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"Team Wallraff": Undercover als Flixbus-Fahrer: Wie sicher sind Fernbusreisen?

Für die Reportagesendung "Team Wallraff" ließ sich ein RTL-Reporter bei mehreren Fernbusfirmen als Busfahrer einstellen. Was er erlebte, dürfte Fahrgästen den Angst-Schweiß auf die Stirn treiben.

Fernbus

RTL-Reporter Martin Schulte: Hundemüde am Fernbus-Steuer

Fernbusreisen sind seit einigen Jahren die günstige Alternative zur Bahn. Die Fahrt dauert zwar meist etwas länger als auf der Schiene, dafür sind viele Tickets unschlagbar billig. Doch das Billig-Prinzip ist trügerisch. Denn den niedrigen Preis können Fernbusfirmen nur durch fragwürdige Praktiken halten, wie das Undercover-Format "Team Wallraff" berichtet.

Um die Arbeitsbelastung der Busfahrer aufzudecken, ließ sich ein RTL-Reporter über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder von verschiedenen Fernbusanbietern als Busfahrer engagieren. Dabei musste er feststellen, dass der Fahrplan regelmäßig so eng getaktet ist, dass die Fahrer unmöglich die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen einhalten können. Wenn Stau ist, fällt die Pause am nächsten Halt einfach weg.

Auch in der Pause ist keine Ruhe

Eigentlich sollen sich die Fahrer alle viereinhalb Stunden für 45 Minuten ausruhen, doch davon kann oft keine Rede sein. Denn auch wenn der Bus still steht oder der Fahrer auf den Beifahrersitz wechselt und den zweiten Mann ans Steuer lässt, ist an Ruhe nicht zu denken. Der Beifahrer muss Fragen von Fahrgästen beantworten und Getränke verkaufen. Auch Tickets kontrollieren, Koffer verladen oder den Bus reinigen gehört zu den Aufgaben der Fahrer, was dazu führt, das die vom Gesetzgeber geforderten "Lenkzeitpausen" selten wirklich Erholung bieten.

Auch die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von neun bis elf Stunden zwischen den Schichten kann der Undercover-Reporter in der Praxis nicht immer einhalten. Das hängt auch damit zusammen, dass er teilweise eine Stunde oder länger mit dem privaten Pkw fahren muss, bis er überhaupt am Abfahrtsort des Busses angekommen ist. Unverständlicherweise gilt die Pkw-Anfahrt nicht als Lenkzeit.

15 Mal Sekundenschlaf in elf Minuten

Bei einem Einsatz für ein Subunternehmen von Flixbus im Herbst vergangenen Jahres kommt der eingeschleuste Fahrer in viereinhalb Tagen zu gerade mal 19 Stunden Ruhezeit. Wie gefährlich das ist, beweist ein Experiment, dem sich der Undercover-Fahrer im Anschluss unterzieht. Ein pupillographischer Schläfrigkeitstest mit einer Spezialbrille zeigt, dass der Fahrer in elf Minuten 15 Mal in den berüchtigten Sekundenschlaf fällt. "Die Reaktionszeit entspricht ungefähr ein Prozent Alkohol im Blut", sagt der Schlafforscher, der den Test beaufsichtigt.

Geschlampt wird bei dem Subunternehmer auch beim Material: Der Reporter stellt fest, dass abgefahrene Reifen nicht rechtzeitig ersetzt werden und bei Nachtfahrten entgegen anderslautender Bekundungen keine Spurassistenten und Abstandswarner eingesetzt werden. Das Busunternehmen betont, alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Hier können Sie die gesamte Reportage in der Mediathek ansehen

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