US-Finanzkrise Konjunkturdaten schüren Rezessionsangst

Ein erneuter Rückgang des US-Verbrauchervertrauens und der amerikanischen Immobilienpreise hat die Angst vor einem globalen Abschwung verschärft. Die Börsen mussten Gewinne abgeben, der Dollar setzte seine Talfahrt fort.
Von Tobias Bayer

Das Verbrauchervertrauen fiel im März auf 64,5 Punkte, vermeldete das Conference Board am Dienstag. Das ist der tiefste Stand seit März 2003. Analysten hatten durchschnittlich mit 73,5 Prozent gerechnet.

Schlechte Nachrichten gab es auch vom Häusermarkt. Der S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex, der Hauspreise in 20 US-Großstädten misst, fiel im Januar um 10,7 Prozent. Das ist der stärkste je verzeichnete Rückgang. Das größte Minus gab es in Las Vegas und Miami. Die Börsen mussten einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben, der Dollar verlor deutlich.

Für US-Verbraucher kommt es dicke

Der amerikanische Verbraucher wird derzeit gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Einerseits drücken steigende Energiepreise auf das verfügbare Einkommen. Eine Gallone (entspricht 3,79 Liter) Benzin kostet derzeit durchschnittlich 3,28 US-Dollar. Das sind 71 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das US-Energieministerium berichtet. Auch Heizöl- und Propanpreise befinden sich auf Rekordniveau. Andererseits sind im Zuge der Kreditkrise die Hauspreise im freien Fall. Die Möglichkeit, über eine zweite Hypothek neues Kapital aufzunehmen, ist den Haushalten dadurch verwehrt.

Für die amerikanische Volkswirtschaft ist der Verbrauch der privaten Haushalte entscheidend. Rund zwei Drittel des Wirtschaftswachstums gehen auf den Konsum zurück. Sollte sich der Verbraucher weiter einschränken, wächst die Gefahr eines Abschwungs - und einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Dynamik weltweit. Mehrere Konjunkturdaten haben zuletzt darauf hingedeutet. So verzeichnete der US-Arbeitsmarktbericht im Februar einen Abbau von 63.000 Stellen. Das ist der größte Jobverlust seit fünf Jahren.

Fed und Regierung steuern dagegen

Die US-Notenbank Fed versucht, die Krise abzuwenden und insbesondere den amerikanischen Immobilienmarkt zu stärken. "Das Einschränken der Kreditvergabe und der Verfall der Hauspreise werden wahrscheinlich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen belasten", hatte die Fed bei ihrer vergangenen Zinssenkung mitgeteilt. Seit Mitte September hat Fed-Chef Ben Bernanke den Leitzins um 300 Basispunkte gesenkt. Zudem hat er auch den Diskontsatz nach unten angepasst und das Diskontfenster für Investmentbanken geöffnet. Mit neuen geldpolitischen Instrumenten wie der "Term Auction Facility" und der "Term Securities Lending Facility" sollen zudem die Liquidität am Kapitalmarkt erhöht und die Spannungen auf dem Geldmarkt gelindert werden.

Die US-Regierung hat einen 150 Mrd. Dollar schweres Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht, das insbesondere den Hausbesitzern zugute kommen wird. Zudem wurden die Kapitalauflagen für die quasi-staatllichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac gelockert. Die beiden börsennotierten Unternehmen können rund 200 Mrd. Dollar mehr für den Kauf von Hypothekendarlehen ausgeben. Auch die zwölf genossenschaftlichen US-Bausparkassen können nun 150 Mrd. Dollar an Hypothekenanleihen aufkaufen. Die US-Aufsicht genehmigte am Wochenende eine Erhöhung der Obergrenze.

Überangebot an Häusern führt zu Preisverfall

Diese Maßnahmen sind aus Expertensicht auch dringend notwendig. Die Situation auf dem amerikanischen Häusermarkt ist äußerst angespannt. Ein Überangebot an Immobilien hat in den vergangenen Wochen zu einem regelrechten Preisverfall geführt. Nach Angaben des Maklerverbandes National Association of Realtors sind die Preise für Einfamilienhäuser im Februar um 8,7 Prozent eingebrochen. Das ist der stärkste Einbruch seit vier Jahrzehnten.

Eine Ursache für den Anstieg der Hausverkäufe sind Zwangsversteigerungen. Die Eigentümer können ihre Hypotheken nicht mehr bedienen und müssen deshalb ihre Immobilie an die Banken abtreten. Nach Schätzungen von First American Corelogic wurden im Januar 493.000 Häuser von Hypothekengläubigern auf den Markt geworfen. Das entspricht einer Zunahme von 231.000 im Vergleich zum vergangenen Jahr.

FTD

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