Scania-Übernahme MAN scheitert mit Übernahmeversuch


Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN ist mit der Übernahme des schwedischen Rivalen Scania gescheitert und hat die gut zehn Milliarden Euro schwere Offerte zurückgezogen. Jetzt wird eine "freundliche Kombination" probiert.

Der Münchener MAN-Konzern ändert seine Strategie zur Bildung eines Lastwagen-Riesen aus der eigenen Nutzfahrzeugsparte, dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania und der brasilianischen Lkw-Sparte von Volkswagen. Das Übernahmeangebot für Scania wolle man zurückziehen, teilte MAN am Dienstag in München mit. Man strebe allerdings weiter eine "freundliche Kombination" von MAN, Scania und der Lkw-Sparte von VW an. Die MAN-Aktie reagierte mit einem deutlichen Plus von 2,3 Prozent auf 75,79 Euro und war damit stärkster DAX-Gewinner.

Geeinte Front der Gegner

Zu groß war der Widerstand gegen das im September ergangene Übernahmeangebot über 10,3 Milliarden Euro für Scania geworden. Schließlich lehnte mit VW dann der größte Anteilseigner sowohl von MAN als auch von Scania eine Übernahme gegen den Willen des Scania-Managements ab. Sogar der zweitgrößte Scania-Aktionär, die schwedische Gesellschaft Investor AB, hatte sich immer wieder dagegen ausgesprochen.

Sie alle begrüßten nun die Entscheidung von MAN. VW habe stets bekundet, nur eine einvernehmliche Lösung zu unterstützen, die die Zusammenführung von Scania und MAN sowie des eigenen brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäftes vorsehe, teilte der Wolfsburger Autohersteller mit. Man sei überzeugt, dass eine freundliche Lösung "der beste Weg ist, um die hohen Synergiepotenziale dieses Zusammenschlusses zu realisieren", hieß es weiter.

Scania soll nun weiterentwickelt werden

Auch Investor AB zeigt sich erfreut. Die MAN-Offerte habe weder dem Wert noch dem Potenzial von Scania entsprochen. Investor AB werde weiter die "erfolgreiche Entwicklung" von Scania als unabhängiges Unternehmen unterstützen, aber auch mögliche industrielle Partnerschaften und Kombinationen zur Weiterentwicklung von Scania prüfen. Einvernehmliche Gespräche mit MAN und VW hätten dabei Vorrang.

Erleichterung herrschte auch bei Scania selbst. Konzernsprecherin Cecilia Edstroem sagte, falls die Fusionsgespräche fortgesetzt würden, müssten sie auf einer industriellen und geschäftlichen Logik basieren. Man werde abwarten und schauen müssen, ob es dazu kommt. Der MAN-Vorstandsvorsitzende Hakan Samuelsson kündigte das bereits an. Man wolle im Laufe des Jahres in weiteren Gesprächen eine freundliche Kombination von MAN und Scania und den brasilianischen Lkw-Geschäft von VW anstreben. Auf die Frage, ob Samuelsson nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs nun zurücktreten werde, sagte ein Unternehmenssprecher: "Dazu gibt es keinen Grund." Am Wochenende hatte es in Medienberichten geheißen, VW dränge auf einen Rücktritt des MAN-Chefs, weil mit ihm die Fusion nicht zu Stande kommen könne. Der MAN-Aufsichtsrat hatte dem Manager allerdings klar den Rücken gestärkt.

Beide Aktien profitierten

Die Angebotsfrist für das Man-Angebot wäre am 31. Januar ausgelaufen. Die Münchner wollten sich mindestens 90 Prozent der Scania-Aktien sichern, besitzen aber erst rund 15 Prozent. Zu den bisherigen Konditionen könnten die Ziele nicht erreicht werden, teilte Man mit. Einen höheren Preis, über den an der Börse zuletzt immer wieder spekuliert worden war, wollten das Unternehmen aber nicht zahlen. Nach Bekanntwerden des gescheiterten Übernahmeversuchs sprangen Man-Aktien an der Börse um gut zwei Prozent auf 75,79 Euro. Die Anteilsscheine von Scania legten in Stockholm rund ein Prozent zu.

DPA/DDP/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker