Überraschender Milliarden-Gewinn Ford fährt Konkurrenz davon


Davon können die Rivalen General Motors und Chrysler derzeit nur träumen: Ford, Amerikas zweitgrößter Autobauer, überrascht die Branche mit einem Milliarden-Gewinn im dritten Quartal. Angst vor der Zukunft hat Ford keine.

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford hängt mit einem erneuten überraschenden Milliardengewinn die Rivalen General Motors und Chrysler immer weiter ab. Nach einem Überschuss von knapp einer Milliarde Dollar im dritten Quartal peilt der Hersteller für 2011 wieder einen "soliden Gewinn" an - bislang hatte Ford für diese Zeit nur die schwarze Null angepeilt.

"Unsere Ergebnisse zeigen klar, dass Ford trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise gewaltigen Fortschritt macht", sagte Konzernchef Alan Mulally am Montag am Unternehmenssitz in Dearborn im US-Bundesstaat Michigan. Die Zahlen fielen weit besser aus als Branchenexperten im Schnitt erwartet hatten. Die Aktie schoss zu Handelsbeginn knapp zehn Prozent in die Höhe.

Schwarze Zahlen auch in Nordamerika

Ford fuhr nach einem Gewinn im zweiten Quartal auch in den vergangenen drei Monaten einen Überschuss ein, diesmal 997 Millionen Dollar (675 Millionen Euro). Ein Jahr zuvor hatte der Autobauer noch einen Verlust von 161 Millionen Dollar verzeichnet. Operativ lag der Gewinn je Aktie ohne Sonderposten bei 0,26 Dollar. Analysten hatten mit einem Verlust von 0,12 Dollar gerechnet. Der Umsatz fiel zwar um 800 Millionen auf 30,9 Milliarden Dollar, aber auch er lag über den Markterwartungen.

Auf dem Kernmarkt in Nordamerika erzielte Ford einen Gewinn von 357 Millionen Dollar. Es ist das erste Mal seit 2005, dass der Hersteller in einem Quartal dort wieder schwarze Zahlen schrieb. Die mit Milliarden von der US-Regierung gestützte bisherige Opel-Mutter GM und auch die US-Nummer Drei Chrysler können davon derzeit nur träumen. Deren Verkaufszahlen sind weit steiler abgestürzt, beide mussten zum Neustart durch ein Insolvenzverfahren.

Ford hatte zwischen 2006 und 2008 Verluste von insgesamt 30 Milliarden Dollar angehäuft. Dem Unternehmen bleibt damit immer noch ein deutlich größerer Schuldenberg als General Motors oder Chrysler nach ihrem Umbau unter Gläubigerschutz. Dennoch gilt Ford als deutlich gesünder als die beiden heimischen Rivalen, denn der Hersteller hatte bei der Verschuldung und der Modellpalette frühzeitiger eine Kehrtwende eingeleitet und auch von den Pleiten der Rivalen profitiert. Alle US-Autobauer hatten aber zu lange auf spritfressende Pickups und Geländewagen gesetzt und wurden zusätzlich von der US-Rezession schwer getroffen.

Eine Milliarde Dollar eingespart

In Europa erreichte Ford zuletzt einen Betriebsgewinn vor Steuern von 193 Millionen Dollar. Das ist fast dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Der Umsatz fiel allerdings auch hier um mehr als ein Fünftel auf 7,6 Milliarden Dollar. Die zum Verkauf stehende Tochter Volvo konnte den Betriebsverlust vor Steuern um gut 70 Prozent auf 135 Millionen Dollar verringern. Der Umsatz stieg sogar leicht auf drei Milliarden Dollar. Offizieller Favorit als Volvo-Käufer ist der chinesische Autobauer Geely.

Ford erzielte konzernweit zusätzliche Einsparungen von einer Milliarde Dollar. Insgesamt sind es im laufenden Jahr damit bereits 4,6 Milliarden Dollar, etwas mehr als geplant. Allerdings erlitt Ford bei den Kostensenkungen gerade einen herben Rückschlag: Die US-Belegschaft verweigerte weitere mit der Gewerkschaftsspitze ausgehandelte Einschnitte, wie sie GM und Chrysler in ihren Insolvenzen erreicht hatten. Ford hatte sich mehrfach über "unfaire Vorteile" für die Konkurrenten beklagt. Auch die Hilfen für Opel schmecken dem Hersteller nicht.

DPA/Reuters DPA Reuters

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