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Nach Tod von Chef Thomas Wagner: Warum Unister Kundendaten an Inkasso-Firma verkauft hat

Der Unister-Krimi geht weiter: Offenbar hat das Unternehmen Kundendaten an ein Inkasso-Unternehmen verkauft. Dafür erhielt die Firma durch einen Kooperationsvertrag 150.000 Euro. Doch es war noch mehr Geld für Unister drin.

Unister verkauft Kundendaten

Verstorbener Unister-Chef Thomas Wagner: Nach seinem Tod rutschte das Unternehmen in die Insolvenz.

Der rätselhaften Tod des Unister-Chefs Thomas Wagner ist immer noch nicht aufgeklärt. Die anschließende Insolvenz des Unternehmens zeigt deutlich: Unister war in schwerer finanzieller Bedrängnis. Nun bestätigen dies Recherchen der "Bild am Sonntag". Dem Blatt liegt ein Kooperationsvertrag zwischen Unister und einem Inkasso-Unternehmen vor.

Laut der "Bams" hat das Reiseunternehmen Unister, zu dem Portale wie Ab-in-den-Urlaub.de oder auch Fluege.de gehören, einen Vertrag mit Flightright geschlossen. Danach "nimmt Flightright im Auftrag von Unister eine Überprüfung der Flugbuchungsdaten der Kunden auf potenzielle Entschädigungsansprüche“ gegen Airlines vor, so die "BamS".


Unister beauftragt Flightright

Flightright versteht sich selbst als Verbraucherportal, das für Reisende Fluggastrechte durchsetzt. Gibt es Flugausfälle, Umbuchungen oder Verspätungen stehen Reisenden Entschädigungen zu. Doch das Durchsetzen dieser Rechte ist zeitaufwendig. Das Geschäftsmodell von Flightright setzt genau hier an: Sie erstreiten für die Reisenden Entschädigungen und erhalten dafür eine Provision.

Diese Dienstleistung ist natürlich aufwendig, weil sich einzelne Reisenden an das Unternehmen wenden. Der Kooperationsvertrag zwischen Unister und Flighright soll den Verbraucherrechtlern Problemfälle im großen Stil beschaffen. Wie die "BamS" berichtet, soll Unister in dem Vertrag vom 27. Dezember 2014 eine Vermittlung mindestens 5000 Fällen bis Ende 2017 garantiert haben. 

Unister verkauft Kundendaten

Um diese Fälle bearbeiten zu können, braucht Flightright natürlich die Daten der Reisenden. Dafür zahlte das Fluggastrecht-Portal 150.000 Euro. Und: Unister beansprucht 53 der Provision, die Flightright von den Reisenden verlangt. Allerdings habe Unister, so die "BamS" einen kleinen Rabatt in dem Vertrag ermöglicht, wenn Flightright gegen "unerfreuliche Fluggesellschaften" (beispielsweise Ryanair, Iberia oder Turkish Airlines) vorgeht.

Dieser Deal sollte natürlich nicht auffliegen und sollte Flightright darauf achten, dass die "von Unister vermittelten Kunden keine auffällige Teilmenge innerhalb der sonstigen Fälle von Flightright bilden", zitiert die "BamS" das Papier. Unister wollte sich gegenüber der Zeitung nicht zu dem Vertrag äußern. Die Lufthansa kündigte an, den Vertrag rechtlich zu prüfen.

kg