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Siemens: "Manager-Bande" veruntreut 200 Millionen

In der Affäre um angebliche schwarze Kassen bei Siemens sind zwei weitere Mitarbeiter des Elektrokonzerns verhaftet worden. Insgesamt wurde Siemens von der "Manager-Bande" angeblich um 200 Millionen Euro betrogen.

Der Siemens-Konzern ist nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München offenbar von einer "Bande" von Managern um 200 Millionen Euro betrogen worden. Am Mittwoch seien zwei weitere Mitarbeiter aus der Finanzabteilung des Konzerns verhaftet worden, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld mit.

Damit seien jetzt sechs Beschuldigte im Untersuchungsgefängnis. Sie hätten sich "zu einer Bande zusammengeschlossen", um Konzerngelder mit Hilfe von schwarzen Kassen im Ausland zu veruntreuen, erklärte der Staatsanwalt. Die beiden Mitarbeiter, die am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt wurden, waren in der internen Revision und im Rechnungswesen der Siemens-Kommunikationssparte (Com) tätig.

Großrazzia in Österreich

Waren die Ermittler zunächst von über 20 Millionen Euro Schaden ausgegangen, ermittelten sie inzwischen einen Schaden von rund 200 Millionen Euro. "Konkrete Erkenntnisse über den Verbleib dieser Gelder liegen nach wie vor nicht vor", erklärte Schmidt-Sommerfeld. Unter den sechs Verhafteten ist auch ein ehemaliger Finanzvorstand der Com-Sparte.

Ein bei der Großrazzia vor einer Woche in Österreich verhafteter Beschuldigter ließ sich am Mittwoch freiwillig nach Deutschland ausliefern. Acht weitere Beschuldigte sind auf freiem Fuß. Die Vernehmungen der Verhafteten dauerten an.

Bei Durchsuchungen von Büros seien rund 36.000 Ordner mit laufenden Geschäftsunterlagen und Archivmaterial sowie umfangreiche Dateien beschlagnahmt worden. Sie würden jetzt vom Bayerischen Landeskriminalamt ausgewertet. Weitere Informationen werde die Staatsanwaltschaft frühestens am 4. Dezember veröffentlichen.

Früherer Landeschef der Sparte Com

Einer der Beschuldigten ist nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ein früherer Landeschef der Sparte Com, von dem sich Siemens im April geräuschlos getrennt habe. Ein Siemens-Sprecher bestätigte das Ausscheiden des Managers, machte aber mit Hinweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Angaben.

Der Zeitung zufolge prüfen die Ermittler, ob die Schwarzkonten beispielsweise auch zur Bestechung bei Großprojekten wie den Olympischen Sommerspielen 2004 in Athen dienten. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat bisher erklärt, sie habe keinen Hinweis auf Bestechung gefunden.

AP / AP