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Schuldenkrise in Europa Ratingagenturen in der Kritik


Ratingagenturen spielen in der momentanen Schuldenkrise Europas eine gewichtige Rolle - zu gewichtig, wenn es nach den Kritikern geht.

Wichtig oder überflüssig? Ratingagenturen spalten in Deutschland die öffentliche und politische Meinung. Nachdem Kanzlerin Angela Merkel die Machtstellungen der Ratingagenturen in Frage gestellt hatte, melden sich nun weitere Befürworter und Gegner zu Wort.

S&P-Deutschlandchef Torsten Hinrichs verteidigte die internationalen Ratingagenturen gegen die wachsende Kritik in der Euro-Schuldenkrise. Es sei nicht Aufgabe der Bonitätswächter zu beurteilen, ob Rettungsprogramme der Regierungen politisch richtig seien. "Unsere Aufgabe ist es, eine Meinung dazu abzugeben, ob die zukünftige Zahlungsfähigkeit gegeben ist oder nicht", sagte Hinrichs am Mittwoch in der ARD. Die Ratingagenturen würden auch nicht immer genau dann bestimmte Länder herabstufen, wenn die Politiker nach Lösungen für ein verschuldetes Land wie etwa Portugal oder Griechenland suchten. Er würde das Vorgehen der Agenturen deshalb "absolut nicht als besonders brutal bezeichnen im Augenblick".

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hingegen kritisiert die Schlüsselstellung der Ratingagenturen in der Griechenland-Krise und fordert die Euro-Länder zum Gegensteuern auf. "Das Hauptproblem ist die mangelnde Bereitschaft der Politik zu grundlegenden Lösungen", sagte Bofinger der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) laut Vorabbericht. Für die Währungsunion sei ein einheitliches Finanzierungsinstrument notwendig. "Es würde schon reichen, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds zu tauschen. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen über Griechenland gebrochen", meinte Bofinger. "Nur handelt es sich dabei um eine Art Vorstufe für Euro-Bonds, und da winken finanzstarke Euro-Länder wie Deutschland ab", fügte er einschränkend hinzu.

Nach Ansicht Bofingers lassen sich Ratingagenturen prinzipiell durch andere Instrumente zur Begutachtung der Kreditwürdigkeit ersetzen. "Nötig wären dann ein umfassendes eigenständiges Rating der Banken und Versicherungen und eine akribische Überprüfung dieser Ergebnisse durch die staatliche Finanzaufsicht", erläuterte der Experte.

Auch in Österreich werden Ratingagenturen diskutiert. Die konservative Tageszeitung "Die Presse" kommentierte am Mittwoch: "Genug des Spiels, das leider keines ist. Die drei großen Ratingagenturen haben vor der Finanzkrise viel Mist gebaut, und ein großes Problem ist ungelöst: Bei Firmenratings zahlt der Geprüfte. Nur wenn sie diesen Interessenkonflikt klären kann, hätte eine europäische Ratingagentur eine Berechtigung. Aber die großen drei verteufeln, weil sie damals weggeschaut haben, und im gleichen Atemzug über ihre unbestechliche Strenge im Fall Griechenlands klagen: Das hält den Gesetzen der Logik nicht stand. Und die gelten leider auch für uns, die einfühlsamen und ortskundigen Europäer."

tmm/REUTERS/DPA DPA

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