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Sicher einkaufen im Netz: Darauf müssen Sie beim Online-Shopping achten

Mehr als die Hälfte der Deutschen kaufen Waren über das Internet. Systeme werden sicherer, doch Betrüger finden immer wieder neue Tricks. Wir erklären Ihnen, wie Sie sicherer im Netz einkaufen.

Von Felix Disselhoff

Woran erkennen Sie einen seriösen Online-Shop?

Wenn Sie zum ersten Mal bei einem unbekannten Shop einkaufen, ist Vorsicht angesagt. "Eine hübsche Homepage kann jeder ins Netz stellen", meint Tomas Weis von der Verbraucherzentrale Saarland. "Ein Blick ins Impressum und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen schafft schon einmal Klarheit." Fehlen Angaben zum Standort, verstößt der Webseitenbetreiber also gegen seine Darlegungspflichten, können das erste Alarmzeichen sein. "Dasselbe gilt für die Widerrufsbelehrung. Die sollte zumindest nach dem Bestellvorgang dem Kunden zugesandt werden", so Weis. Viele Shops verkaufen Ihre Ware auch bei Ebay. Dort kann sich jeder User einen Eindruck über die Bewertungen von früheren Kunden machen. Doch auch hier warten Betrüger. Die gängige Betrugsmasche: Verkäufer handeln eine gewisse Zeit mit niedrigpreisigen Waren, bis sie eine entsprechende Anzahl an guten Bewertungen bekommen. Haben sie Vertrauen aufgebaut, handeln mit sie teureren Waren. Ob im Hintergrund eine "Wohnzimmer-Firma" agiere, sei für Verbraucher kaum einsehbar, so Verbraucherschützer Weis. Wenn das Postfach gekapert und der Firmensitz erfunden ist, bleibt dem Verbraucher nur noch die Anzeige gegen Unbekannt.

Wie bezahlen Sie am sichersten?

Sollten Sie die Ware erst an der Haustür bezahlen? Oder doch per Kreditkarte? Jede Zahlungsweise hat Vor- und Nachteile. Bei der Nachnahme sind beide Parteien auf der sicheren Seite. Die Bestellung geht beim Online-Shop ein, die Ware wird umgehend verschickt und durch einen Paketdienst zugestellt. Dadurch wird das Online-Shopping aber nicht unbedingt komfortabler. Zum einen fallen Nachnahmegebühren an. Zum anderen darf das Paket vor der Annahme nicht geöffnet werden. Ist es also defekt, müssen Sie sich dennoch um Umtausch oder Rückerstattung kümmern.
Die Kreditkarte ist in letzter Zeit zwar negativ in die Schlagzeilen geraten, dennoch ist sie als Zahlungsmittel in Online-Shops weit verbreitet. Die Bezahlung ist unkompliziert, weil der Zahlungsprozess mittels Kreditkarte häufig in den Bestellvorgang integriert ist. Nachdem die Bestellung eingegangen ist und der Versandhändler eine ausreichende Deckung der Karte festgestellt hat, wird die Ware verschickt. Allerdings kann jeder, der Ihre Kartennummer und die dazugehörige Sicherheitsnummer kennt, im Internet bestellen. Achten Sie also darauf, wem Sie Ihre Daten mitteilen.
Paypal sollte vor allem Ebay-Kunden ein Begriff sein. Über das Online-Bezahlsystem können Bestellungen mit der Kreditkarte oder vom Girokonto bezahlt werden, das kann das eigene oder ein bei Paypal eingerichtetes Konto sein, auf das Geld eingezahlt wurde. Der Zugriff erfolgt standardmäßig per Mail-Adresse und Passwort. Wem das nicht sicher genug ist, der kann bei der Anmeldung die Einrichtung eines SMS-Sicherheitsschlüssels beantragen. Bei jedem Bezahlvorgang bekommen Sie dann via SMS einen sechsstelligen Code zugesandt, den Sie wiederum online eintragen müssen. Über Paypal können Sie bezahlen und Geld empfangen. Wer Geld empfängt, der muss für Transaktionen innerhalb der Europäischen Union eine Grundgebühr von 0,35 Euro plus 1,9 Prozent Gebühren bezahlen. Beim Bezahlen in einer anderen Währung, wie etwa Dollar oder Britisches Pfund, schlägt Paypal zwischen 2,5 und 4 Prozent auf den Wechselkurs auf.

Wenn Ihnen schon die Möglichkeit angeboten wird, sollten Sie sich für die Bezahlung per Rechnung entscheiden. Als Käufer sind Sie damit auf der sicheren Seite: erst wenn die Ware ohne Mängel in der bestellten Menge, Farbe und Größe bei Ihnen eingetroffen ist, müssen Sie das Geld überweisen. Abzuraten ist von der Bezahlung per Vorkasse. Ist das Geld einmal vom eigenen Konto abgebucht, ist es nur schwer zurückzubekommen. Achten Sie außerdem bei der Weitergabe Ihrer Bankdaten auf eine verschlüsselte Verbindung (erkennbar am https:// vor der Url und dem Schloss-Symbol in der Browserzeile) und das Abfragen der dreistelligen Prüfnummer auf der Kartenrückseite, wenn Sie mit einer Kreditkarte bezahlen.

