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Spar-Studie Die Konten sind voll – im Lockdown steigen die Ersparnisse von Verbrauchern besonders

Die Lockdowns haben bei manchen Verbrauchern zu höheren Kontoständen geführt
Die Lockdowns haben bei manchen Verbrauchern zu höheren Kontoständen geführt
© Getty Images
Wirtschaftsforscher haben die Kontodaten von Verbrauchern während der Pandemie ausgewertet. Ergebnis: Jeder Lockdown ließ die Ersparnisse um knapp 20 Prozent steigen. Betrachtet wurden allerdings nur ganz bestimmte Bankkunden.

Die Corona-Pandemie sorgt bei manchen für harte finanzielle Belastungen. Andere Menschen in Deutschland kommen dagegen ökonomisch ziemlich gut durch die Krise. Das zeigt eine ungewöhnliche Studie der TU München, des Münchner ifo-Instituts und der Digitalbank N26.

Die Studienautoren analysierten anhand von Kontodaten und Bankkartentransaktionen, wie sich Einkommen, Ausgaben und Ersparnisse von N26-Kunden in verschiedenen europäischen Ländern im Verlauf der Pandemie veränderten. Auch wenn N26-Kunden nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind – vor allem junge, technikaffine Städter nutzen das Smartphonekonto – so kommt die Studie dennoch zu interessanten Ergebnissen. 

Trotz Anschaffungen bleibt mehr Geld übrig

Bei den deutschen Kunden zeigte sich, dass es zu Beginn der Pandemie 2020 vorübergehend einen leichten Einkommensrückgang gab – im Schnitt um etwa 10 Prozent. Aber schon Ende 2020 und Anfang 2021 seien die Einkommen wieder über das Niveau von vor der Pandemie gestiegen, schreiben die Forscher.

Wesentlich stärkere Veränderungen sehen die Ökonomen auf der Ausgabenseite. So gaben die Verbraucher insbesondere im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 deutlich weniger Geld aus als sonst. Dieser Einbruch erholte sich über den Sommer nur teilweise und langsam, bevor die Ausgaben im zweiten Lockdown erneut zurückgeschraubt wurden.

Die Einschränkungen sorgten den Finanzdaten zufolge nicht nur für weniger, sondern auch für ganz anderen Konsum als zuvor: Die Menschen hoben weniger Bargeld ab und gaben weniger Geld für Dienstleistungen aus. Nicht lebensnotwendige, langlebige Gebrauchsgüter dagegen wurden vor allem in den Lockdowns deutlich mehr gekauft als noch vor der Pandemie. Hier kompensierte wohl so mancher den ausgefallenen Urlaub mit der Erfüllung lange angedachter Anschaffungen. 

Deutschland auf Platz 2 – Europäer sparen immer mehr in der Corona--Pandemie

Ersparnisse stiegen um 40 Prozent

Bemerkenswert ist, wie stark viele Verbraucher im vergangenen Jahr Ersparnisse anhäufen konnten. Allein in jedem der beiden Lockdowns stiegen die Kontostände laut Studie um rund 20 Prozentpunkte. Unterm Strich hatten die betrachteten deutschen Bankkunden Ende 2020 rund 40 Prozent mehr Geld auf ihrem Konto liegen als zu Beginn des Jahres.

Und dabei handelt es sich nur um das Geld, was auf dem N26-Tageskonto liegt, Konten anderer Banken oder langfristige Anlagen blieben bei der Analyse außen vor. Die Studienautoren bezeichnen dieses Geld daher als aufgestaute Kaufkraft, die eigentlich nur darauf wartet, ausgegeben zu werden. Auch die Ersparnisse der N26-Kunden in Österreich, Frankreich, Italien und Spanien stiegen im Pandemie-Jahr deutlich an, wenn auch nicht ganz so stark wie die der Deutschen. 

Genug Kaufkraft da

Dass N26-Kunden nicht zwingend repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind, sehen auch die Autoren selbst. "N26-Kund*innen sind tendenziell jung, oft männlich, international orientiert und mobil, leben in Städten und sind technikaffin", heißt es in der Studie. Dennoch leiten die Autoren aus ihren Beobachtungen Schlussfolgerungen für eine baldige wirtschaftliche Erholung ab. Vor allem in Deutschland sei genug Kaufkraft vorhanden, sodass die Menschen wieder mehr Geld ausgeben dürften – insbesondere auch im Dienstleistungssektor – sobald die ärgsten Gesundheitsrisiken überwunden sind und Läden, Restaurants et cetera wieder öffnen können. Dass in der Krise auch nicht vor größeren Anschaffungen zurückgeschreckt wurde, sei zudem ein Zeichen dafür, dass die Menschen bereit sind, das Geld auszugeben, sobald sie können.

Weitreichende politische Maßnahmen zur Stützung der Kaufkraft halten die Studienautoren daher nicht für zielführend. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, die Infektionslage schnellstmöglich in den Griff zu kriegen. "Um den privaten Konsum als Motor für eine schnelle, aber auch nachhaltige wirtschaftliche Erholung zu nutzen, bedarf es einer konsequenten Infektionsverfolgung, regionaler Öffnungen, einer beschleunigten, groß angelegten und gut angenommenen Impfkampagne", heißt es im Fazit. "Wirtschaftliche und gesundheitliche Ziele gehen somit Hand in Hand und stehen nicht im Konflikt."

Quelle: ifo-Institut (Studie)


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