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Unerlaubte Preisabsprachen: Brillenglas-Hersteller müssen Millionenstrafe zahlen

Die deutschen Brillenträger haben offenbar jahrelang zu viel für ihre Brillengläser gezahlt. Das Bundeskartellamt hat nun unerlaubte Preisabsprachen gerügt und die Unternehmen mit einer Strafe in Millionenhöhe belegt. Unter den Sündern befinden sich auch große Namen wie Rodenstock und Carl Zeiss.

Die fünf führenden Brillenglashersteller in Deutschland haben sich verbotenerweise über Preise abgesprochen und damit "den Wettbewerb in diesem Markt über Jahre fast vollständig zum Erliegen gebracht". Dies hat das Bundeskartellamt am Donnerstag erklärt und den Firmen - darunter Rodenstock, Zeiss und Essilor - ein Bußgeld von insgesamt 115 Millionen Euro aufgebrummt. Zahlen muss daher auch der beteiligte Verband der Augenoptiker.

Die Firmen erhöhten ihre Preise gegenüber den Augenoptikern "regelmäßig in abgestimmter Form", erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Leidtragender sei letzten Endes der Verbraucher gewesen, an den diese Preissteigerungen weitergereicht worden seien.

Zwei regelmäßige Gesprächskreise

Die Unternehmen sprachen sich nach den Ermittlungen des Kartellamtes in zwei Gesprächskreisen ab. Vertreter der Hersteller trafen sich demnach seit Mitte 2000 regelmäßig im sogenannten HERRZ-Kreis, benannt nach den Anfangsbuchstaben der Firmen Hoya Lens, Essilor, Rupp+Hubrach, Rodenstock und Zeiss. Sie vereinbarten Preiszuschläge, Konditionen, Rabatte und Boni für die Augenoptiker.

Im Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) gab es zudem einen "Arbeitskreis Preisstrukturen", in dem die Hersteller ihre Unverbindlichen Preisempfehlungen (UVP) gegenüber den Optikern absprachen. Viele Optiker richten sich beim Verkaufspreis von Brillengläsern nach diesen UVP der Hersteller. Laut Kartellamt wurden "zumindest bei Treffen im Jahr 2005" Kalkulationen der Optiker offengelegt und Änderungen für die kommenden drei Jahre abgestimmt.

Einige Firmen gaben sich kooperativ

Das Kartellamt stützt seine Erkenntnisse auf Durchsuchungen bei den Unternehmen und beim ZVA Mitte 2008. Der Anfangsverdacht habe sich nicht auf Hinweise eines Kronzeugen gestützt, betonte die Behörde. Im Lauf des Verfahrens arbeiteten einige Unternehmen aber eng mit den Ermittlern zusammen - der Firma Rodenstock etwa gewährte das Amt daher eine "erhebliche" Reduktion des Bußgeldes. Auch Hoya Lens, Zeiss und der ZVA erreichten mit Kooperation eine geringere Strafzahlung.

Die Unternehmen können gegen die Bußgeldbescheide noch Einspruch einlegen. Zwei Firmen und der ZVA haben sich aber schon bereiterklärt, das Verfahren einvernehmlich zu beenden, wie das Kartellamt erklärte.

AFP/Reuters / Reuters