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Telekom: Sparpaket über fünf Milliarden Euro

Die Telekom verliert Festnetz-Kunden, die Gewinne sinken. Nun will Vorstandschef Kai Uwe-Ricke nach FTD-Informationen mit einem rigiden Sparprogramm gegensteuern. Unklar ist, ob es zu weiteren Entlassungen kommt.

Von Thomas Hillenbrand

Danach sollen die Ausgaben für Vertrieb, IT-Systeme und Verwaltung deutlich sinken. "Das wäre ein Volumen, das oberhalb der Markterwartungen liegt", sagte Analyst Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Der Konzern hatte ein Sparprogramm bereits angekündigt, Details aber erst für den November in Aussicht gestellt.

Der Sparplan ist ein wichtiger Bestandteil der Gegenoffensive von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Im August hatte Ricke für Europas größten Telekommunikationskonzern seine Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in diesem Jahr um 1 Mrd. Euro auf 19,7 Mrd. Euro gesenkt und damit verschärfte Kritik an seiner Amtsführung provoziert. Auch 2007 wird das Ergebnis erheblich unter der ursprünglichen Prognose liegen. Am vergangenen Wochenende hatte der Konzernchef dem Aufsichtsrat daher bereits einen sieben Punkte umfassenden, groben Strategieplan vorgestellt.

Für das Sparprogramm hat Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick dem Vernehmen nach erst die Hälfte der Posten benannt. Wie die verbleibenden etwa 2,5 Milliarden Euro zusammenkommen sollen, sei bisher unklar, hieß es aus Telekom-Kreisen. Ein Unternehmenssprecher wollte keinen Kommentar abgeben.

Weil die Telekom vor allem im Festnetz massiv an Boden verliert, hatte Ricke vergangene Woche Tarifsenkungen von durchschnittlich 20 Prozent angekündigt. Das neue Sparprogramm soll dafür sorgen, dass die daraus resultierenden Umsatzeinbußen den Cashflow nicht schmälern. Ricke hatte kürzlich erklärt, hohe Kapitalflüsse und eine stabile Dividende hätten auch in Zukunft höchste Priorität.

Weitere Stellenkürzungen unklar

Insidern zufolge soll das nun geplante Paket sich auf Produktion, IT-Infrastruktur und Vertrieb konzentrieren. Im Visier hat Finanzvorstand Eick den Angaben zufolge auch die Sparte Konzernzentrale & Shared Services (GHS). Dazu gehören unter anderen die Immobilienverwaltung der Telekom, das Fuhrparkmanagement (DeTe Fleetservices) sowie Vivento. In dieser Tochter fängt die Telekom nicht mehr benötigte Beschäftigte auf. Vor allem bei den Vertriebs- und Verwaltungskosten, die im Jahr 2005 knapp 19 Mrd. Euro ausmachten, gibt es nach Meinung von Experten noch viel Sparpotenzial.

Bisher habe Ricke nicht dargelegt, in welcher Form die zweite Hälfte der Einsparungen finanziert werden solle, berichten mit dem Vorgang vertraute Personen. Unklar ist bislang, ob Ricke im Rahmen des neuen Sparpakets auch weitere Stellen streicht.

Die Telekom hatte im November angekündigt, ihren Personalbestand in Deutschland von rund 168.000 ohne betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2008 um 32.000 Mitarbeiter reduzieren zu wollen. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen im August hatte Ricke erklärt, ein weiterer Stellenabbau über diese Zahl hinaus stehe zunächst nicht zur Diskussion. "Es bleibt bei den bisherigen Plänen", hatte der Telekom-Chef erklärt.

FTD