 Milliarden Pfund vor dem Kollaps. Die drei Banken RBS und Lloyds TSB sowie HBOS wurden dabei teilweise verstaatlicht. Doch der Effekt blieb aus, und die Regierung Brown muss sich nun in gewisser Weise auch die Wirkungslosigkeit ihrer vorherigen Milliarden-Pakete eingestehen. Wie die RBS am Montag mitteilte, rutschte die Bank 2008 so tief in die roten Zahlen, wie zuvor noch kein Unternehmen des Vereinigten Königreichs. Mit Abschreibungen auf den Unternehmenswert sei ein Verlust von bis zu 28 Milliarden Pfund möglich. Ohne die Abschreibungen, die sich vor allem auf die Teilübernahme des niederländischen Konkurrenten ABN Amro beziehen, und Einmaleffekte dürfte der Verlust zwischen sieben und acht Milliarden Pfund liegen.

Wegen des immensen Verlusts gibt RBS neue Stammaktien für fünf Milliarden Pfund aus und erhöht somit den Anteil des Staates. Das Kapital soll das bisher von der Regierung gegebene Vorzugskapital ersetzen. Die Regierung sichert die Kapitalerhöhung ab und garantiert die Ausgabe der Papiere zu 31,75 Pence je Aktie.

Unterdessen schloss die Großbank Lloyds TSB die Übernahme des Konkurrenten HBOS ab. Bis Ende 2011 rechnet die neu gebildete Lloyds Banking Group mit Kosteneinsparungen vor Steuern von jährlich 1,5 Milliarden Pfund. Andere Banken versuchen dagegen, sich ohne staatliche Hilfe über Wasser zu halten. Der Bankenriese HSBC erklärte, nicht bei der Regierung um Kapital gebeten zu haben. Man könne sich nicht vorstellen, unter welchen Umständen so etwas nötig sei, hieß es in einer Mitteilung.

DPA / DPA