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Tarifkonflikt: Gesamter Bahnverkehr wird bestreikt

Von Mittwochmittag bis Samstagmorgen wird die Lokführergewerkschaft den Bahnverkehr bestreiken. Erst ist der Güterverkehr dran, ab Donnerstagnacht auch der Personenverkehr. Damit ist die GDL von Überlegungen abgerückt, unbefristet die Arbeit niederzulegen.

Die Lokführergewerkschaft GDL will ab Donnerstag den kompletten Bahnverkehr lahmlegen. Der Ausstand sei bis Samstag befristet und solle im Güterverkehr bereits am Mittwoch beginnen, kündigte GDL-Chef Manfred Schell am Dienstag in Frankfurt an. "Der Bahn-Vorstand muss endlich aufhören, Streiks zu provozieren. Wir wollen ein verhandlungsfähiges Angebot", sagte er. Zugleich drohte Schell mit unbefristeten Streiks, falls der Konzern nicht einlenke. "Man muss sich von Tag zu Tag mehr darauf einstellen, weil der Druck unserer Mitglieder immer größer wird", sagte er. Einen Medienbericht über ein Geheimtreffen zwischen Schell und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn wies die GDL zurück.

Im Güterverkehr soll der Ausstand am Mittwoch um 12.00 Uhr beginnen. Ab Donnerstag 02.00 Uhr wollen die Lokführer dann auch den Fern- und Regionalverkehr bestreiken. Enden soll der Arbeitskampf am Samstag um 02.00 Uhr. Vergangene Woche hatte die GDL mit einem 42-stündigen Streik den Güterverkehr stark behindert.

Den nun angekündigten Ausstand könne die Bahn nicht mehr stoppen, sagte Schell. Grundsätzlich sei die GDL aber auf der Basis des Moderationsergebnisses jederzeit zu Gesprächen mit dem Konzern bereit. 15 Prozent mehr Einkommen und kleinere Korrekturen bei der Arbeitszeit müssten auch für die Bahn annehmbare Forderungen sein. Der Konzern lehne Verhandlungen auf der Grundlage des Moderationsergebnisses aber ab. Auf die Frage nach Streiks an Weihnachten und Silvester erklärte Schell, eine so lange Auseinandersetzung werde der Bahn-Vorstand nicht überleben.

Die Bahn hatte der GDL zuletzt Gespräche angeboten, um eine gemeinsame Interpretation des Moderationsergebnisses zu finden. Über den Verhandlungsvorschlag der CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf hatten sich GDL und Bahn zerstritten. Eine bis Ende September angepeilte Einigung scheiterte. Die GDL fordert einen eigenständigen Tarifvertrag und deutliche Einkommenssteigerungen für Lokführer. Der Tarifkonflikt zieht sich von Streiks begleitet seit Monaten hin.

Offen äußerte sich Schell gegenüber einer Ausgliederung der Lokführer in eine eigene Servicegesellschaft. Eine solche Konstruktion könne viele Vorteile haben, sagte er. Die Bahn müsse sich dann aber zur konkreten Ausgestaltung äußern. "Wenn’s kommt, kann es kommen. Und wenn’s nicht kommt, kommt’s eben nicht", sagte Schell. Die Bahn hatte erklärte, die Ausgliederung der Lokführer in eine Servicegesellschaft sei derzeit kein Thema.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters