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Standard & Poor's Ratingagentur zweifelt an Griechenland-Rettung


Die Ratingagentur Standard & Poor's hat der Hoffnung auf eine baldige Lösung der griechischen Finanzkrise einen Dämpfer versetzt. Eine Verlängerung von Laufzeiten griechischer Staatsanleihen könnte teilweise als Zahlungsausfall gewertet werden. Damit wackelt ein zentraler Baustein des Rettungsplans für den Pleite-Staat.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat vor einem teilweisen Kreditausfall bei den bisher diskutierten Möglichkeiten einer Beteiligung privater Gläubiger an der Griechenland-Hilfe gewarnt. "Nach unserer Ansicht führt jede der beiden Finanzierungsoptionen, die im Vorschlag der Federation Bancaire Francaise (FBF) beschrieben sind, nach unseren Kriterien wahrscheinlich zu einem Zahlungsausfall", heißt es in der am Montag verbreiteten Mitteilung von S&P.

S&P bezieht sich in der Mitteilung auf das "Pariser Modell", das von französischen Banken entwickelt wurde. Banken und Versicherer wollen demnach bis 2012 fällige Gelder aus griechischen Anleihen wieder reinvestieren. Diesem Modell wollen sich im Grundsatz auch deutsche Banken anschließen.

Furcht vor einem Kollabs des Finanzsystems

Dem Plan zufolge sollen Privatgläubiger - Banken, Versicherungen und Hedgefonds - beim Auslaufen einer Griechenland-Anleihe 70 Prozent weiter dort investieren. 50 Prozent sollen in neue Anleihen gesteckt werden, die diesmal über 30 Jahre laufen. Die restlichen 20 Prozent sollen in Anleihen ohne laufende Zinszahlungen fließen. Dieser Plan könne sich noch ändern, erklärte S&P; eine andere Form könne dann auch eine andere Bewertung bekommen.

Als Kreditausfall gewertet würden laut S&P aber nur Anleihen die von den Verlängerungen betroffen wären. Die betroffenen Anleihen könnten nicht mehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheiten hinterlegt werden. Ferner gilt ein "Zahlungsausfall" als schwer kalkulierbares Risiko für das komplette Finanzsystem, weil dann auch Kreditausfallversicherungen (sogenannte CDS) in unbekannter Höhe fällig würden.

Die Finanzminister der Eurozone hatten am Wochenende die Zahlung der nächsten Tranche für das hoch verschuldete Griechenland beschlossen und dem Staat damit eine Atempause verschafft. Das Parlament in Athen machte dafür vergangene Woche den Weg frei, in dem es weitere Sparpakete mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf den Weg brachte. Ein zweites Hilfspaket soll in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden. Daran sollen sich auch private Gläubiger wie Banken und Versicherungen beteiligen.

kng/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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