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Unternehmen im Irak: Nischenmarkt für deutsche Wirtschaft

Trotz ständiger Entführungen von Ausländern und Anschlägen sind im Irak mehr als 30 deutsche Firmen engagiert. Hauptsächlich arbeiten sie allerdings im vergleichsweise sicheren Nordirak.

Der Irak-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Jochen Clausnitzer, schätzt die Zahl der Firmen mit Niederlassungen in dem Land auf etwa 30 bis 40. "Sie arbeiten aber hauptsächlich mit Irakern", betonte er. Deutsche Firmenvertreter würden im Allgemeinen nur kurz im Land sein. Generell warne der DIHK wie das Auswärtige Amt vor Reisen in das Land. Besonders gelte dies für den Süden und die Region um Bagdad. Etwas sicherer seien nur die drei kurdischen Provinzen im Norden des Landes. Vor Reisen in den Zentralirak warnte Clausnitzer ganz besonders: "Das ist momentan das gefährlichste, was man machen kann", sagte er mit Blick auf die Region um die Stadt Baidschi. Dort wurden die zwei deutschen Ingenieure entführt, die nach Angaben des Kanzleramts aus Leipzig stammen. Baidschi liegt etwa 180 Kilometer nördlich von Bagdad und war in den vergangenen Wochen wiederholt Schauplatz von Anschlägen.

Clausnitzer sagte, auch im etwas ruhigeren Norden beachteten die Firmen strenge Sicherheitsvorschriften. So würde meist in militärisch gesicherten Gebieten gearbeitet. Telefonate würden mit verborgenen Rufnummern geführt, damit Handynummern nicht weitergegeben werden könnten. "Die Kriminalität ist enorm." Meist gehe es bei Entführungen auch von Irakern um Lösegeld und nicht um politische Ziele. Daher könnten deutsche Firmen genauso betroffen sein wie Unternehmen aus Ländern, die am Krieg zum Sturz Saddam Husseins beteiligt gewesen wären.

Deutsche bauen Fabrik

Größtes Projekt der Deutschen sei derzeit der Bau einer Zementfabrik im Norden des Landes. Das Projekt habe ein Volumen von rund 100 Millionen US-Dollar. "Bei solchen Großprojekten sind Deutsche auch schon mal mehrere Monate im Land", sagte Clausnitzer. Die Firmen knüpften vor allem an Kontakte in den Irak an, die sie in den 70er und 80er Jahren entwickelt hätten. Von Frankfurt ins nordirakische Erbil gebe es bereits eine direkte Flugverbindung.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) wies darauf hin, dass es eine Reihe von Irakern gebe, die in Deutschland studiert hätten und die Sprache beherrschten. Auf sie könnten Firmen zurückgreifen, die alte Kontakte in den Irak weiter pflegen wollten, sagte der BDI-Irak-Experte Robert Dölger. Zudem hätten deutsche Firmen in der jordanischen Hauptstadt Amman eine Anlaufstelle für ihre Irak-Engagements.

Exportvolumen von 280 Millionen Euro

Der DIHK bezifferte das Exportvolumen deutscher Firmen im Irak auf etwa 280 Millionen Euro im Jahr 2005. 2004 habe es noch 370 Millionen Euro betragen, womit das Niveau der Vorkriegszeit erreicht worden sei. Für 2006 geht der DIHK wieder von einem Anstieg der Exporte aus.

Die anfänglichen Beschränkungen der USA, wonach Aufträge zum Wiederaufbau nur an ihre Alliierten im Krieg gehen sollten, seien inzwischen gefallen. "Die großen Aufträge sind nun aber auch vergeben", sagte Clausnitzer. Der Irak sei zwar nur ein Nischenmarkt für die deutsche Wirtschaft, aber ein starker. Bei Nutzfahrzeugen, Dieselgeneratoren, Kraftwerksbauten oder Klimaanlagen seien die Firmen im Geschäft. "Perspektivisch könnte der Irak wieder ein wichtiger Handelspartner werden", sagte Clausnitzer mit Blick auf die Ölreserven des Landes. Zudem seien die Menschen dort vergleichsweise gut ausgebildet.

Reuters / Reuters