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US-Finanzaufsicht Großbank Standard Chartered bei Iran-Deals ertappt


Der amerikanische Ableger der Großbank Standard Chartered soll die Identität iranischer Geschäftspartner verschleiert und damit das US-Geldwäschegesetz gebrochen haben. Die Aktie bricht ein.
Von Kim Bode und Reinhard Hönighaus

Die Finanzaufsicht des US-Bundesstaates New York wirft dem amerikanischen Ableger der britischen Großbank Standard Chartered illegale Transaktionen mit der iranischen Regierung im Gesamtwert von mehr als 250 Milliarden Dollar vor. Hochrangige Manager hätten über fast zehn Jahre den Bruch von US-Geldwäschegesetzen in Kauf genommen, um hunderte Millionen von Dollar an Gebühren zu kassieren, teilte Chefaufseher Benjamin Lawsky am Montagabend mit. Er drohte, Standard Chartered die Lizenz in dem Bundestaat zu entziehen.

Die Bank habe die Identität ihrer iranischen Geschäftspartner bei rund 60.000 Transaktionen bewusst verschleiert. Dabei sei die Bank offenbar auch von ihrem Abschlussprüfer Deloitte & Touche unterstützt worden. Die Behörde untersucht auch weitere Transaktionen von Standard Chartered mit anderen, lange Zeit sanktionierten Regimen wie denen in Libyen, Myanmar und dem Sudan.

Laut US-Gesetz werden Transaktionen mit iranischen Banken streng kontrolliert. Angesichts der amerikanischen Sorgen, dass Banken möglicherweise bei der Finanzierung des iranischen Atomprogramms oder extremistischer Organisationen helfen könnten, unterliegen sie Sanktionen. Zudem soll Waffenhändlern und Drogenhändlern der Zugang zur US-Währung erschwert werden. Banken unter US-Aufsicht sind dazu angehalten, Geldströme auf verdächtige Anzeichen hin genau zu beobachten.

US-Chef war sich der Gefahr seit 2006 bewusst

Standard Chartered habe das "US-Finanzsystem angreifbar für Extremisten, Waffenhändler, Drogenhändler und korrupte Regime gemacht", heißt in der Klage des New York State Department of Financial Services. Ein Sprecher von Standard Chartered teilte per E-Mail mit, die Bank untersuche die Vorwürfe und diskutiere sie mit den US-Ermittlungs- und Aufsichtsbehörden. Das Geldhaus könne "nicht voraussagen, wann diese Überprüfung und diese Diskussionen abgeschlossen sein werden oder was das Ergebnis sein wird." Den US-Managern der Bank soll gegen Ende des Monats die Möglichkeit gegeben werden, bei einer Anhörung Stellung zu nehmen.

Nach Angaben der Aufseher war dem US-Chef von Standard Chartered schon im Jahr 2006 vollkommen bewusst, dass die Abwicklung von Dollar-Geschäften für den Iran für die Bank sehr gefährlich werden könnte. Die Aufseher zitieren aus einer Nachricht, die der US-Chef im Oktober 2006 an die Londoner Zentrale schrieb: "Erstens glauben wir, dass [das Iran-Geschäft] dringend auf Ebene der gesamten Gruppe überdacht werden muss um zu bewerten, ob die Gewinne und strategischen Vorteile noch in einem Verhältnis stehen zu den potenziell ernsten oder gar katastrophalen Reputationsrisiken für die Gruppe." Zweitens, so schrieb der US-Chef weiter, setze sich das Management in den USA und London persönlich nicht nur großem Reputationsrisiko, sondern auch der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung aus.

Anleger fliehen aus Aktien

Die Antwort aus London kam prompt. "You f***ing Americans", gab ein Manager aus der Zentrale laut einem Standard-Chartered-Banker in der New Yorker Filiale zurück, den die Aufseher in ihren Ermittlungsakten zitieren. "Wer seid Ihr, die uns und dem Rest der Welt sagen wollt, dass wir mit den Iranern nicht länger Geschäfte machen sollen?"

Anleger trennten sich in Scharen von ihren Standard-Chartered -Aktien. Die in Hongkong notierten Aktien des britischen Geldhauses verloren gegen den Markttrend um mehr als sieben Prozent. Bereits in London waren die Titel am Montagabend um sechs Prozent eingebrochen.

FTD

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