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ProSieben und RTL prüfen Gerichtsweg: Kartellamt untersagt gemeinsamen Videodienst der Privatsender

Das Bundeskartellamt durchkreuzte am Freitag die Pläne der Privatsender ProSiebenSat.1 und RTL für eine gemeinsame Internet-Videoplattform. Die beiden Sendergruppen hätten die Bedenken der Wettbewerbshüter nicht ausräumen können, begründete die Bonner Behörde die Entscheidung.

Die TV-Konzerne ProSiebenSat.1 und RTL müssen ihre Pläne für eine gemeinsame Internet-Videoplattform auf Eis legen. Das Bundeskartellamt untersagte am Freitag den Unternehmen, eine Online-Plattform aufzubauen. Die beiden Sendergruppen hätten die Bedenken der Wettbewerbshüter nicht ausräumen können, begründete die Bonner Behörde die Entscheidung. Kartellamtschef Andreas Mundt betonte, die Gründung der Plattform hätte "das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung" verstärkt.

TV-Marktführer RTL und ProSieben kritisierten das Verbot und prüfen, ob sie gerichtlich dagegen vorgehen. "Die Behörde verhindert mit ihrem Verbot einen insbesondere aus Nutzersicht neuen praktischen Service zum kostenlosen zeitversetzten Abruf von TV-Inhalten auf einer zentralen Plattform", sagte ein RTL-Sprecher. Dass die Wettbewerbshüter den Stecker ziehen, kommt aber nicht überraschend - das Kartellamt hatte bereits im Februar vor einer Gefährdung des Wettbewerbs gewarnt und Nachbesserungen wie etwa eine weitreichende Öffnung der Plattform für andere Anbieter gefordert.

Das sei aber unterblieben, teilte die Behörde mit. Die beiden Fernsehkonzerne, die den milliardenschweren deutschen TV-Werbemarkt de facto unter sich aufteilen, wollten auf dem Internetportal eigentlich kostenlos Serien, Filme, Shows oder Nachrichtensendungen anbieten, bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung. Auf den Portalen RTLnow und der Internet-Videothek Maxdome haben die beiden zwar schon viele Sendungen online gestellt, doch sollte eine zentrale Plattform, die auch für ARD und ZDF offen ist, den Durchbruch bringen.

Vorbild war der US-Dienst "Hulu", der mit Serien wie den "Simpsons" oder "The Office" zu den beliebtesten Internet-Seiten des Landes gehört. Manager der großen deutschen Sender befürchten seit längerem, dass Hulu eines Tages auch den Sprung nach Deutschland machen könnte. Ärgerlich für die Sender ist auch, dass viele Serien und Filme gleich nach ihrer TV-Premiere auf illegalen Internetseiten auftauchen - und damit Werbekunden möglicherweise keinen Anlass sehen, Werbung auf den Internet-Seiten der Konzerne zu schalten.

An der Börse zog die im Nebenwerteindex MDax gelistete ProSieben-Aktie dennoch 1,7 Prozent auf 20,51 Euro an.

Reuters / Reuters