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TOURISMUS: Kuba: Luxushotels nur mit West-Partnern

Nach dem Tourismusboom der letzten Jahre nehmen jetzt in Kuba auch Joint-Venture-Projekte rasant zu. Nur deutsche Investoren trauen sich nicht so recht.

Heute und in der Zukunft werden alle neuen Großhotels der Vier- und Fünf-Sterne-Klasse von den staatlichen Hotelketten der sozialistischen Insel nur noch mit Kapitalbeteiligung und Management-Verträgen ausländischer Partner realisiert. Das bestätigt Emilio Falcon, Präsident von Kubas Hotelvereinigung. »Wir machen dabei alle gute Geschäfte«. Dass die ausländische Kapitalbeteiligung in der Regel nur 50 Prozent betragen darf, ist kein Hemmschuh, meint Falcon. Deutschland beschränkt sich - zum Bedauern der Kubaner - bisher aufs Managen von Urlauberhotels.

Zimmerboom für Auslandstouristen

Anfang 2001 existierten nach Angaben des Tourismusministeriums 27 Hotels mit ausländischer Beteiligung und 15.600 vereinbarten Zimmern. Davon waren 3.700 fertiggestellt. Und insgesamt 50 der 227 Hotels für Auslandsgäste auf Kuba sind unter ausländischer Leitung. Tendenz ebenfalls stark steigend. Ende 2000 gab es 36.000 Hotelzimmer auf Kuba, bis Dezember sollen es 40.000 sein.

Mancher ausländische Hotelpartner ist Manager und Shareholder zugleich, in einigen Fällen auch nur mit 20 oder 30 Prozent. Carlos Villota, Generalmanager des Hotels »Melia Cohiba« in Havanna sagt: »Wir haben Kapitalbeteiligungen an einigen unserer Hotels. Sol Melia war der erste Partner Kubas aus dem Ausland. Die Spanier managen bald 23 Hotels auf der Insel, drei davon sind im Bau. Die Auslastung des «Melia Cohiba» liegt laut Villota bei 76 Prozent, der Zimmerpreis bei 215 US-Dollar.«

Manchmal gleich mehrere Partner

Etliche Hotels haben mehr als zwei Partner: Über dem »Golden Tulip Parque Central« im Herzen von Havanna wehen die Flaggen Kubas und der Niederlande. Die staatliche Kette Cubanacan ist zu 50 Prozent Eigentümer. Die Holländer betreiben das Hotel. Anleger aus Italien, Großbritannien und zwei weiteren Staaten halten den Rest. »Das funktioniert ausgezeichnet«, sagt Falcon, der hier Resident Manager ist. In den Chor der Zufriedenen stimmen auch Management-Partner wie Super Clubs, LTI und Öger ein. Die firmieren und werben offensiv für ihre Produkte. Ausländische Kapitalpartner, zum Beispiel auch aus Kanada und Schweden, gehen weniger in die Öffentlichkeit.

Beteiligen ist billiger als bauen

Öger Tour hat frühere Pläne, sich an einem 1.000-Betten-Komplex auf Cayo Coco finanziell zu beteiligen, zu den Akten gelegt. Pressesprecher Ingo Thiel: »Wir werden die Anlage betreiben und managen, weil es preiswerter ist.« Auch so wird Öger-Standard garantiert. LTI-Marketing-Chefin Monika Singer: »Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden.« Im Sommer wird das LTI Varadero Beach Resort mit knapp 400 Zimmern, im Winter das LTI Panorama Havanna mit 317 Gästeräumen eröffnet. Dann würden fünf Hotels von der Gruppe gemanagt. »Wir machen gute Gewinne«, sagt Jag Mehta, Berater der Super Clubs-Eigentümer. Im Februar eröffneten die All Iclusive Betreiber aus Jamaika in Holguin das »Breezes Costa Verde« mit 480 Zimmern. Eigentümer sind Cubanacan und eine italienische Gruppe.

Deutsche noch zögerlich

Mario Sori, Vizepräsident von Cubanacan, der größten Hotelkette auf der Insel: »Das Interesse ausländischer Partner hat kräftig zugenommen. Wir würden uns sehr über ein Joint Venture mit Deutschland freuen.« Manuel Estefania, Vizepräsident von Gran Caribe: »Die Deutschen bringen uns mit die meisten Touristen, sind beim Investieren aber zurückhaltend.« Gran Caribe verfügte Ende 2000 über 41 Hotels mit 10.300 Zimmern. Die Kette hat vier Kapitalpartner für Großprojekte an der Angel, zwei aus Kanada, je einen aus Schweden und Italien. Alte Hotel-Klassiker wie »Inglaterra« und »Plaza« in Havanna sind modernisiert und werden in Eigenregie betrieben.

Der anhaltende Urlauberaufschwung dürfte Joint Venture Projekte weiter beschleunigen. Die Zahl der Besucher aus aller Welt stieg von 1,603 Millionen im Jahr 1999 auf 1,774 Millionen Gäste in 2000, die aus Deutschland von 182.159 auf 203.403. Havanna rechnet 2001 auch mit einem zweistelligen Plus. Kubas Dollareinnahmen im Tourismus liegen nun jährlich bei knapp zwei Milliarden US-Dollar.

Bernd Kubisch