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Hohe Nitratbelastung: Trinkwasser in Deutschland könnte extrem teuer werden

Für Trinkwasser zahlt ein Haushalt hierzulande schon jetzt Hunderte Euro im Jahr. Umso beunruhigender ist, dass der Preis noch deutlich steigen könnte. Die Warnung kommt von höchst offizieller Seite.

Trinkwasser fließt aus einem Wasserhahn in ein Glas

Wasser aus der Leitung gilt hierzulande in vielen Fällen als besser als in Flaschen abgepacktes Trinkwasser

Beim Trinkwasser droht eine drastische Verteuerung in vielen Regionen Deutschlands. Grund ist die hohe Nitratbelastung im Grundwasser, die an vielen Orten zum ernsthaften Problem geworden ist.

Eine Studie des Umweltbundesamts, die am Samstag veröffentlicht wurde, kommt zu folgendem Schluss: In  derzeit 27 Prozent der Grundwasservorkommen in Deutschland werden die zulässigen Nitrat-Grenzwerte überschritten. Wasserversorger müssten daher zunehmend zu teuren Aufbereitungsmethoden greifen.

Vor allem in Regionen mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen ist das Grundwasser den Angaben zufolge belastet. Grund seien Gülle und Mist aus intensiver Tierhaltung, die auf den Feldern ausgebracht werden, sowie Mineraldünger für beispielsweise Obst- und Gemüseanbau.

Gut zu wissen: Darf man einmal gekochtes Wasser wieder aufkochen?

Trinkwasser könnte um bis zu 45 Prozent teurer werden

Als Folge der hohen Nitratbelastung und der notwendigen Aufbereitung des Wassers droht eine drastische Verteuerung für den Endverbraucher, sprich: für Haushalte in Deutschland.  Die Trinkwasserkosten könnten sich um 55 bis 76 Cent pro Kubikmeter erhöhen, warnt die Behörde. Das komme einer Preissteigerung von 32 bis 45 Prozent gleich.

Was das im Einzelfall bedeutet, liefert die Untersuchung gleich mit. So müsste eine vierköpfige Familie beispielsweise bis zu 134 Euro im Jahr mehr bezahlen. Bereits zu Jahresbeginn hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ebenfalls vor deutlich steigenden Wasserpreisen gewarnt.

Trinkwasser in Deutschland gilt als hervorragend – und meist als deutlich besser als in Flaschen abgefülltes Wasser aus dem Supermarkt. Anders als in vielen anderen Regionen der Welt, kann man das Wasser aus der Leitung hierzulande bedenkenlos trinken.

"Mit den Neuregelungen in der Düngeverordnung wurden lange überfällige Schritte eingeleitet, die hoffentlich die Belastungen so weit senken, dass den Trinkwasserkunden die teure Aufbereitung erspart bleibt", wird UBA-Präsidentin Maria Krautzberger in der Untersuchung zitiert. Die Neuregelungen müssten jetzt konsequent umgesetzt werden. "Falls sich diese Belastungen nicht verringern, müssten weitere und strengere Auflagen für die Landwirtschaft erfolgen."

Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin Christiane Huxdorff forderte ein Umdenken im Agrarsektor. "Die Konsequenz aus diesen Warnungen sollte lauten: weniger Billigfleisch produzieren, die Düngegesetze deutlich verschärfen und wirksam kontrollieren", sagte sie. Die im Frühjahr beschlossene Novelle des Düngerechts reiche "bei weitem nicht aus".

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anb
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