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Schinken-Urteil: Die Schwarzwälder Verpackungsposse

Schwarzwälder Schinken muss künftig nicht nur im Schwarzwald hergestellt, sondern auch dort verpackt werden. Woher die Schweine kommen, ist jedoch egal.

Wann ist Schwarzwälder Schinken echt? Bisher galt: Nur im Schwarzwald geräucherter Schinken darf den begehrten Titel führen. Jetzt urteilte ein Gericht: Die Spezialität muss auch in der Region geschnitten und verpackt werden, damit sie echt ist. "Entscheidend war für uns der Gesichtspunkt der Rückverfolgbarkeit und Kontrolle des Produkts", sagte der Vorsitzende Richter des Bundespatentgerichts in München, Franz Hacker. Nun muss die EU-Kommission die neuen Bedingungen noch absegnen

Der Schinken aus dem Ländle ist seit 1997 als regionales Produkt geschützt. Doch der Schutzverband der Schwarzwälder Schinkenhersteller wollte den Schutz weiter verschärfen. Andernfalls sei die Jahrhunderte alte Produkttradition bedroht. "Es tauchen immer wieder Produkte auf, die wir nicht nachvollziehen können", klagte der Anwalt der Schutzgemeinschaft, Ulrich Gruler.

Die Anwältin der überregionalen Abraham Schinken GmbH, Andrea Ringle, vermutete dagegen, der Schutzverband habe die neue Regelung aus wirtschaftlichem Interesse vorangetrieben. "Es ist offensichtlich so gewesen, dass man Abraham nicht im Boot haben wollte - und weiter nicht will." Und auch der Anwalt der Schinkenschützer Gruler argumentierte bisweilen recht offenherzig: "Wir brauchen einen höchstmöglichen Schutz, sonst verfällt das Produkt, sonst verfällt der Preis."

Auch Schweine aus dem Ausland werden verwurstet

Diese Einschätzung teilen allerdings keineswegs alle Hersteller der Region: Kleine Familienbetriebe wie die Schwarzwälder Schinkenräucherei Hils sehen sich wegen des Urteils in ihrer Existenz bedroht. Er könne sich keine Schneideanlage für 500.000 Euro oder eine Million leisten, sagte Geschäftsführer Christoph Hils. Die Entscheidung müsse er erst einmal überschlafen. "Das bedeutet, dass wir unser Geschäft nicht mehr weiterführen können."

Auf der Suche nach einer Lösung wurde zeitweise gar diskutiert, den Schinken zwar außerhalb des Schwarzwaldes zu schneiden, dann aber zur Kontrolle zurück in die Region zu bringen - die Idee wurde allerdings einvernehmlich als nicht praktikabel verworfen.

Das Kuriose an dem Fall: Beim Schwarzwälder Schinken müssen die Schweine nicht aus dem Schwarzwald stammen, nicht einmal aus Deutschland. Und die Tiere dürfen fressen, was sie wollen - oder was ihr Besitzer ihnen füttert. Entscheidend war für das Patentgericht daher auch nur Rückverfolgbarkeit des Schinkens: "Man sieht es ja einem geschnittenen Produkt nicht mehr so an, wo es herkommt", argumentierte Richter Hacker.

Das Argument der Verbraucher erwarte, dass Schwarzwälder Schinken aus dem Schwarzwald komme, sah das Gericht eher nachrangig. "Vermutlich macht sich der Verbraucher keine allzu großen Gedanken, wo der Schinken geschnitten und verpackt worden ist", so Hacke. Es sei ihm möglicherweise sogar "Wurst, im wahrsten Sinne des Wortes".

pen/DPA / DPA
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