STAHL ThyssenKrupp legt Bilanz vor


Die Lage ist schwierig, also sind Anleger und Finanzexperten gespannt, welchen Ausblick die Unternehmensspitze auf die geschäftliche Zukunft geben wird.

Ein fröhliches »Komm? mit mir ins Abenteuerland« sang die Popgruppe Pur für den ThyssenKrupp-Konzern im vergangenen Jahr in einer millionenschweren Imagekampagne. Doch wenn am Dienstag Ekkehard Schulz, Kapitän des Industrie-Giganten, das abgelaufene Geschäftsjahr 2000/01 (30.9.) erläutern wird, werden auch die sympathischen Kinder aus der Werbung die schwierige Lage des Konzerns nicht aus der Welt lächeln können. Die große Spannung ist zwar weg, seit der Stahl- und Investitionsgüterkonzern bereits Anfang November vorläufige Eckdaten bekannt gab. Anleger und Finanzexperten sind dennoch gespannt, welchen Ausblick die Unternehmensspitze auf die geschäftliche Zukunft geben wird.

Sinkende Dividende

Die schwache Weltkonjunktur und die angespannte Lage auf dem Welt-Stahlmarkt rissen im vergangenen Geschäftsjahr auch ThyssenKrupp mit und bescherten dem Unternehmen mit seinen weltweit rund 194.000 Mitarbeitern einen Gewinneinbruch von 1,1 Milliarden Euro auf rund 850 Millionen Euro (1,66 Mrd DM) vor Steuern. Geplant waren jedoch 1,3 Milliarden Euro. Ohne Sondereinflüsse wie dem Erlös durch den Verkauf einer Eisenerzgrube hätte das Ergebnis gar bei 500 Millionen Euro gelegen. Die Dividende je Aktie soll entsprechend auf 60 Cent (Vorjahr 75 Cent) sinken. Auch der Umsatz blieb nicht verschont: Er lag mit 37,9 Milliarden Euro nur leicht über dem Vorjahreswert und verfehlte das von ThyssenKrupp selbst gesetzte Ziel von 39 Milliarden Euro deutlich.

Schwierige Quartale

Gute Nachrichten hatte ThyssenKrupp im November auch bei der Vorschau auf das laufende Geschäftsjahr nicht. Vor allem für die Bereiche Stahl und Autoteile hatte der Konzern die beiden ersten Quartale als besonders schwierig bezeichnet. Ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 500 Millionen Euro ohne Sondereinflüsse ist für das laufende Jahr kaum zu erreichen, hieß es.

Auf Stärken besinnen

Neben anderem soll nun ein Effizienzsteigerungs-Programm Abhilfe schaffen. Bei dem »ThyssenKrupp best« genannten Programm sollen nach Informationen der »Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung« praktisch alle Konzernaktivitäten auf den Prüfstand. Ziele sind höhere Gewinnmargen, eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und eine steigende Kapitalproduktivität. ThyssenKrupp will sich auf seine Stärken besinnen und bisher ungenutzte Potenziale erschließen.

Kein Stellenabbau

Ein Stellenabbau ist dabei offenbar nicht vorgesehen. Eine bereits abgeschlossene Konzern-Betriebsvereinbarung soll verhindern, dass das Programm zu Lasten der Mitarbeiter geht. Dem Betriebsrat werden in der Vereinbarung unter anderem Mitwirkungs- und Informationsrechte zugesichert.

Vorstand verjüngt sich

Wenige Tage vor Bekanntgabe der genauen Zahlen bestimmten dennoch positive Nachrichten das Bild. So kündigte am vergangenen Freitag ThyssenKrupp Stahl an, ab 1. April höhere Preise für Stahlprodukte durchsetzen zu wollen. Mit Wohlwollen sehen Börsenexperten auch die sich abzeichnende Verjüngung des Vorstandes. Der 40-jährige bisherige Metro-Finanzchef Stefan Kirsten und der 39- jährige Olaf Berlien, derzeit Vorstand bei Carl Zeiss in Oberkochen, sollen zu neuen Vorstandsmitgliedern der Führungsgesellschaft des Konzerns bestellt werden.


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