Siemens-Affäre Wieviel wusste Pierer?


Der scheidende Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer bestreitet, von Schmiergeldzahlungen gewusst zu haben. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" wurde er schon vor zehn Jahren darüber informiert.

Zugleich wies er den Verdacht zurück, frühzeitig von einer möglichen Beeinflussung von Betriebsräten in dem Konzern Kenntnis gehabt zu haben: "Ich habe Verträge über Zahlungen an die AUB nicht gekannt." Auch die vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" erwähnte Aufsichtsratssitzung von 1997, bei der ein Gewerkschaftsvertreter eine Frage zur AUB gestellt habe, gebe keinen Anlass zu einer gegenteiligen Behauptung. "Diese Frage ist, wie man aus dem Protokoll sieht, vom Aufsichtsratsvorsitzenden beantwortet worden. Weitere Fragen dazu sind weder auf dieser Sitzung noch auf den Aufsichtsratssitzungen in den Folgejahren gestellt worden", sagte Pierer dem Blatt.

Pierer: Rückzug aus freien Stücken

Zugleich verteidigte er seinen Rückzug aus dem obersten Kontrollgremium. "Dieser Schritt ist kein Schuldeingeständnis und keine Fahnenflucht", sagte der frühere Konzernchef. Die wirtschaftliche Lage bei Siemens habe sich nachhaltig stabilisiert, und der Konzern werde ein ordentliches Ergebnis abliefern. Außerdem seien die Untersuchungen über mögliche illegale Zahlungen auf einem guten Weg. "Deshalb ist es jetzt ein passender Moment zurückzutreten", betonte Pierer. Der einstige Konzernherr legte zudem Wert auf die Feststellung, dass er selbst die Entscheidung zum Rückzug gefällt habe. Zutreffend sei zwar, dass die Forderungen nach seinem Rücktritt lauter geworden seien: "Aber niemand hat mich rausgedrängt. Es ist mein Entschluss." Er fühle sich daher nicht als Verlierer, sondern als Gewinner.

Angeblich massiver Druck aus dem Aufsichtsrat

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte gemeldet, Pierer habe bereits vor zehn Jahren von dem Verdacht auf heimliche Zahlungen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) gewusst. Nach dem Protokoll einer Aufsichtsratssitzung im Dezember 1997 sei Pierer und seinen Vorstandskollegen damals von der IG Metall vorgehalten worden, dass Siemens Zahlungen an die AUB leiste, schreibt das Blatt. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" hat Pierer den Posten des Aufsichtsratschefs nur widerwillig geräumt. Vielmehr habe er sich massivem Druck aus dem Aufsichtsrat gebeugt. "Der Druck war so stark geworden, dass wir handeln mussten", zitierte "Focus" ein namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied. Treibende Kraft hierfür soll laut "Focus" der Vorsitzende des Siemens-Prüfungsausschusses und designierte Nachfolger Pierers, Gerhard Cromme, gewesen sein, was dieser jedoch zurückwies.

Die "Rheinische Post" meldete dagegen, Pierer habe auf Druck der IG Metall zurücktreten müssen. Die Gewerkschaft habe ihm ihr Vertrauen entzogen, weil die Unternehmensführung die AUB unterstützt habe, um der IG Metall zu schaden. Pierer hatte in der Nacht zum Freitag seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef angekündigt. Obwohl er als Aufsichtsratschef eine umfangreiche externe Aufklärung eingeleitet hat, war er als Chefkontrolleur in den vergangenen Wochen immer mehr unter öffentlichen Druck geraten.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker