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Deutsche-Bank-Chef Ackermann tritt ab: Ein Abgang - und viele Fragen

Josef Ackermann tritt ab. Den Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank schlägt der Schweizer überraschend aus. Die Branche rätselt über die wahren Gründe.

Am Morgen prophezeit er Europas Banken ein "unruhiges Jahrzehnt", am Abend ist klar: Josef Ackermanns Tage als Gesicht einer Branche sind gezählt. Der 63-Jährige verzichtet auf den Aufsichtsratsvorsitz und verlässt im Mai 2012 die Deutsche Bank. Eine Ära geht zu Ende. Die Nachricht kommt überraschend.

Ganz Profi geht Ackermann am Montag seinen Verpflichtungen nach, "business as usual". Er spricht vor der versammelten Finanzelite in Frankfurt, verleiht am Abend seinem Kollegen Peter Sands (Standard Chartered Bank) den Preis "European Banker of the Year", umrahmt von klassischer Musik.

Kurz vor der Preisverleihung lässt die Deutsche Bank die Bombe platzen und verkündet per ad-hoc-Mitteilung Ackermanns Verzicht auf den Aufsichtsratsposten. Die aktuellen Aufgaben in Krisenzeiten seien zu viele, darum könne sich Ackermann nicht angemessen auf die neue Aufgabe vorbereiten. Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner soll es statt seiner richten.

Schäuble begrüßt Rückzug

"Sehe ich traurig und enttäuscht aus?" - das ist alles, was Ackermann über die Mitteilung hinaus zu entlocken ist. Dann wendet sich der Schweizer lächelnd ab und plaudert vertraulich mit seinem Vorvorgänger Hilmar Kopper.

Noch im Sommer war ein Abschied von Ackermann nach zehn Jahren an der Spitze praktisch undenkbar. Er stärkte das Privatkundengeschäft und machte den Konzern so unabhängiger von Schwankungen im Investmentbanking, er steuerte das Institut ohne Staatshilfe durch die Krise, er ist bis heute gefragter Ansprechpartner der Politik.

Um Ackermann zu halten, war die Bank sogar bereit, den Kodex für gute Unternehmensführung über Bord zu werfen. Von der überraschenden Kehrtwende zeigte sich unter anderen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erfreut: "Es ist eigentlich nicht vorgesehen, dass ein Vorstandsvorsitzender direkt in das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden wechselt", sagte Schäuble dem "Handelsblatt". "Wenn sich die Deutsche Bank jetzt an die Regeln des Corporate Governance Codes hält, kann ich daran nichts kritisieren."

Die genauen Gründe bleiben im Dunkeln

Die genauen Gründe für die Rochade bleiben im Dunkeln. Unbestritten: Ackermann steht als Sprachrohr einer unter Dauerbeschuss stehenden Branche im Fokus wie kaum ein zweiter Banker. Doch das war auch im Juli schon so, als sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank nach wochenlangen Wirren auf ein Personalpaket inklusive Ackermann einigte.

Gut möglich, dass die teils heftige Kritik am direkten Wechsel vom Vorstandsposten auf den Stuhl des Oberkontrolleurs Ackermann letztlich mürbe machte. Schließlich war er lange selbst der Überzeugung, dass ein solcher Schritt nicht sinnvoll wäre.

Auch das Verhältnis zu seinen designierten Nachfolgern, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, gilt nicht als das beste. Zuletzt hielt sich Fitschen auffallend bedeckt, wie er sich die künftige Zusammenarbeit mit einem Aufsichtsratsvorsitzenden Ackermann vorstelle. Ackermann habe "zu Recht viel Anerkennung bekommen für das, was er geleistet hat", sagte Fitschen der Wochenzeitung "Die Zeit". Mit dem Stabwechsel habe er jedoch eine andere Rolle.

Hausdurchsuchung spielte angeblich keine Rolle

Es war ein offenes Geheimnis, dass Ackermann lieber den früheren Bundesbank-Präsidenten Axel Weber an der Spitze der Bank gesehen hätte. Doch der brüskierte Ackermann mit seinem Wechsel zum Schweizer Konkurrenten UBS. Ackermanns zweite Wahl, Risikovorstand Hugo Bänziger, hatte im Aufsichtsrat keine Chance.

Die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft München in seinem Büro in der vergangenen Woche dürften kaum den Ausschlag gegeben haben. Es sei reiner Zufall, dass beides am selben Tag bekannt wurde, hieß es. Die Wirrungen in der Dauerfehde mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch gehören seit Jahren zum Tagesgeschäft der größten deutschen Bank.

kng/DPA / DPA