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Branche im Wandel: Wie der Supermarkt in Zukunft funktionieren könnte

Das Internet verändert das Geschäft der Supermärkte. Experten erwarten, dass künftig viel mehr Lebensmittel im Netz gekauft werden. Der Supermarkt der Zukunft muss also mehr bieten, als bloß etwas zu essen. 

Zukunft der Supermärkte

Zukunft der Supermärkte: Das Einkaufen wird sich verändern. Darauf müssen die Händler reagieren. 

Nein, die Zukunft ist nicht jetzt - auch wenn dieser Werbeslogan schon Buchtitel und Reklamekampagnen von Konzernen schmückte. Zumindest gilt das für Supermärkte, denn der seit Jahren herbeigequatschte Durchbruch des Online-Lebensmittelkaufs lässt nach wie vor auf sich warten. Im kommenden Jahr wird Amazon Fresh, ein Lieferdienst für Lebensmittel, zwei Jahre alt. Er sollte den Markt aufmischen, auch andere Dickschiffe der Branche zum Handeln zwingen. Doch die große Revolte blieb aus. Viele Supermärkte haben ihre Online-Pläne auf Eis gelegt. 

Aber wenn der Handel im Netz nicht das große Ding für Supermärkte ist - wie können sich die Händler dann weiterentwickeln? Denn genau das wird die Frage sein. Die Unternehmensberatung Oliver Wyman hat sich die Trends und Herausforderungen der Supermärkte genauer angesehen, die "Lebensmittelzeitung" hat diese gebündelt.

So glauben die Experten, dass qualifiziertes Personal wichtiger für die Händler werden wird. Nicht-ausgebildete Helfer, die die Regale auffüllen, werden natürlich weiterhin gebraucht, doch wenn Supermärkte Kunden in die Geschäfte locken wollen, müssen sie mehr bieten. Und das geht nur mit dem richtigen Personal, das Probierstationen anbietet oder über das immer breitere Angebot aufklären kann.

Supermärkte werden zum Erlebnis-Tempel

Ein weiterer wichtiger Punkt wird das Erlebnis sein. Ein paar Aufsteller mit Weihnachtsgebäck sind damit nicht gemeint. Die Supermärkte müssen zum einen das Einkaufen zum Event machen. Verkostung von neuen Produkten, eine Café-Ecke oder Unterhaltsames für Kinder bringen neue Kunden. Doch die Unternehmensberater erwarten mehr. Sie glauben, dass Supermärkte sich noch mehr auf Events konzentrieren müssen. Meal-Kits mit allen notwendigen Zutaten für ein Rezept der Woche, Kochkurse mit den Produkten aus dem Markt, Anwendungen im Bereich Beauty und Gesundheit oder sogar Ernährungsberatung binden die Kunden an ihren Markt. 

Der Supermarkt würde so zu einem neuen sozialen Raum werden, in dem man sich trifft, Besorgungen erledigt, aber eben auch plaudert und gemeinsam Events erlebt. Das bedeutet für Supermärkte vor allem deutlich höhere Personalkosten. Um diese wiederum aufzufangen, müssen Routinearbeiten effizienter gestaltet werden.

Die Digitalisierung des Einkaufens

Hier allerdings kommt die Technik ins Spiel. Neuere und größere Supermärkte setzen schon heute auf dynamische, digitale Preisschilder. Sie wissen sehr genau, welche Produkte knapp werden, welche Regale aufgefüllt werden müssen. Durch neue Prozesse, Automatisierung und Robotik haben die Mitarbeiter dann mehr Zeit für Kunden und den Service. Und der könnte künftig auch digital werden: Kochrezepte, basierend auf früheren Einkäufen, werden aufs Smartphone übertragen. Dabei ist es unwichtig, ob der Kunde online oder im Laden eingekauft hat. 

Doch die Digitalisierung könnte auch die Märkte selbst verändern. Denn bei der Wahl von frischen Steaks, besonderem Gemüse, Aufschnitt oder Käse will der Kunde die Ware sehen, vielleicht sogar an kleinen Ständen probieren. Doch die Produkte der alltäglichen Notwendigkeit, also Klopapier, Küchenrolle, Dosentomaten oder Waschmittel, werden auch mit viel Smartphone-Schischi nicht aufregend. Ein Einkaufserlebnis ist das nicht. Warum also die Fläche mit solchen Produkten vollstellen, wenn ein einfacher Barcode künftig ausreicht, um die Artikel direkt nach Hause liefern zu lassen? Der Kunde hätte dann die Zeit, die sinnlichen Produkte in dem Markt zu entdecken. Und der Händler könnte dafür mehr Fläche bereitstellen. 

Der letzte Schritt zur Kasse steckt schon in der Transformation. In Deutschland kennen dies vor allem Kunden von Ikea: Das Scannen der Artikel ohne Verkäufer. Diese Selbstbedienungskassen sind zwar noch Zukunftsmusik in vielen Supermärkten. Doch auch hier ist Amazon in der Vorreiterrolle. In den USA betreibt der Konzern bereits sieben "Go"-Läden, die volldigitalisiert den Kunden analysieren und durchleuchten. Kameras verfolgen jeden Schritt, Sensoren registrieren, welche Artikel in den Warenkorb wandern. Der Korb wird dann während des Einkaufs schon eingescannt und direkt online bezahlt. Eine klassische Kasse gibt es nicht mehr. Bislang sind diese Läden höchstens 200 Quadratmeter klein, also weit entfernt von einem großen Supermarkt hierzulande. Noch, denn Amazon denke darüber nach, diese Art des Einkaufens auch in großen Filialen zu ermöglichen, berichtete erst kürzlich das "Wall Street Journal". Eine Kasse? Braucht man dann nicht mehr. Ob sich dieser Trend durchsetzen wird, muss sich aber erst zeigen.

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