TARIFKONFLIKT Hoffnung auf Einigung

Ein Ende des Tarifstreits ist in Sicht: Die IG Metall und die Arbeitgeber werden sich am Mittwoch an den Verhandlungstisch setzen. Bis dahin soll weiter gestreikt werden.

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie besteht wieder Hoffnung auf eine Einigung. Arbeitgeber und IG Metall wollen am Mittwoch an den Verhandlungstisch zurückkehren. Das ergab ein Sondierungsgespräch zwischen dem baden- württembergischen IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber und dem Südwestmetall-Vorsitzenden Otmar Zwiebelhofer am Montagabend. Die Streiks im Südwesten und in Berlin/Brandenburg würden jedoch so lange fortgesetzt, bis ein Verhandlungsergebnis vorliege, teilte die Gewerkschaft mit.

Verhandlungen beginnen am Mittwoch

Huber und Zwiebelhofer hatten sich am Abend zu einem zweieinhalbstündigen Gespräch in Stuttgart getroffen. Die Verhandlungen sollen am Mittwoch um 10.00 Uhr beginnen, der genaue Ort steht noch nicht fest. »Es ist für mich selbstverständlich, dass keine der beiden Seiten mit Vorbedingungen in die Gespräche geht«, sagte Zwiebelhofer. Die Gewerkschaft hatte bis zuletzt stets gefordert, dass die Arbeitgeber ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen. Die bundesweite IG Metall-Spitze kommt am Mittwoch zu ihrer regulären Vorstandssitzung in Frankfurt/Main zusammen und will dabei über die neue Wendung im Tarifkonflikt beraten.

Arbeitgeber bieten 3,3 Prozent

Die IG Metall fordert 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, hatte aber in den am 19. April in Ludwigsburg gescheiterten Verhandlungen Zustimmung für einen Abschluss um die vier Prozent signalisiert. Das letzte Angebot der Arbeitgeber lag bei 3,3 Prozent für 13 Monate und einer Einmalzahlung von 190 Euro für zwei Monate. Tarifexperten rechnen damit, dass sich ein Kompromiss aus den Elementen Lohnzahl, Laufzeit, Einmalbetrag und einer Komponente zur Anpassung der Einkommen von Arbeitern und Angestellten zusammensetzen wird.

Im Tarifkonflikt des deutschen Baugewerbes beginnt heute in Berlin die Schlichtung. Schlichter ist der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hatte die Tarifverhandlungen vergangene Woche für gescheitert erklärt, nachdem die Arbeitgeber in insgesamt fünf Verhandlungsrunden kein Angebot vorgelegt hatten. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund 950 000 Beschäftigten 4,5 Prozent Die Tarifverhandlungen für die 220 000 Beschäftigten der Druckindustrie gehen heute in Frankfurt in die entscheidende Runde.

Schwierige Verhandlungen in der fünften Runde

Der Bundesverband Druck und Medien und die Gewerkschaft ver.di sehen in der fünften Runde die letzte Chance, zu einer Einigung zu kommen. Beide Tarifparteien rechnen angesichts der verhärteten Positionen mit schwierigen Verhandlungen. Die Gewerkschaft ver.di fordert 6,5 Prozent mehr Geld und strebt einen Abschluss über 3,6 Prozent an. Die Arbeitgeber haben zuletzt Erhöhungen zwischen 2,5 und 2,8 Prozent angeboten. Die Verhandlungen sollen nach Angaben von ver.di von einer »kräftigen und breiten Warnstreikbewegung« in Druckereien und Zeitungshäusern begleitet werden.

Zehntausende Beschäftigte zum Streiken aufgefordert

Der Arbeitskampf in der Metall- und Elektro-Industrie soll am Dienstag in beiden Tarifregionen fortgesetzt werden. Im Südwesten sind 13 000 Beschäftigte in 22 Betrieben aufgefordert, nicht zur Arbeit zu erscheinen. Porsche und John Deere werden bereits zum zweiten Mal bestreikt, neu hinzu kommen unter anderem WMF und Bauknecht. Im Osten sollen während der ganzen Woche 10 000 Beschäftigte in 25 Betrieben in den Ausstand treten. Am Dienstag sind dort die Standorte der Unternehmen BMW, Siemens, MTU und Heidelberger Druckmaschinen an der Reihe.


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