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Strompreise 2010: 160 Versorger wollen Stromtarife erhöhen

Laut dem Internetportal Toptarif wollen 160 Energieversorger in Deutschland Anfang 2010 die Strompreise erhöhen. Die Preise steigen um bis zu 16 Prozent. Kunden zahlen dann mehr als jemals zuvor.

Die Verbraucher in Deutschland haben in diesem Jahr so viel wie noch nie für ihren Strom zahlen müssen. Nach einer Analyse des unabhängigen Verbraucherportals toptarif.de verteuerte sich der Strom für Normalkunden 2009 um durchschnittlich um 6,8 Prozent. Das bedeute Mehrkosten von rund 2,1 Milliarden Euro für die rund 40 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik, berichtete am Mittwoch Energieexperte Thorsten Bohg. Sein Fazit: "Noch nie mussten Verbraucher so viel für ihre Stromversorgung bezahlen." Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden erhöhte sich die Stromrechnung demnach um 51 Euro auf 804 Euro jährlich. Verbraucher in Bayern, Niedersachsen und Hessen waren der Studie zufolge am stärksten von den Preiserhöhungen betroffen. Hier kletterten die Stromkosten seit Januar um über 7,5 Prozent.

Preisspirale dreht sich weiter nach oben

Besserung ist nicht in Sicht. "Insgesamt dürfte sich die Strompreisspirale in Deutschland 2010 weiter nach oben drehen", prognostizierte Bohg. Rund 160 Stromversorger haben laut Toptarif für Januar und Februar bereits weitere Preiserhöhungen um bis zu 16 Prozent angekündigt. Ihnen stehen weniger als 50 Unternehmen gegenüber, die zum neuen Jahr die Preise senken wollen.

Die beiden größten deutschen Stromversorger Eon und RWE hätten angesichts steigender Kosten für Stromtransport und Förderung erneuerbarer Energien bisher nur Preisgarantien bis zum Frühjahr beziehungsweise Sommer 2010 ausgesprochen, betonte Bohg. Etwaige Preisschritte der beiden Branchenriesen im kommenden Jahr würden eine Signalwirkung für viele kleinere Stadtwerke haben, befürchtet der Experte. Die Verbraucher seien überhöhten Strompreisen allerdings nicht schutzlos ausgeliefert. Der Wechsel zu einem preiswerten Stromanbieter könne die Haushaltskasse um bis zu 300 Euro entlasten, erklärte Bohg.

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Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Ernst Pfister hat jetzt dazu aufgerufen, angesichts steigender Strompreise alle Möglichkeiten zur Entlastung der Verbraucher zu nutzen. "Ich appelliere an die Verbraucher, bei Strompreiserhöhungen zu prüfen, ob sich nicht ein günstigerer Anbieter findet. Denn die Wechselbereitschaft der Stromkunden ist in den meisten Fällen das beste Mittel gegen überhöhte Preise einzelner Anbieter", so Pfister. Neben der Wechselbereitschaft der Verbraucher gehöre allerdings weiterhin auch das Kartellrecht zum Instrumentarium im Kampf gegen steigende Strompreise, und zwar auf Bundes- wie auf Landesebene.

AFP/AP/dis / AP