Was tun, wenn der Händler nicht liefert?

Wenn ein Onlinehändler die bestellte Ware auch nach schriftlicher Aufforderung schuldig bleibt, sollten Sie möglichst schnell reagieren. Relativ gut sind Ihre Chancen, wenn Sie mit einer Kreditkarte bezahlt haben. Der Grund: Viele Kreditkarten-Anbieter bieten die Möglichkeit, Buchungen rückgängig zu machen. Die Fristen unterscheiden sich aber von Anbieter zu Anbieter. Deswegen sollten Sie einen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werfen. Haben Sie via Lastschriftverfahren bestellt, funktioniert es etwas anders. Die Verbraucherzentrale Bayern rät, die Rückbuchung unbedingt innerhalb von sechs Wochen nach Abbuchung zu veranlassen. Zwar ist eine Rückbuchung danach auch noch möglich. Es besteht aber dann die Gefahr, dass die eigene Bank auf der Forderung "sitzen bleibt" und deswegen Schadensersatzansprüche gegen den Kunden geltend macht. Das Lastschriftabkommen der Banken sieht nämlich vor, dass nach einem Zeitraum von sechs Wochen das Risiko, dass die Lastschrift "platzt", von der Bank des Unternehmers auf die Bank des Verbrauchers übergeht. Viele Banken haben sich deswegen mit einer Klausel in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen abgesichert. Widerspricht der Verbraucher erst nach Ablauf von sechs Wochen und stellt sich heraus, dass der bereits bezahlte Betrag von der Bank nicht mehr beigetrieben werden kann, so macht sich ein Verbraucher gegenüber seiner Bank schadensersatzpflichtig.

Haben Sie das Geld allerdings schon überwiesen, hat die Bank keine Möglichkeit mehr, die Transaktion rückgängig zu machen. Denn Banken können Geld nur zurückbuchen, so lange es noch nicht auf dem Empfängerkonto gelandet ist - und das ist bei Ihnen dann ja schon passiert. "In diesem Fall bleibt Ihnen nur die Möglichkeit der Fristsetzung mit der Androhung des Rücktritts vom Kaufvertrag bei Nichteinhaltung", so Verbraucherschützer Weis. "Sie haben als Kunde zwar einen gesetzlichen Anspruch auf Erhalt der Ware, aber das ist in einem solchen Fall noch keine Garantie". Im schlimmsten Fall bleibt Ihnen nur die Strafanzeige. "Wenn der Webseitenbetreiber nicht, wie vom Gesetzgeber gefordert, ein Impressum auf seiner Seite platziert hat, lässt sich die Identität unter Umständen über einen Eintrag im Handelsregister oder die deutsche Domainverwaltung Denic ermitteln", erklärt Weis. Die Denic ist für die Vergabe der auf ".de" endenden Domains zuständig. Wenn Sie der Händler immer wieder damit vertröstet, die Ware bereits abgeschickt zu haben, muss er das auch nachweisen können.

Wo finden Sie Informationen über Produkte?

Gerade im Elektronikmarkt hat jeder schon einmal die Erfahrung gemacht: Man hat sich wochenlang im Netz über den Lieblingsfernseher informiert, vertraut aber doch auf das Wort eines Fachkundigen. Viel mehr als den Klappentext kann der Fachverkäufer zur Entscheidung dann aber nicht beitragen. Immerhin wechselt das Sortiment wöchentlich. Wenn Sie also schon online bestellen, sollten Sie sich auch vor dem Kauf gründlich in Foren und Verbraucherportalen informieren. Auch bei Amazon finden sich meist nützliche Kundenrezensionen.

Wo können Sie Preise vergleichen?

So viele Händler, so viele Preise. Es gibt immer einige Anbieter, die einen gesuchten Artikel gerade zum absoluten Schnäppchenpreis verkaufen. Preisvergleiche wie Guenstiger.de, Preissuchmaschine.de oder Billiger.de helfen dabei, den günstigsten Preis im Netz schnell zu finden. Auch entsprechende Apps sind inzwischen verfügbar. Die Preisvergleiche nehmen zwar in der Regel nur "seriöse" Händler in ihren Vergleich auf. Lassen Sie sich aber nicht von der Gier leiten und kaufen Sie nicht unbedingt beim allerbilligsten Anbieter. Wenn Sie mit einem Shop bereits gute Erfahrungen gemacht haben, können die paar Euro mehr die gesparte Zeit und Mühe durchaus wert sein. Die wohl bekanntesten Preisevergleich sind folgende:
Idealo
Guenstiger
GuenstigerPreissuchmaschine
Preistrend
Viele Online-Shop-Betreiber rechnen außerdem damit, dass Ihre Kunden bei den Preisvergleich-Webseiten nach dem günstigsten Anbieter suchen. Deshalb bieten sie ihre Ware oft sehr günstig an - so stehen sie beim Preisvergleich ganz oben -, setzen dann aber die Porto- und Verpackungskosten oder die Bezahlungsgebühren so hoch, dass sie damit zusätzlichen Gewinn machen. Schauen Sie sich deshalb vorher die Kosten für Porto und Verpackung und Ihre gewünschte Bezahlmethode genau an, rechnen Sie sie zum Artikelpreis dazu und vergleichen Sie dann erst die Preise.

