Staatshilfe Quelle muss wieder bangen


Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil hatte die frohe Kunde bereits unters Volk gebracht: Quelle bekommt den Massekredit über 50 Millionen Euro von Bund und Ländern. Doch offenbar ist die überlebenswichtige Finanzspritze für das insolvente Versandhaus noch gar nicht unter Dach und Fach.

Die staatliche Finanzspritze für das insolvente Versanhaus Quelle ist noch nicht gesichert. "Es gibt noch keine abschließende Entscheidung", hieß es nach Angaben aus Kreisen der Bundesregierung am Donnerstag. Es müsse noch nachgearbeitet werden. Um den Massekredit gewähren zu können, müsse das Unternehmen noch Sicherheiten bieten. Das sei das Ergebnis der Sitzung des erweiterten Bürgschaftsausschusses vom Mittwoch, in dem neben dem Bund auch Vertreter der Bundesländer Sachsen und Bayern sitzen. Eine abschließende Entscheidung könnte nunmehr in der nächsten Woche fallen.

Mehrere Medien hatten zuvor bereits übereinstimmend berichtet, die Entscheidung über einen staatlichen Massekredit von 50 Millionen Euro für Quelle sei noch nicht in trockenen Tüchern. Sie hatten sich auf das Bundesfinanz- und das Bundeswirtschaftsministerium bezogen.

Am Mittwochabend hatte es aus Regierungskreisen noch geheißen, die Bundesregierung greife der Arcandor-Tochter finanziell unter die Arme, um den Betrieb aufrecht zu erhalten und den Winterkatalog drucken zu können. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil von der FDP hatte den Kredit indirekt bestätigt. "Der Massekredit macht den Weg frei für die Entwicklung einer Fortführung von Quelle", erklärte er am Mittwochabend. "Dies ist eine gute Nachricht für die zahlreichen Beschäftigten und ihre Familien", sagte Zeil. Bei einem Massekredit sei das Ausfallrisiko für den Staat wesentlich geringer, weil er über die Insolvenzmasse abgesichert sei. "Der Massekredit verschafft dem Unternehmen erst einmal Luft, die offenen Fragen zu klären und die notwendigen weiteren Schritte anzugehen. Wir hoffen sehr, dass es auf diesem Weg gelingt, eine langfristig tragfähige Zukunftslösung für Quelle zu schaffen", sagte er.

Die zunächst geplante Staatsbürgschaft hatte der Bürgschaftsausschuss abgelehnt, weil Quelle überschuldet sei. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, er schließe sich dieser Entscheidung an.

Zum Staatskredit sollen der Bund 25 Millionen, Bayern 21 Millionen und Sachsen vier Millionen beisteuern. Mit dem Staatskredit kann Quelle den Winterkatalog fertig drucken und Bankkredite über weitere 300 Millionen Euro erwarten, die an die Staatshilfe geknüpft sind.

Quelle-Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel reagierte erleichtert. "Darauf haben die 8000 Beschäftigten lange gewartet", sagte er. "Damit ist die wichtigste Hürde genommen." Er gehe davon aus, dass jetzt der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werde.

Das Versandhaus wollte zunächst eine Bürgschaft in Höhe von 50 Millionen Euro. Diese sollten sich ursprünglich der Bund und die Länder Sachsen und Bayern teilen. Bayern und Sachsen hatten bereits zugesagt, sich zu beteiligen. Wegen des hohen Ausfallrisikos gab es Berichten zufolge im Bürgschaftsausschuss aber Bedenken.

Arcandor widersprach Berichten, das Versandhaus sei ein Sanierungsfall. Das für den Versandhandel zuständige Vorstandsmitglied Marc Oliver Sommer sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", Quelle verbrenne kein Geld mehr. Lediglich Abschreibungen auf alte Forderungen hätten das Ergebnis zuletzt ins Minus gedrückt. Die seien aber nicht entscheidend für das tägliche Geschäft.

Reuters/DPA/AP AP DPA Reuters

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