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STRAFE: Bittere Pille für Pharma-Industrie

EU verhängt Rekordgeldbuße von fast 855 Millionen Euro wegen Vitaminkartell, als Hauptanstifter gelten dabei der Schweizer Roche-Konzern und die deutsche BASF.

Die Europäische Kommission hat gegen acht Vitaminhersteller wegen illegaler Absprachen zur Marktaufteilung und Preisfestsetzung Rekordgeldbußen in einer Höhe von insgesamt 855,22 Millionen Euro verhängt. Die höchste Geldstrafe mit 462 Millionen Euro muss der Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche als Anstifter und Mitglied der insgesamt acht Vitaminkartelle zahlen, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Die deutsche BASF muss 296,16 Millionen Euro zahlen.

Schlimmstes Kartell

Durch die geheimen Absprachen haben die Firmen zum Schaden der Verbraucher höhere Preise verlangt, als dies bei echtem Wettbewerb möglich gewesen wäre. Wettbewerbskommissar Mario Monti sprach vom schlimmsten Kartell, gegen das die Kommission jemals ermittelt hat. Besonders schwer wiegt der Umstand, dass es sich bei den Vitaminen um Substanzen handelt, die wesentlicher Bestandteile der Ernährung sind, sagte Monti. Als zweites deutsches Unternehmen musste die Merck KGaA ein Geldstrafe von 9,24 Millionen Euro hinnehmen. In den USA hatten BASF und andere Vitaminhersteller bereits millionenschwere Bußgelder wegen verbotener Preisabsprachen zahlen müssen.

BASF will Bußgeld nicht kommentieren

Die BASF hat einen Kommentar zu dem EU-Bußgeld zunächst abgelehnt. Das Unternehmen hat bislang noch keine Mitteilung der EU und kann deshalb nichts sagen, erklärte BASF-Sprecher Christian Schubert am Mittwoch. Man wird sich erst äußern, wenn ein entsprechender Bescheid vorliegt. Mit Blick auf die EU-Kommission sagte Schubert aber: »Das ist eine sehr merkwürdige Informationspolitik.«

Roche: EU-Busse durch Rückstellungen gedeckt

Die von der Europäischen Union (EU) gegen den Basler Pharmakonzern Roche verhängte Busse von fast einer halben Milliarden Euro wegen illegaler Preisabsprachen im Vitaminmarkt ist nach Angaben des Unternehmens durch bestehende Rückstellungen gedeckt. Roche hatte als Initator und Mitglied die höchste Strafe erhalten. »Roche hat eine Busse von 462 Millionen Euro erhalten, die durch Rückstellungen gedeckt ist,« bestätigte ein Roche-Sprecher am Mittwoch auf Anfrage. Er wollte den Entscheid der EU-Kommission nicht weiter kommentieren, da auch Roche die Begründung und die Details dazu noch nicht erhalten hat.

Nicht das erste Mal

Roche stimmte 1999 in den USA einer Busse von 500 Millionen Dollar wegen Vitamin-Preisabsprachen zu. Bereits 1997 zahlte Roche eine Busse über 14 Millionen Dollar im Zusammenhang mit einer Kartellbildung bei Zitronensäure. Roche betonte wiederholt, dass die gebildeten Rückstellungen in Höhe von 2,4 Milliarden sfr zur Deckung von Ansprüchen aus dem so genannten »Vitaminfall« ausreichen sollten.