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Sanierungspläne: Airbus-Chefs gesprächsbereit

Vor den Betriebsversammlungen an den deutschen Airbus-Standorten hat das Management Gesprächbereitschaft angekündigt. Zugleich weisen die Chefs eine Verantwortung für die Krise beim Flugzeugbauer zurück: Schuld sei die Globalisierung.

Der deutsche Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken wird heute viel unterwegs sein und eine Menge offene Fragen klären müssen. Er wird persönlich bei den Betriebsversammlungen an den drei Standorten Varel und Nordenham in Niedersachsen sowie Laupheim in Baden-Württemberg anwesend sein. Alle drei sollen im Zuge des Sanierungsprogramms "Power8" verkauft werden. Auch an den weiteren vier Werken wird es am Freitag Betriebsversammlungen geben - die mehr als 22.000 Beschäftigen hoffen mehr über die Zukunft bei Airbus zu erfahren.

Insgesamt sollen im Zuge der Sanierung 10.000 Arbeitsplätze abgebaut werden, davon 3700 in Deutschland. Die Werksverkäufe sind dabei nicht mitgezählt. Die Beschäftigten lehnen die Sanierungspläne ab und wollen im Airbus-Konzern bleiben. Nach Bekanntgabe der Pläne hatte ein Teil der Belegschaft die Arbeit niedergelegt.

Auch die Gewerkschaften wollen die Werksauslagerungen nicht hinnehmen und kündigten weitere Proteste an. "Die Werke haben in den vergangenen Jahren hochprofitabel gearbeitet, da liegt überhaupt nicht das Problem", sagte die IG-Metall-Bezirksleiterin Küste, Jutta Blankau. Der Produktionsverbund der europäischen Airbus-Werke habe funktioniert; es gebe keinen Grund, ihn zu zerschlagen. Zudem bezweifelte die Gewerkschafterin, dass es bereits ernsthafte Interessenten für die Airbus-Werke gebe. Die mittelständisch strukturierte Zulieferindustrie in Deutschland könne eine solche Übernahme kaum stemmen.

Doch offenbar gibt es bereits Interessenten an den Werken. Der Co-Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Thomas Enders, habe in einem Gespräch mit SPD-Parlamentariern signalisiert, es gebe zwar noch keine konkreten Angebote, aber Interessenbekundungen für alle drei betroffenen Werke.

Grundsätzlich grenze der Konzern den Kreis möglicher Investoren für die Werke Varel, Laupheim und Nordenham nicht ein. Es seien ebenso potenziell unternehmerische wie Finanzinvestoren im Spiel. Bei der Suche sollten vor allem deutsche Interessenten berücksichtigt werden. Die beiden niedersächsischen Airbus-Standorte Stade und Buxtehude blieben von den Sanierungsmaßnahmen weitgehend verschont, hieß es.

Es besteht Verhandlungsspielraum

Um die Lage etwas zu beruhigen, hat Deutschland-Chef Puttfarcken Gesprächsbereitschaft signalisiert. Es wäre falsch, wenn kein Verhandlungsspielraum mehr bestünde, sagte im ZDF-Morgenmagazin. "Wir sind am Anfang des Prozesses, und der ist bewusst so angelegt, dass er einen Dialog zulässt, auch mit besonderen Möglichkeiten der Beeinflussung und Gestaltung."

Bei den Plänen zur Sanierung müssten vor allem die Beteiligten aus den Firmen, die Betriebsräte und die Unternehmensleitung, die Richtung vorgeben, sagte Puttfarcken. Dankbar sei Airbus aber auch für politische Unterstützung. Kritik an Fehlern des Managements wies er jedoch zurück: Die Sanierung sei Folge der Globalisierung.

Noch nicht das letzte Wort gesprochen

Nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist ist bei den Sanierungsplänen noch nicht das letzte Wort gesprochen. In der "Passauer Neuen Presse" kündigte er Nachverhandlungen der Bundesregierung mit der Spitze von EADS an. "Die Politik wird Einfluss nehmen", sagte der SPD-Politiker. "Jetzt müssen wir alle Spielräume ausnutzen, um noch mehr Jobs zu erhalten."

Scharfe Kritik an "Power8" äußert der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger: Die Misere des Unternehmens sei nicht von den Beschäftigten verursacht worden, sagte Oettinger. Auch die Rolle der Franzosen betrachtet er kritisch. "Die Franzosen sind schon sehr zentralistisch organisiert und dominant", sagte er. Es gebe eine tolle Partnerschaft mit Franzosen, "wenn es um die Weinprobe oder das gute Essen in Burgund oder im Elsass geht, aber wenn es um knallharte Geschäftsinteressen geht, wollen die Franzosen die Mehrheit, wollen sie dominieren."

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters