HOME

Urteil zu Pay-TV: EuGH lässt Fußballfans hoffen

Bahnberechendes Urteil zu Fußballübertragungen im Pay-TV: Der EuGH erlaubt es, ausländische Decoderkarten zu nutzen. Die Sky-Aktie bricht ein, das Milliardengeschäft wankt.

Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten im Profifußball muss geändert werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied in Luxemburg, dass zum Empfang von Übertragungen im Bezahlfernsehen ausländische Decoderkarten nicht verboten werden dürfen.

Die Aktie des dominierenden britischen und deutschen Pay-TV-Senders Sky brach ein. In Frankfurt verlor der Kurs rund zehn Prozent. Was Anleger fürchten, wird Fußballfans freuen: der sich nun abzeichnende Wettbewerb verschiedener Anbieter, die wohl zu geringeren Abogebühren für das Pay-TV führen werden. Derzeit zahlt der normale Fan in Deutschland für das günstigste Sky-Paket rund 30 Euro im Monat.

Nach Ansicht der Richter verstoßen nationale Vorschriften, die die Verwendung ausländischer Decoderkarten untersagen, gegen den Grundsatz des freien Dienstleistungsverkehrs sowie gegen das Wettbewerbsrecht der EU.

Pubwirtin erstritt das Urteil

Hintergrund des Falls ist ein Streit der englischen Premier League mit der Pub-Besitzerin Karen Murphy. Die Wirtin aus Portsmouth hatte in ihrer Kneipe Fußball im Pay-TV gezeigt, dafür aber keine Decoderkarte des britischen Bezahlsenders BSkyB verwendet, sondern eine günstigere aus Griechenland von dem Anbieter Nova. Dadurch sparte sie 6000 Pfund im Jahr, wurde allerdings von der englischen Fußballliga verklagt. Der Rechtsstreit dauerte mehrere Jahre. Gegen das Urteil aus Luxemburg ist keine Berufung möglich.

Im Gegensatz zu den Sky-Aktionären jubelte die Wirtin. "Sie ist überwältigt vor Erleichterung", sagte ihr Anwalt Paul Dixon der BBC. "Es war ein langer Weg für sie, aber sie ist hocherfreut, dass der Fall nun wieder nach London vor den High Court zurückkommt, wo er bald abgeschlossen wird, wie wir hoffen", sagte Anwalt Dixon. Das Urteil auf europäischer Ebene muss noch von einem britischen Gericht bestätigt werden. Dies gilt als höchstwahrscheinlich. Der Spruch bedeute einen größeren Wettbewerb im Fernsehmarkt, sagte Dixon: "Soviel ist sicher."

DFL reagiert zurückhaltend

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagiert zurückhaltend auf die Entscheidung: "Dieses Urteil hat sich nach der Stellungnahme der Generalanwältin abgezeichnet, die DFL ist daher nicht überrascht. Wir werden nun die Urteilsbegründung hinsichtlich möglicher Konsequenzen prüfen", teilte die DFL in einer Stellungnahme mit. Die DFL hatte sich gemeinsam mit ihrer Vertriebstochter DFL Sports Enterprises in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema befasst und Vorkehrungen getroffen, um Auswirkungen sowohl auf die nationalen als auch die internationalen Medienrechte soweit wie möglich einzuschränken. "Dennoch müssen wir feststellen, dass auf europäischer Ebene die von den Rechte-Nachfragern akzeptierte Praxis mit individuellen Rechte-Zuschnitten für unterschiedliche Gebiete trotz zahlreicher Warnungen infrage gestellt wird", hieß es in der Mitteilung.

Allerdings gibt es auch Experten, die glauben, dass das Urteil den Zuschauern nur wenig Vorteile bringen wird. Zwar stehen jetzt theoretisch Anbieter in verschiedenen Ländern im Wettbewerb miteinander, so Vera-Carina Elter von der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG, ob das aber Auswirkungen auf die Preise haben wird, sei noch offen. "Ich glaube, dass die Auswirkung nicht so erheblich sein wird", so Elter. Nur bei großen und wichtigen Sportrechten gebe es angesichts der regional stark unterschiedlichen Medienmärkte überhaupt eine europaweite Nachfrage. "Ein Zuschauer, der nichts anderes als Fußball sehen will, kann nun in Europa nach dem günstigsten Anbieter suchen", sagte Elter. Das Urteil besagt lediglich, dass Fernsehzuschauern der Zugang zu europäischen Pay-TV-Alternativen im Heimatland nicht verwehrt werden dürfe. Das übrige Fernsehangebot etwa eines französischen oder italienischen Senders werde den deutschen Kunden allerdings kaum interessieren.

"Fußballspiele sind keine geschützen Werke"

In dem Grundsatzurteil geht es auch um Fragen des Urheberrechts. Das höchste EU-Gericht entschied, dass einzelne Teile einer Übertragung wie beispielsweise die Hymne der Premier League geschützte Werke seien. Fußballspiele selbst seien hingegen keine geschützten Werke. In einem Lokal gezeigte Übertragungen, die die Auftaktvideo-Sequenz oder die League-Hymne enthielten, seien eine "öffentliche Wiedergabe", die vom Urheber gebilligt werden müsste.

ben/nik/DPA / DPA