Wann dürfen Sie Waren zurückschicken?

Für Fernabsatzverträge - das sind neben den Internet-Geschäften auch solche per Telefon oder Katalogbestellungen - zwischen dem Kunden und einem Unternehmer gilt grundsätzlich: Sie können Ihre Entscheidung innerhalb von 14 Tagen überdenken und den Kauf ohne Angabe von Gründen rückgängig machen. Einige Firmen versuchen immer wieder, den Widerruf abzulehnen, etwa wenn Verbraucher Verpackungen geöffnet und Produkte ausprobiert haben. "Das ist aber erlaubt", sagt Weis. Allerdings könne der Verkäufer unter Umständen Wertersatz verlangen, wenn er sich das vor dem Kauf vorbehalten hat. Gehen Sie also auf Nummer sicher und schauen sich die AGB vor dem Kauf an. Allerdings kennt das Widerrufsrecht auch etliche Ausnahmen. Dazu zählen laut Verbraucherzentrale NRW beispielsweise Pauschalreisen, Eintrittskarten für Freizeitveranstaltungen, aber auch verderbliche Waren, entsiegelte Audio- und Videoaufzeichnungen oder wenn die Waren speziell nach Ihren Wünschen angefertigt wurden.

Das Widerrufsrecht kann nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) auch beim Kauf von versiegelten Datenträgern ausgeschlossen werden. "Wenn Sie eine versiegelte CD oder DVD aus der Verpackung nehmen, können Sie dem Verkäufer nicht mehr nachweisen, dass Sie die Daten nicht heruntergeladen haben", sagt Weis. "Probleme kann es auch bei sogenannten Hygieneartikeln, wie Unterwäsche oder medizinische Geräte, geben. In diesen Fällen schließt der Verkäufer eine Rückgabe aus."

Was tun bei mangelhafter Ware?

Unabhängig vom Widerrufsrecht dürfen Sie mangelhafte Waren beanstanden. Das muss nach dem BGB aber nicht immer die Lieferung einer neuen Ware bedeuten, die Verkäufer haben auch die Möglichkeit, ein beschädigtes Produkt zu reparieren. Wer eine mangelhafte Sache bekommen hat, muss Sie innerhalb von zwei Jahren reklamieren. Innerhalb des ersten halben Jahres nach Übergabe oder Erhalt der Ware wird gesetzlich vermutet, dass ein aufgetretener Mangel schon beim Kauf vorhanden war. Der Käufer braucht dann nicht den Beweis zu erbringen, dass der Artikel zum Zeitpunkt der Übergabe mit einem Mangel behaftet oder in der Funktion beeinträchtigt war. Tritt der Mangel erst danach auf, muss der Käufer nachweisen, dass der Mangel bereits von Anfang an vorhanden war. Für Laien können an den Nachweis keine unzumutbaren Anforderungen gestellt werden. Schließlich kann der Käufer nicht jedes Mal ein Sachverständigengutachten beibringen. Nach Meinung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg genügt es darzulegen, dass der Käufer den Mangel nicht verursacht, die Sache also ordnungsgemäß z.B. im Rahmen der Bedienungsanleitung genutzt hat.

Müssen Sie die Verpackung behalten?

Nein. Hat die Ware Mängel, können Sie auch ohne Verpackung reklamieren, sagt Stiftung Warentest. Wichtig ist die Rechnung, aber auch nur als Nachweis darüber, wo Sie die defekte Ware gekauft haben. Gleiches gilt auch beim Umtausch. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt.kann der Kunde die Ware auch ohne Originalverpackung retournieren, heißt es auf der Internetseite der Stiftung Warentest.
Allerdings empfiehlt es sich, die Verpackung zumindest innerhalb der Widerrufsfrist von zwei Wochen nach dem Kauf aufzubewahren. Denn falls Sie die Ware aufgrund technischer Mängel oder wegen Nichtgefallen zurücksenden müssen, kann Ihnen niemand ein Verschulden wegen nicht sachgemäßen Versands vorwerfen. Außerdem dürfte es gerade bei großen Geräten, wie beispielsweise Plasma-TVs, Bildern oder Computern schwierig werden, entsprechend große Kartons zu bekommen.

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