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Fusion mit britischer Tochterfirma: Tui verschmilzt mit Tui Travel zum neuen Tourismus-Giganten

Noch vor Weihnachten fusioniert Europas größter Reisekonzern Tui mit seiner britischen Tochter Tui Travel: Ein neuer Weltmarktführer entsteht. Außerdem gelingt der Rückkehr in die Gewinnzone.

Tui wird zum weltweit größten Touristikunternehmen

Tui wird zum weltweit größten Touristikunternehmen

Für Tui-Chef Friedrich Joussen gab es die Bescherung schon vor dem Weihnachtsfest. Die Tui AG schloss nicht nur das vergangene Geschäftsjahr mit unerwartet starkem Gewinnplus ab, sondern tütete auch die seit Jahren angepeilte Fusion mit der selbstbewussten Londoner Tochter Tui Travel ein.

"Am 17. Dezember wird die neue Tui an den Finanzmärkten zum Leben erweckt werden, damit entsteht dann endgültig der weltweit führende integrierte Touristikkonzern", so Joussen in einer Telefonkonferenz. Der Reisekonzern aus Hannover steigt dann zu einem Weltmarktführer auf, der sechs Airlines mit 140 Maschinen, weltweit hunderten Hotels mit gut 200.000 Betten sowie zwölf Kreuzfahrtschiffen kontrolliert.

"Es war ein erfolgreiches Jahr, es war ein ereignisreiches Jahr", sagte Joussen am Mittwoch. Schneller als er sich das zu Jahresbeginn vorgestellt habe sei die Fusion nun da, gab er selbst zu. Die deutsche Konzernholding Tui AG mit Sitz in Hannover hatte die Londoner Reisetochter Tui Travel 2007 unters eigene Dach geholt - aus finanziellen Gründen aber nur gut zur Hälfte.

Die daraus entstandene komplizierte, kostenspielige Konstruktion soll nun mit der Komplettfusion enden. Bis zum 17. Dezember soll für die Tui-Travel-Aktionäre das Umtauschverfahren abgeschlossen sein. Für eine Aktie des britischen Unternehmens erhalten sie 0,399 Anteilsscheine der Tui AG.

Fallen Arbeitsplätze weg?

Vorangegangen war eine Rosskur in der Konzernzentrale in Hannover. Wie wird es nun weitergehen? Zunächst mal steht eine interne Neuordnung an. Sich überlappende Doppelstrukturen sollen abgebaut werden. Joussen: "Wir wollen schnelle Entscheidungswege: ich bin ein Freund von flachen Hierarchien."

Eine Entlassungswelle stehe aber nicht an. "In Summe brauchen sich die Leute keine Sorgen machen: Das wird kein Kahlschlag werden." Dennoch deutete er an, dass "Zentralfunktionen gestrafft" werden sollen. In der bisherigen Tui-Travel-Zentrale in Crawley (bei London) sind zur Zeit rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, in Hannover knapp 100.

Joussen: "Es ist nicht so, dass wir zu viele Leute an Bord haben: wir reden hier nicht über einen riesigen Arbeitsplatzabbau." Auch der Konzernbetriebsrat sieht das ähnlich. "Wir müssen schauen, dass der Zusammenschluss auf Augenhöhe geschieht und die Leute ins Boot geholt werden", mahnte ein Sprecher des Konzernbetriebsrats.

Flugzeuge kaufen statt leasen

Über Kräftebündelung, Sparchancen und sinkende Steuerlasten soll künftig im Londoner Leitindex FTSE gehandelte neue Konzern ein jährliches Gewinnplus von rund 100 Millionen Euro verdienen. Von einem "starken Start ins neue Jahr" spricht die Tui bereits, die Buchungen seien sehr vielversprechend angelaufen.

Die neue Reiselust in einigen Märkten sowie günstige Ölpreise beflügeln die Hoffnungen. Hervorragend hätten sich die Niederlande entwickelt, der schwierige Frankreich-Markt sei auf dem Weg der Besserung, Deutschland und Großbritannien seien wachstumsstark, Ägypten erhole sich als Reiseland wieder etwas, das Kreuzfahrtgeschäft schnurrt.

Flugzeuge sollen künftig nicht mehr geleast, sondern gekauft werden, kündigte Joussen an. Die nicht zum Kerngeschäft gehörende Tui-Beteiligung an der Containerreederei Hapag-Lloyd soll verkauft werden, sobald sich ihr Wert erholt. Über ein konkretes Datum schwieg sich der Tui-Chef aber aus. Die noch mit 467 Millionen Euro in den Büchern stehende Beteiligung liegt nach der Hapag-Lloyd-Fusion mit der Containersparte der chilenischen CSAV bei knapp 14 Prozent.

Ralf E. Krüger, DPA / DPA