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Umsatzeinbruch bei Nokia: Cool sein und Geld scheffeln wie Apple

Schrumpfende Erträge für Nokia und Traumgewinne für Apple: Der lange Zeit souveräne Handy-Weltmarktführer aus Finnland hinkt bei Smartphones kräftig hinter dem US-Konkurrenten mit seinem iPhone her. Die Bilanz nach dem zweiten Quartal hat es erneut klar gezeigt.

Olli-Pekka Kallasvuo klingt einfach nicht so cool wie Steve Jobs, selbst wenn der Nokia-Chef nach dem Vorbild seines Apple-Kollegen schon mal im dunklen T-Shirt auftritt. Bei der Vorstellung der Zwischenbilanz am Donnerstag in Espoo vor den Toren von Helsinki passte denn auch irgendwie ein Schlips am Hals des Finnen besser: Während Apple mit seinem iPhone Traumgewinne einfährt, musste Kallasvuo für das zweite Quartal massiv geschrumpfte Erträge einräumen: Nur noch 227 statt 380 Millionen Euro zwölf Monate zuvor hat der weltweite Appetit auf neue Handys an Gewinn gebracht.

Der iPhone-Hersteller Apple konnte weniger als 48 Stunden vorher eine Gewinnsteigerung von 1,8 Milliarden auf satte 3,3 Milliarden Dollar (1,4 auf 2,6 Mrd Euro) für das abgelaufene Quartal verkünden. Insgesamt 40 Prozent davon soll nach Analystenschätzungen das iPhone eingebracht haben. Diese Zahlen sprechen ihre klare Sprache über die Machtverhältnisse auf dem heiß umkämpften Markt für schicke, anspruchsvolle und eben auch lukrative Smartphones. Dem iPhone und auch anderen Konkurrenten wie Googles Android hat Nokia bisher nichts entgegenzusetzen gehabt.

Im Tonfall eines eigentlich schüchternen, aber tapfer gegen aufsässige Schüler agierenden Schulrektors kündigte Kallasvuo an, Nokia werde jetzt "per Kickstart zurückschlagen". Am Ende des dritten Quartals soll das neue Modell N8 mit dem neuen, eigenen Symbian- System 3 endlich ausgeliefert werden. In schneller Folge soll danach "eine ganze Familie" anspruchsvoller, schicker Modelle mit Symbian kommen. "Das N8 wird besser sein als alle anderen jemals bei Nokia produzierten Mobiltelefone", verkündete der seit 2006 in Espoo an der Spitze stehende Finne.

Nur hat er das schon sehr oft und seit längerem so gesagt. Die Gartner-Analystin Carolina Milanesi schrieb in ihrem Blog: "Die Konkurrenten sitzen längst auf dem Smartphone-Zug und machen seit dem letzten Jahr gewaltige Fortschritte, während Nokia nur immer Fortschritte ankündigt und dann die Umsetzung aufschiebt."

Wohl nicht ganz zufällig verhaspelte sich Kallasvuo bei seiner "Kampfansage" an die Konkurrenz immer wieder, wirkte alles andere als kampflüstern. Anfang der Woche machten Medienberichte die Runde, dass Nokia-Eigner in den USA mit Hochdruck nach einem Nachfolger für den Finnen suchen. Für die geht es um mehr als nur fehlendes Charisma: Der Nokia-Aktienwert hat sich allein seit April fast halbiert.

Kleinlaut musste Kallasvuo eingestehen, dass "Nokias Probleme auf dem Smartphone-Markt auch im dritten Quartal anhalten werden." Denn die ursprünglich für das zweite Quartal angekündigte Freigabe des als Heilsbringer erwarteten Flaggschiffs N8 ist nun zum zweiten Mal verschoben. Nokia gilt inzwischen einfach als zu langsam.

Da helfen auch die nach wie vor beeindruckenden Marktanteile der Finnen nicht. Nach eigenen Angaben sind es 41 Prozent bei den Smartphones und 33 Prozent bei Handys insgesamt. Aber eben vor allem in den unteren Preissegmenten, die wenig Gewinn bringen.

Thomas Borchert, DPA / DPA