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Tourismus: Für neun Euro durch Deutschland

Die Billigflieger waren die ersten, die Bahn hat die Geschäftsidee mit Erfolg kopiert, und jetzt ist der Gedanke auch bei den Busunternehmern angekommen: Mit Billigtickets gehen sie auf Kundenfang.

Mit Billig-Tickets zum Preis von neun Euro aufwärts sollen neue Kunden dazu gebracht werden, sich mit dem Bus durch Deutschland zu bewegen. Mehr, so verspricht die Jung-Unternehmerin Andrea Raschak, muss eine Fahrt von Hamburg nach München oder von Köln nach Leipzig nicht kosten. Nachteile: Die Reise dauert um einiges länger als Zugfahrt oder Flug. Außerdem müssen die Fahrgäste an Bord Werbung ertragen.

Topziel: das Münchner Oktoberfest

Die "Mietbuszentrale" mit Sitz in Leipzig, bei der die Tickets nur über das Internet gebucht werden können, ist seit diesem Monat in Betrieb. Angesteuert werden bereits Berlin, München, Köln, Frankfurt und Hamburg. Auch die Freizeitparks in Soltau und Rust sowie die Oper im italienischen Verona stehen auf dem Programm. Das größte Interesse gibt es jetzt bereits an Mitfahrgelegenheiten nach München zum diesjährigen Oktoberfest.

Die Idee von Andrea Raschak: Wenn sich 15 oder mehr Reisewillige mit dem gleichen Ziel auf ihrer Webseite eintragen, bucht sie für diese Fahrgemeinschaft bei einem Unternehmen einen Bus. Die Neun-Euro-Tickets gibt es aber nur für die ersten 20 Prozent der Plätze im Bus. Wer später bucht, muss mehr hinlegen - bis zu 39 Euro pro Fahrt. Auf die Idee kam die 36-Jährige, nachdem sie ihren Job als Zugbegleiterin verloren hatte. Die allein erziehende Mutter fand Geldgeber, die 250.000 Euro in ihre "Mietbuszentrale" steckten.

Nur 20 Prozent der Plätze sind so billig

Und nun rollen die Busse. "Derzeit sind es zwischen einem und acht am Tag", sagt Raschak, die nach eigenen Angaben bereits zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Später einmal sollen täglich 30 Busse im Einsatz sein. Damit die Preise niedrig bleiben, werden die Fahrgäste unterwegs per Video mit Werbung berieselt - zum Beispiel für Gedächtnistrainer. Wer der Werbung entgehen will, muss einen Walkman oder zumindest Ohrstöpsel im Gepäck haben.

Von dem Vorwurf, sie veranstalte "Kaffeefahrten", will Raschak aber nichts wissen. Sie spricht lieber von "Erlebnistouren". Bald soll es beim Busfahrer auch Snacks geben sowie Laptops und DVD-Player zum Ausleihen während der Fahrt. Bislang macht sie mit dem Unternehmen noch Verlust. "Aber Ende des Jahres will ich mit der Sache Geld verdienen", sagt Raschak.

Bahn hat keine Angst vor Konkurrenz

Im Internet wirbt die "Mietbuszentrale" mit dem doppeldeutigen Spruch: "Es bahnt sich was an". Aber auf die Deutsche Bahn machen die Billigbusse wenig Eindruck. "Das beunruhigt uns nicht. Die Bahn ist schneller und bietet mehr Komfort", sagt Unternehmenssprecher Achim Stauß. Auch einen der Großen im Busverkehr lassen die Pläne kalt. "Wir rechnen nicht mit einem Erfolg des Billigkonzepts", heißt es bei Berlin Linien Bus, dem Betreiber von bundesweit 30 Routen. Dort werden zum Beispiel für Berlin-München 44 Euro berechnet.

Dagegen meint Martin Kaßler, der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer: "Der Ansatz war angesichts der Billigangebote von Flug und Bahn überfällig." Kaßler hofft, dass die Billigbusse neue Kunden bringen. Allerdings gibt es aus Sicht des Bundesverbandes Zweifel, "ob dabei die Qualität gehalten wird".

Burkhard Fraune/DPA / DPA