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Traditionsunternehmen: Insolvenzverfahren für Wadan-Werften eröffnet

Neue Aufträge hatte der russische Eigentümer versprochen, passiert ist nichts. Nun ist das Insolvenzverfahren über die Wadan-Werften eröffnet worden. Die Arbeitsplätze der 2500 Mitarbeiter beider Werften in Wismar und Warnemünde sind damit vorübergehend gesichert. Jetzt geht die Suche nach einem neuen Investor los.

Das Amtsgericht Schwerin hat das Insolvenzverfahren für die Wadan-Werften in Wismar und Rostock-Warnemünde am Samstag förmlich eröffnet und damit die Voraussetzung für den vorläufigen Erhalt der rund 2500 Arbeitsplätze in Transfergesellschaften geschaffen. Der Insolvenzverwalter hat nun fast drei Monate Zeit, neue Investoren für die beiden Werften zu finden, wie Gerichtsdirektor Peter Winterstein am Samstag sagte.

"Wir haben den Zeitrahmen bewusst ausgeschöpft, um dem Insolvenzverwalter Zeit für eine erfolgreiche Suche zu geben", betonte er. Bis zum 14. September können die Gläubiger nach seinen Angaben nun ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden. Die nichtöffentlichen Gläubigerversammlungen, bei denen der Insolvenzverwalter unter Aufsicht des Gerichts, über das Verfahren informiert, sind für den 27. Oktober in Wismar und den 29. Oktober in Rostock angesetzt, wie Winterstein weiter sagte. Der letztmögliche Termin wäre der 31. Oktober, genau drei Monate nach Eröffnung des Verfahrens am heutigen 1. August, 00.00 Uhr, gewesen.

Transfergesellschaft mit erforderlicher Mehrheit zugestimmt

Bei einem schnelleren Erfolg bei der Suche nach Investoren kann der Zeitplan nach Angaben des Gerichtsdirektors entsprechend der dann neuen Sachlage aber auch nach vorne gezogen werden. Wenn das Amtsgericht das Insolvenzverfahren nicht eröffnet hätte, wäre die Grundlage für die Transfergesellschaften weggefallen, denen am Freitagabend zuletzt auch die Beschäftigten in Wismar mit der erforderlichen Mehrheit von mehr als 95 Prozent zugestimmt hatten. Die Belegschaft in Rostock-Warnemünde hatte bereits am Freitagnachmittag zugestimmt. Die rund 2500 Arbeitsplätze beider Werften in diesen Transfergesellschaften sind damit vorerst gesichert.

Insolvenzverwalter Mark Odebrecht hatte am Freitag von einem Zeitrahmen von fünf Monaten gesprochen. Wenn in dieser Zeit ein neuer Investor gefunden, alte Aufträge abgenommen und neue Aufträge akquiriert würden, bestehe für die traditionellen Schiffbaustandorte Mecklenburg-Vorpommerns eine Überlebenschance. "Arbeit gibt es derzeit nicht mehr auf den beiden Werften", erklärte er und fügte hinzu: "Ich bin vorsichtig optimistisch." Das Land hatte mit einem neuerlichen 20,5-Millionen-Euro-Kredit die Gründung der Auffanggesellschaften ermöglicht. Die Transfergesellschaften zahlen den Beschäftigen den Angaben zufolge etwa 80 Prozent der bisherigen Löhne als Transfer-Kurzarbeitergeld. Eine Restbelegschaft von 50 Beschäftigen werde auf den Werften für die Betreuung der im Bau befindlichen Projekte und die Erhaltung der technischen Anlagen sorgen.

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, äußerte sich am Samstag im NDR vorsichtig optimistisch: "Wir brauchen eben Aufträge, wir brauchen einen klaren Plan und einen Investor, und daran wird im Moment gearbeitet." Zugleich warnte der SPD-Politiker davor, "Hoffnungen zu wecken, die noch nicht belastbar sind".

AP / AP