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Tourismus: Die Schweiz ist zu teuer

Der Winterurlaub ist in Österreich ein Drittel billiger als in der Schweiz. Lebensmittel oder Konsumgüter kosten etwa ein Drittel mehr als in EU-Ländern - und der Tourismus leidet.

Die Schweiz wird ihr Image als Hochpreisland nicht los: Der Winterurlaub ist in Österreich ein Drittel billiger als in der Schweiz und Lebensmittel sind rund ein Drittel teurer als im EU-Vergleich. Angesichts der sinkenden Wirtschaftskraft soll nun ein neuer Anlauf unternommen werden, um die Schweizer zu entlasten. "Um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, müssen wir einerseits unser Leistungsniveau hoch halten und gleichzeitig das Preisniveau senken", sagt Wirtschaftsminister Joseph Deiss. Aber ihr Inseldasein macht den Eidgenossen mehr zu schaffen, als sie wahrhaben wollen, sagen Wirtschaftsexperten.

Enorme Kosten bremsen die Wirtschaft

Deiss' Ministerium hat mehrere Studien in Auftrag gegeben die belegen, dass die Schweizer Konsumenten 19 Milliarden Franken (12 Mrd. Euro) zu viel für Nahrungsmittel und andere Konsumgüter ausgeben, 30 bis 40 Prozent mehr als in der EU. Genau dies hindert die Schweizer Wirtschaft daran sich zu entfalten, schimpft der Minister. Als ein Maßstab gilt, dass die Wirtschaft der Eidgenossen bereits in den 90er Jahren weit weniger boomte als in den Nachbarländern. Neidvoll blicken die Schweizer deshalb auf den EU-Nachbarn Österreich.

Es liegt nicht an der Qualität

Deiss lässt die alte Mär nicht mehr gelten, dass die Schweiz wegen ihrer hohen Standards bei Sicherheit, Wert und Löhnen so teuer sei. Wer viel verdiene könne auch hohe Preise verkraften, hieß es. In dieser Woche machte Deiss nun eine andere Rechnung auf: Qualität und Vielfalt stimmten auch im Ausland, sagte er. Das verfügbare Einkommen sei in der Schweiz, nach Abzug von Krankenkassenprämien und Steuern, nicht mehr viel höher als im Ausland.

Zu wenig Wettbewerb

Etwa die Hälfte der Preisdifferenz zur EU lässt sich auf den zu schwachen Wettbewerb zurückführen, hat etwa die Forschungs- und Beratungsfirma Infras heraus gefunden. Die immer wieder zitierten hohen Löhne sind dagegen nur zu elf Prozent für das zu hohe Preisniveau verantwortlich.

Schädliche Preisabsprachen

"Wir brauchen eine Wettbewerbsgesetzgebung nach europäischem Vorbild", sagt Deiss. Schädliche Absprachen zwischen Groß- und Einzelhändlern sowie der Missbrauch des geistigen Eigentums zur Marktabschottung würden jetzt mit einem neuen Kartellgesetz bekämpft. Immerhin ließen sich 44 Prozent der Preisunterschiede mit der geringeren Wettbewerbsintensität in der Schweiz erklären, so die Studie.

Tourismus leidet

Eines der Opfer der Hochpreispolitik ist der Schweizer Tourismus. In Italien liegt das Preisniveau um acht bis 43 Prozent unter jenem der Schweiz, wie eine neue Studie zeigt. In Österreich liegt das Preisniveau je nach Ort um 16 bis 35 Prozent unter jenem der Schweiz. Ein Hotel in Österreich erzielt oft 36 Prozent weniger Umsatz, hat aber auch wesentlich weniger Kosten. Lebensmittel werden in Österreich um 43 Prozent günstiger eingekauft. Die Stundenlöhne sind im Schweizer Tourismus doppelt so hoch wie in Österreich.