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Schreckgespenst Inflation: Was tun gegen die Geldentwertung?

In der Euro-Zone liegt die Teuerungsrate bereits deutlich über zwei Prozent, und auch in Deutschland hat die Inflation ein Zwei-Jahres-Hoch erklommen. Noch kein Grund zur Panik – trotzdem sollten Verbraucher wissen, was die Geldentwertung für sie bedeutet.

Die Konjunkturdaten für Deutschland sind blendend: Die Wirtschaft boomt, die Zahl der Arbeitslosen sinkt stetig. Die größte Volkswirtschaft der Europäischen Union ist nach der Krise wieder zum EU-Motor geworden. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Die Inflation in Deutschland befindet sich auf einem Zwei-Jahres-Hoch, die Teuerungsrate in der Eurozone kletterte bereits über zwei Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt bereits, und auch viele Verbraucher fürchten die Geldentwertung. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Inflation.

Was ist Inflation?

Mit Inflation ist der deutliche und dauerhafte Anstieg der Preise in einer Volkswirtschaft gemeint. Verbraucher müssen in der Folge mehr Geld für die gleichen Waren und Dienstleistungen ausgeben. Inflation entspricht deswegen einer Geldentwertung.

Ist Deutschland derzeit in einer Inflationsphase?

Die Verbraucherpreise stiegen im Januar nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,9 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bis zu einer Schwelle von zwei Prozent von einem stabilen Preisniveau. Die Preissteigerungen gehen allerdings vor allem auf einen Faktor zurück: die Energie. Die Preise für Sprit und Heizöl sind zuletzt gestiegen. Dennoch liegt die Inflationsrate noch deutlich unter den Werten von 2008.

Wie wird die Inflation berechnet?

Das Statistische Bundesamt berechnet die Inflation in Deutschland mithilfe des sogenannten Verbraucherpreis-Index. Dieser erfasst die Entwicklung der Preise von Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte konsumieren - egal ob Single-Haushalt oder Großfamilie. Für die Berechnung wird eine Art Warenkorb mit 700 Güterarten analysiert: Darin finden sich typische Ausgaben von Haushalten wie Mieten, Nahrung, Kleider oder Dienstleistungen wie Friseur oder Reparaturen. Die Statistiker veröffentlichen ihre Daten monatlich.

Gibt es derzeit Gründe zur Furcht vor einer Inflation?

Ja. Deutschland hat in der Wirtschafts- und Finanzkrise milliardenschwere Konjunkturpakete und einen Bankenrettungsfonds aufgelegt. Auch ist Deutschland zu einem erheblichen Teil an dem gewaltigen Rettungsprogramm für den Euro und überschuldete Mitgliedsstaaten der Euro-Zone beteiligt. Am Ende muss sich der Staat das Geld dafür leihen, die Menge des umlaufenden Geldes steigt dadurch, was wiederum zu einer Geldentwertung führt. Zugleich ist ein kräftiger Preisanstieg auch Folge des derzeitigen Wachstums - und der extrem niedrigen Teuerung während der Wirtschaftskrise.

Was bedeutet Inflation für das eigene Ersparte?

Inflation ist Geldentwertung. Verbraucher sollten also darauf achten, dass die Rendite ihrer Geldanlagen zumindest mittelfristig über der Inflationsrate liegt, damit unter dem Strich ein Ertrag herauskommt - die reale Rendite. Diese reale Rendite entspricht grob der offiziellen Verzinsung abzüglich der jährlichen Inflationsrate.

Wie können Verbraucher ihr Vermögen schützen?

Im momentanen Umfeld mit geringer Inflation raten Experten Anlegern zur Ruhe. Kurzfristig vor Entwertung können Anleger ihr Erspartes demnach mit gut verzinsten Tagesgeld-Angeboten schützen. Dort sind die Zinsen derzeit häufig höher als bei längerfristigen Festgeld-Anlagen - allerdings können sie auch täglich geändert werden. Bei Aktien ändert Inflation am grundsätzlich hohen Risiko von Kursschwankungen nichts. Gold gilt zwar als Krisenwährung, birgt aber auch Risiken, denn es wirft keine Zinsen ab. Gewinnen können Anleger also nur bei steigenden Preisen.

Florian Oel/AFP / AFP