SCHWEDEN Barnevik gibt Riesenbonus teilweise zurück

Doch auch nach Rückzahlung von rund 61 Millionen Euro steht Ex-ABB-Manager Percy Barnevik wegen der schmamlos hohen Abfertigung weiter in der Kritik.

Auch die Rückzahlung von mehr als der Hälfte ihrer gigantischen Abfindungen hat die schwedischen Ex-ABB-Manager Percy Barnevik und Göran Lindahl nicht vor vernichtenden Medien-Urteilen bewahrt. »Nein, die Suppe stinkt weiter«, kommentierte »Dagens Nyheter« in Stockholm am Montag, dass Barnevik 90 Millionen Schweizer Franken (61,2 Mio Euro) von den ihm ausgezahlten Millionen Franken zurückzahlt.

Nachfolger gut versorgt

Sein Nachfolger Lindahl verzichtet auf 47 Millionen von 85 Millionen Franken, die er von Barnevik aus dessen Zeit als Aufsichtsratschef zugeschanzt bekommen hatte. Auch bei eidgenössischen Kommentatoren war am Tag nach der Bekanntgabe der Verzichtserklärungen und einen Tag vor der ABB-Hauptversammlung am Dienstag angesichts düsterer Verlustzahlen in der letzten Bilanz wenig Neigung zu »Schwamm drüber« auszumachen.

»Schamlos, unverschämt und beschämend«

Nach wie vor schamlos, unverschämt und beschämend findet die »Neue Luzerner Zeitung« den auch nach internationalen Maßstäben extrem tiefen Griff der beiden Skandinavier in die ABB-Kasse und meint zum dritten Adjektiv: »Beschämend für die beiden Exmanager ist, dass es den Druck der Öffentlichkeit, nicht zuletzt der Medien in der Schweiz und in Schweden brauchte, um Barnevik und Lindahl von der Verwerflichkeit des eigenen Tuns zu überzeugen.«

Regelungen schon zehn Jahre bekannt

Die Lawine ins Rollen gebracht hatte ABB-Aufsichtsratschef Jürgen Dormann vor gut einem Monat bei der Bilanzveröffentlichung. Dass die jetzige Führung in Zürich ihr schwedisches Vorgänger-Duo aus den achtziger und neunziger Jahren gerade zu diesem Zeitpunkt wegen »juristisch zweifelhafter« Abfindungsverträge massiv in die Schusslinie stellte, obwohl die Regelungen zum Teil schon zehn Jahre existieren, wurde in Stockholm registriert. »Natürlich haben sie das jetzt gemacht, um von der eigenen schlechten Jahresbilanz abzulenken«, meinte Lars Erik Forsgaard vom Aktiensparerverband im Rundfunk. Aber so betreibt man nun mal auch Unternehmenspolitik. Den Teilverzicht hießen alle bis hin zur Vorsitzenden des Gewerkschaftsdachverbandes LO, Wanja Lundby-Wedin, ohne Einschränkung willkommen: »Wenigsten kann man mit öffentlichem Druck was erreichen. Obwohl beide ja immer noch irrsinnig viel Geld behalten können.«

Einst mächtigster Manager der Welt

Vor allem Barnevik, in den neunziger Jahren als erfolgreicher ABB-Vorstands- und später Aufsichtsratschef einer der mächtigsten und weltweit angesehensten Manager in Europa, ist durch die Anprangerung aus seinem einstigen Büro in Zürich tief gefallen. Der 61-jährige wurde postwendend aus allen Funktionen an der Spitze der schwedischen Wallenberggruppe entfernt und von der legendären Familiendynastie auch noch öffentlich gedemütigt. »Ich bin von Percy sehr enttäuscht«, verkündete Jacob Wallenberg und ließ durchklingen, dass Barnevik beim Abzocken der astronomischen Beträge wohl seinen allzu gutgläubigen Vater Peter Wallenberg als früherem ABB-Aufsichtsrat kräftig über den Tisch gezogen hat.

Übliche Prüfungsvorschiften verletzt

Die jetzige Konzernspitze drückte sich noch deutlicher aus. »Wenn wir uns mit Barnevik und Lindahl nicht geeinigt hätten, hätten wir juristische Schritte eingeleitet«, unterstrich ein ABB-Sprecher im schwedischen Rundfunk, dass nach Zürcher Lesart bei den Bonus- und Pensionsabmachungen die üblichen Prüfungsvorschriften verletzt wurden. Mit dieser Perspektive im Hinterkopf zahlt Barnevik nun 90 Millionen Franken aus seiner offenbar bestens gefüllten Privatschatulle. »Die letzten Monate waren hart. Ich hab dieser schnellen Einigung zugestimmt, damit wir das Ganze abschließen können«, erklärte der Schwede, dessen Name in seiner Heimat innerhalb weniger Tage eine ähnlich neuen Klang bekommen hat wie der mehrfacher Olympiasieger, die plötzlich nur noch als Dopingbetrüger wahrgenommen werden. Schwedens größte Zeitung »Aftonbladet« meinte denn auch zur Rücküberweisung: »Zu spät, der Ruf ist hinüber.«

Thomas Borchert


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