Einkaufs-App "Shopkick" ausprobiert Alles für den nächsten Kick


In den USA ist "Shopkick" bereits ein Kassenschlager, nun ist die Bonus- und Prämien-App in Deutschland gestartet. Nützlich oder nervig? Ein Selbstversuch in der Hamburger Innenstadt.
Von Kalle Harberg

Als ich die letzten Stufen aus der U-Bahn-Station hinaufklettere, fängt mein Smartphone an, wie wild zu vibrieren. Ich zücke es aus der Hosentasche, aber kein Anruf und keine SMS erscheint auf dem Display. Stattdessen nur eine kurze Nachricht: "Bei Karstadt warten 50-Walk-in-Kicks + 75 Scan-Kicks auf dich! Einfach Shopkick am Eingang öffnen!"

Shopkick, so lautet der Name der neuen App, die das Einkaufen der Deutschen revolutionieren will, indem sie Online-Shopping und analogen Einzelhandel miteinander verbindet. Ab sofort können sich Kunden alleine den Besuch ausgewählter Geschäfte bezahlen lassen. Betritt man einen Laden, werden nicht hörbare Audiosignale an die App geschickt und man erhält so genannte "Walk-in-Kicks", die sich später in Prämien umwandeln lassen. Natürlich werden die Daten anschließend an die Unternehmen weitergeleitet – aber im Gegensatz zu Facebook und Co. verdient der Kunde bei Shopkick daran mit.

Shoppt man besser?

Ein Konzept, das in den USA extrem erfolgreich ist. Dort gehört die App zu einer der meistgenutzten und beschert seinen Partnerunternehmen Millionengewinne. Hat man die Kunden erst einmal im Laden, kaufen die schließlich auch mehr ein. Seit Donnerstag ist Shopkick nun auch in Deutschland erhältlich und will das Land der Rabattsammler und Datenschützer aufmischen. Aber wie nützlich ist die App wirklich beim Einkaufsbummel? Shoppt man anders, mehr – besser?

Praxistest in der Mönckebergstraße, Hamburgs Shoppingmeile, wo sich kleine Boutiquen und große Filialen aneinanderreihen. Wie die von Karstadt. Endlich aus der U-Bahn raus, öffne ich Shopkick und wechsele in die integrierte Kartenfunktion. Es sind nur ein paar hundert Meter bis zur Filiale. Wie eine Wünschelrute halte ich mein Smartphone vor mich und bahne mir einen Weg durch die Menge. Und tatsächlich: Kaum habe ich die gläsernen Eingangstüren durchschritten, poppt auf dem Display ein blauer Kreis auf. "Hallo, Kalle" steht in seiner Mitte, gefolgt von "50 Kicks" und der grauen Skizze eines Geschenks, das ich angeblich bekomme, wenn ich weitersammle. Ich bin aufgeregt, obwohl ich nicht so genau weiß, warum eigentlich.

Und jetzt? Auch für das Scannen bestimmter Produkte gibt es Kicks. Also durchforste ich die Regale nach Shampooflaschen und Rasierklingen und scanne Barcodes. Derweil werde ich von den übrigen Kunden misstrauisch beäugt. Nach jedem Scan, stellt mir Shopkick Fragen. "Haben Sie heute ein Pantene-Produkt gekauft?" Nein. "Haben sie vorher geplant heute Haarpflege-Produkte zu kaufen?" Nein.

An Kundenumfragen nehme ich normalerweise nie teil, aber was tut man nicht alles, für den nächsten Kick und die grauen Konturen eines Geschenks? Wie Paypal und andere Bonussysteme versucht auch Shopkick, die Sammellust im Kunden zu wecken. Doch die Produktauswahl dafür ist zu bescheiden. Bei den lediglich drei Waren, allesamt Drogerieartikel, die man bei Karstadt einscannen kann, ebbt die Vorfreude rasch ab.

Vielleicht ist es in anderen Geschäften besser. Mit insgesamt 1300 Partnerläden ist Shopkick in Deutschland gestartet. Ein schneller Blick in die App verrät mir, die Adresse einer teilnehmenden Douglas-Boutique gleich nebenan, in der bisher "0 andere Shopkicker in Hamburg waren". Unbekanntes Terrain also - ob es dafür zusätzliche Kicks gibt? Stolz verkünde ich einer Mitarbeiterin, dass sie den ersten Shopkicker ihrer Filiale vor sich habe. Doch die hat noch nie von der App gehört, geschweige denn von besonderen Kicks oder Scans für mich. "Das ist gut, dass Douglas dabei ist", sagt sie, "aber vielleicht ist die App noch gar nicht fertig?" Im Menü taucht lediglich eine Werbung für "That's me" auf, den neuen Duft von Helene Fischer.

Ich passe und starte einen letzten Versuch. Der Saturn in der Mönckebergstraße, einer der größten Elektrofachmärkte der Welt. Sechs Etagen voller Laptops, DVDs, Staubsauger, Mikrowellen und vielem mehr. 35 Kicks bringt das Betreten – aber von den tausenden Artikeln kann nur ein Einziger gescannt werden. Spätestens jetzt ist klar: Das Konzept von "Shopkick" funktioniert momentan nur bis zur Ladentür.

Die Dichte der teilnehmenden Geschäfte ist schon jetzt ansehnlich; die Idee, alleine mit dem Besuch eines Ladens Geld zu verdienen, ohne etwas zu kaufen, ist innovativ. Aber all die Scans, Kundenbefragungen und Werbungen danach helfen beim wirklichen Shopping nicht - ganz zu Schweigen von den vielen Daten, die man über sich preisgibt. Wer kauft schon die elektrische Zahnbürste Oral-B Professional Care 1000, nur weil man dafür ein paar Kicks erhält?

Gefunden und gescannt habe ich sie nach langem Suchen dennoch. Im Untergeschoss des Saturn. Insgesamt 195 Kicks habe ich an diesem Tag gesammelt. Das sind umgerechnet 84 Cent. Welche Prämie sich hinter dem grauen Geschenk verbirgt, weiß ich bis heute nicht.


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