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Insolventer Online-Konzern: Unister: Wieviel Einfluss haben Rechsextreme bei ab-in-den-urlaub.de?

Neues Kapitel im Wirtschaftskrimi um den insolventen Online-Konzern Unister: Angeblich haben bekannte Rechtsextreme als Anteilseigner Einfluss auf die Geschäfte des Reiseportalbetreibers. 

Unister-Chef Thomas Wagner: Mysteriöser Todesfall

Verstorbener Unister-Chef Thomas Wagner

Gemeinsame Recherchen von "Sächsischer Zeitung" und "Die Zeit" legen nahe: Der Leipziger Online-Konzern Unister steht offenbar unter dem Einfluss von Rechtsextremisten. "Unbemerkt von der Öffentlichkeit und selbst hochrangigen Mitarbeitern haben zwei Männer mit schillernder Neonazi-Biografie an den Reisekonzern angedockt", schreibt die "Sächsische Zeitung". Ihre Namen: Reinhard Rade und Hans Jörg Schimanek. Als Berater und als Teilhaber hätten sie großen Einfluss gewonnen, so der Bericht.

Das mittlerweile insolvente Unternehmen, bekannt durch Reiseportale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de, bestreitet das. Es seien "keine vorbestraften Menschen mit rechtsextremer Biografie als Berater und Teilhaber aktiv", erklärte Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Unister will Rückgabe der Aktien gerichtlich durchsetzen

Rade war jedoch den Rechercheergebnissen der beiden Zeitungen zufolge zeitweise Besitzer der Firma Loet Trading AG, die Anteile an der Unister-Tochter Travel24.com AG hält, er selbst beschreibe sich als "Berater der Gesellschafter und Sonderbeauftragter der Geschäftsführung". Er gelte zudem als Freund von Daniel Kirchhof, der lange Zeit zur Führungsspitze des Konzerns gehörte, bis er sich mit dem im Juli bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Firmengründer Thomas Wagner zerstritt.

Möglicherweise habe dieser Mann im Jahr 2013 zwischenzeitlich das Vertrauen der Geschäftsleitung bei Unister genossen, erklärte Flöther dazu. "Die Wege trennten sich jedoch bald, nachdem der Geschäftsleitung dessen Gesinnung bekannt wurde."

Inzwischen gehört die Loet Trading den Berichten der beiden Zeitungen nach Schimanek, ebenfalls Österreicher und ein Jugendfreund Rades, der in den 90er Jahren in seinem Heimatland in Zusammenhang mit rechtsextremen Aktivitäten verurteilt worden sei. Dass dieser Mann über seine Firma Travel24-Aktien hält, sei zwar "bedauerlich" habe aber keinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb, versicherte Flöther. Zudem gehe Unister rechtlich gegen die Loet Trading vor. Das Landgericht Leipzig habe die Firma bereits verurteilt, ihre Travel24-Aktien an den Konzern zurückzugeben.

rös/afp