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US-Autoindustrie: Chrysler braucht neue Milliarden

Der angeschlagene US-Autobauer Chrysler braucht eine weitere milliardenschwere Unterstützung des Staates. Außerdem will Chrysler 3000 Mitarbeiter entlassen und Modelle einstellen. Die US-Regierung schließt unterdessen einen "geordneten Konkurs" sowohl für Chrysler als auch für GM nicht mehr aus.

Der ums Überleben kämpfende US-Autobauer Chrysler will von der US-Regierung nochmals mindestens fünf Milliarden Dollar (4,0 Mrd Euro) an Notkrediten haben. Der drittgrößte US-Hersteller kündigte in seinem am Dienstag der US-Regierung vorgelegten Sanierungsplan zudem den Abbau von weiteren rund 3000 Stellen an. Außerdem will der Konzern drei Modellvarianten einstellen.

Der Sanierungsplan ist eine Bedingung für weitere staatliche Milliardenhilfen. Bislang erhielt Chrysler vier Milliarden Dollar. Der vorgelegte Plan zeige, dass Chrysler allein überleben könne, teilte der Konzern am Sitz in Detroit (Michigan) mit. Verbessert werden könne Chryslers Lage zusätzlich durch die vor allem bei Klein- und Mittelklassewagen angestrebte Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern.

Die von der US-Regierung geforderten Zugeständnisse der Gewerkschaft und der Gläubiger von Chrysler seien grundsätzlich erzielt worden, so der verlustreiche Autobauer. Die Regierung verlangte für weitere Hilfen unter anderem niedrigere Löhne auf dem Niveau ausländischer Hersteller in den USA sowie eine Umschuldung.

Chrysler gehört überwiegend dem US-Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent hält noch der deutsche Daimler-Konzern, der sich von dem Anteil aber so schnell wie möglich trennen will.

Die US-Regierung schließt unterdessen ein geordnetes Konkursverfahren für die angeschlagenen Autobauer General Motors (GM) und Chrysler nicht aus. Das Weiße Haus halte dies weiter für eine Option, sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Robert Gibbs, am Dienstag. Washington halte es "für extrem wichtig, dass es in den USA eine überlebensfähige Autoindustrie gibt", sagte Gibbs. "Dies wird aber wohl einige Umstrukturierungen erfordern."

Gibbs bestätigte weiter, dass GM am Dienstag wie vorgesehen weitere vier Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) von der Regierung erhalten habe, zusätzlich zu dem schon Ende 2008 gezahlten Notkredit von 9,4 Milliarden Dollar. Die US-Regierung wollte GM so vor der Zahlungsunfähigkeit bewahren.

GM rang unterdessen weiter mit der Autogewerkschaft um Konzessionen für einen Sanierungsplan. Aus Verhandlungskreisen hieß es, beide Seiten näherten sich einer Einigung. Nähere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Zuvor hieß es, fertige Vereinbarungen seien bis Dienstag wohl nicht zu erreichen. Aus dem GM-Management hieß es, es reiche, wenn das Unternehmen substanzielle Fortschritte in seinen Bemühungen vorweisen könne. Die endgültige Einigung über den Sanierungsplan müsse erst bis Ende März stehen. Bis zum 31. März will das Finanzministerium eine Entscheidung treffen, ob General Motors überlebensfähig ist und durch weitere Staatshilfe am Leben erhalten werden soll.

AP/AFP/DPA / AP / DPA