HOME

Telekom-Affäre: Razzien bei Zumwinkel und Ricke

Unerfreulicher Besuch für Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke: Fahnder haben das Schloss des Ex-Telekom-Aufsichtsratschefs und das Anwesen des früheren Vorstandschefs des Unternehmens durchsucht. Die Staatsanwaltschaft verspricht sich neue Erkenntnisse über die Spitzel-Affäre bei der Telekom.

Die Staatsanwaltschaft hat in einer Razzia Häuser und Wohnungen des Ex-Telekom-Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel und des früheren Telekom-Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke durchsucht. Das bestätigte der Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft am Freitag der Deutschen Presse Agentur (DPA) in Bonn. Auch in der Zentrale der Deutschen Post in Bonn, wo Zumwinkel früher als Vorstandschef tätig war, habe es eine Durchsuchung gegeben. Die Razzien seien im Zuge der Ermittlungen zur Telekom-Bespitzelungsaffäre erfolgt.

Die Razzien fanden nach Apostels Angaben am neuen Wohnsitz Zumwinkels, einer Burg in Italien, sowie an Rickes Wohnsitz in der Schweiz statt. Außerdem habe es an einem weiteren Aufenthaltsort Rickes in Deutschland eine Durchsuchung gegeben, sagte die Staatsanwaltschaft. Die Aktion habe am Mittwoch stattgefunden. Das Material müsse noch ausgewertet werden. Nach Informationen der "Tageszeitung" ("taz") und der "Bild"-Zeitung wurden bei der Durchsuchung von Zumwinkels Schloss am Mittwoch unter anderem zwei Computer beschlagnahmt.

Die Deutsche Telekom hatte im Mai 2008 Strafanzeige erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass 2005 und 2006 unter anderem Journalisten und Aufsichtsräte von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem gegen Zumwinkel und Ricke wegen möglicher Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz und gegen das Fernmeldegeheimnis.

Zumwinkel hat eine Mitverantwortung stets zurückgewiesen. Er habe sich in dieser Sache nichts vorzuwerfen, sagte er im Januar zuletzt der "FAZ". Als damaliger Aufsichtsrat, auch als Vorsitzender des Gremiums, habe er keine Weisungsbefugnis gehabt. Das operative Geschäft habe der Vorstand geführt.

Zumwinkel hatte sich im Februar, wenige Wochen nach seiner Verurteilung in einem der spektakulärsten deutschen Steuerstrafverfahren, nach Italien abgemeldet. Innerhalb der EU verstößt ein solcher Wohnortwechsel nicht gegen Bewährungsauflagen.

DPA/AP / AP / DPA