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US-Versicherer AIG: Krisenkonzern lädt zu teurer Jagdparty

Erst eine Millionenabfindung für den Ex-Chef, dann ein Luxusurlaub für Konzernmanager und jetzt das: Der US-Versicherer AIG, der nur mit einem milliardenschweren Hilfspaket vor der Pleite gerettet werden konnte, sorgt mit einer 86.000 Dollar teuren Jagdsause in England erneut für Empörung.

Der mit Milliardensummen von der US-Regierung vor der Pleite bewahrte Versicherungsriese American International Group (AIG) hat erneut den Zorn der Steuerzahler auf sich gezogen. Anlass war eine 86.000 Dollar (63.000 Euro) teure Jagdpartie in England. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo warnte mit Verweis auf die staatlichen Kredite, es könne ein Straftatbestand erfüllt sein. Bei solchen Ausgaben könne es sich um "Vollstreckungsvereitelung durch Eigentumsübertragung" handeln, so Cuomo. AIG hatte Anfang des Monats eine weitere Kapitalspritze im Umfang von 37,8 Milliarden Dollar erhalten, nachdem die Notenbank Fed dem Konzern bereits Mitte September ein Darlehen von 85 Milliarden Dollar gewährt hatte.

Das Event sei schon seit Monaten geplant gewesen, verteidigte sich die AIG. Der Jagdausflug nach England sei ein jährliches Ereignis für Kunden. Nur wenige Tage nach der ersten Rettungsaktion vom 16. September hatte der Konzern Mitarbeitern einen Aufenthalt in einem kalifornischen Luxusferiendomizil spendiert. Dafür zahlte das Unternehmen knapp 200.000 Dollar an Übernachtungskosten, mehr als 150.000 Dollar für Essen, 23.000 Dollar für Kuranwendungen, 10.000 Dollar für Rechnungen an der Bar und 7000 Dollar für den Golfplatz. Insgesamt fielen mehr als 440.000 Dollar Kosten an.

Bereits damals gelobte die Konzernspitze Besserung, was sie nun erneut tat. Man werde alles tun, um so etwas umgehend zu beenden, und sich darauf konzentrieren, die Bedingungen dafür zu schaffen, die öffentliche Kredite zurückzahlen zu können, hieß es.

Nach Bekanntwerden des Luxus-Sause in Kalifornien hatte sich selbst das Weiße Haus empört geäußert. "Dieses Verhalten ist verachtenswert", erklärte die Sprecherin von Präsident George W. Bush, Dana Perino. Auch damals versicherte die Konzernführung, das Geschäftsereignis sei schon seit Monaten geplant gewesen. Es sei vor allem für unabhängige Vertriebsfachleute mit Top-Ergebnissen gedacht gewesen. Von 100 Teilnehmern hätten nur zehn für die AIG gearbeitet.

Cuomo will die AIG zudem zwingen, von ihren gescheiterten Ex-Managern hohe Bonuszahlungen zurückzufordern. Die vor der Rettung durch die US-Regierung gezahlten Millionensummen an den für die Schieflage des Versicherers verantwortlichen Konzernchef Martin Sullivan kritisierte der Staatsanwalt als "goldenen Fallschirm".