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US-Autobauer: Chrysler meldet Insolvenz an

Der US-Autobauer Chrysler hat Insolvenz angemeldet. Das teilte das Weiße Haus in Washington mit. Zuvor waren offenbar Verhandlungen mit den Gläubigern des Unternehmens über einen Schuldenerlass geplatzt.

Der drittgrößte US-Autobauer Chrysler steuert in die Insolvenz. Nach dem Scheitern der entscheidenden Verhandlungen mit Gläubigern sei das der einzige Weg zur Sanierung, sagten US-Regierungsvertreter amerikanischen Medien am Donnerstag. Das Weiße Haus hofft, dass Chrysler das Insolvenzverfahren bereits in einigen Wochen verlassen kann und dann durch einen Einstieg des italienischen Fiat-Konzerns gerettet wird. Gläubiger oder auch Händler könnten allerdings ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.

Eine Insolvenz des Kleinsten unter den "Großen Drei" der US-Autobranche wäre eine beispiellose Zäsur. Fiat ist die letzte Hoffnung für Chrysler. Die Italiener zeigten sich zwar bereit, bei der maroden einstigen Daimler-Tochter mit bis zu 35 Prozent einzusteigen - sie wollen dabei aber kein Geld investieren.

Eine Insolvenz von Chrysler war bereits seit Tagen erwartet worden. Es geht um ein Verfahren nach Kapitel elf des US- Insolvenzrechts, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten Gläubigerschutz sanieren kann. Die Geldgeber müssen dann vorerst ihre Forderungen auf Eis legen.

Chrysler hatte bereits die vergangenen Monate nur dank Milliardenkrediten aus Washington überlebt und wollte weitere Hilfen haben. Das Weiße Haus stellte jedoch als Bedingung für weitere sechs Milliarden Dollar ein Ultimatum: Bis Ende April musste ein Partner gefunden und die Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Forderungen bewegt werden.

Chrysler schuldet mehr als 40 Banken und Hedgefonds rund 6,9 Milliarden Dollar. Die Regierung wollte die Verbindlichkeiten dem Bericht zufolge zuletzt auf maximal 2,25 Milliarden Dollar drücken. US-Medienberichten zufolge scheiterten die Gespräche an der harten Haltung der Hedgefonds unter den Gläubigern, die 2,5 Milliarden Dollar gefordert hätten. Die Regierung kritisierte die Fonds scharf. Sie hätten "versagt zu handeln" und nicht im nationalen Interesse agiert.

Neben der Gefahr, dass beteiligte Parteien das Insolvenzverfahren in die Länge ziehen, hatte sich die US-Autobranche auch aus einem anderen Grund stets dagegen gesträubt. Die Konzerne befürchten, dass die Menschen bei insolventen Autoherstellern angesichts der unsicheren Zukunft keine Autos kaufen. Eine Insolvenz bedeute gleich das Ende, hatte zum Beispiel der frühere Chef des großen Chrysler- Konkurrenten General Motors, Rick Wagoner, mehrfach gewarnt. Mit solchen Alarmtönen hatten GM und Chrysler seit vergangenem Herbst bereits Milliardenhilfen aus Washington herausgepresst.

DPA/AFP / DPA