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US-Wirtschaft: Obama-Berater warnt vor Dollarcrash

Er wurde berühmt durch seinen harten Anti-Inflationskurs an der Spitze der amerikanischen Notenbank in den 80er-Jahren. Nun ist der 81-Jährige Berater von Barack Obama. In ungewöhnlich drastischen Worten zeichnet er ein düsteres Bild der US-Wirtschaft.

Von Tobias Bayer

Paul Volcker, der Ex-Chef der amerikanischen Notenbank und jetzige Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama, hat vor einem Dollarcrash gewarnt. "Es besteht das Risiko, dass das Vertrauen in den Dollar sinkt", sagte Volcker bei der Senatsanhörung des designierten Finanzministers Timothy Geithner. Für die US-Wirtschaft ist er sehr skeptisch. Das Ende der Rezession sei nicht absehbar, die Welt befinde sich mitten in der "Mutter aller Krisen".

Der Amtsantritt Obamas wird von der schwierigen wirtschaftlichen Situation überschattet. Die Vereinigten Staaten sind laut dem Ökonomengremium NBER seit Dezember 2007 in der Rezession. Im dritten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent, für das vierte Quartal erwarten Volkswirte sogar ein Minus von mindestens vier Prozent. Laut Volcker ist bei der Rezession "kein Ende in Sicht". Als Fed-Chef hatte Volcker eine strikte Politik des starken Dollar und des Kampfs gegen die Inflation betrieben. So erhöhte er Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre mehrmals den Leitzins auf bis zu 20 Prozent.

Staatsverschuldung steigt

Derzeit stemmen sich Regierung und Notenbank gegen die Krise. Doch wegen Konjunkturpaketen und Milliardenkrediten an die Wall Street steigt auch die Staatsverschuldung. Momentan wird ein Haushaltsdefizit von 1200 Milliarden Dollar erwartet. Das wiederum wird als Gefahr für den Dollar angesehen. Die Sorge: Gerade Investoren aus Übersee wie ausländische Zentralbanken könnten ihre Dollarreserven umschichten - und damit zu einem Verfall des Dollars und einem massiven Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen führen.

Bis jetzt allerdings legte der Greenback seit Jahresbeginn zu den meisten Währungen zu: Gegenüber dem Euro kletterte er um 7,9 Prozent und gegenüber dem britischen Pfund um knapp sechs Prozent. Am Mittwoch notierte der Euro bei 1,2857 Dollar. Nur gegenüber dem japanischen Yen fiel er um 3,6 Prozent.

Geithner will Bankenrettungspaket reformieren

Washington denkt derzeit darüber nach, wie das Bankenrettungspaket Troubled Asset Relief Programme (TARP) reformiert werden sollte. Ursprünglich zum Aufkauf von problematischen Wertpapieren gedacht, wurde das 700 Milliarden Dollar schwere Paket zum Direkteinstieg bei angeschlagenen Banken verwendet. Bisher allerdings lässt der Durchbruch auf sich warten. Gerade mit der Citigroup und Bank of America befinden sich zwei der größten Banken des Landes nach Abschreibungen in Milliardenhöhe in Schieflage, was wiederum die Kreditvergabe beeinträchtigt.

Timothy Geithner will das TARP-Programm reformieren und die zweite Häfte "konsequent" einsetzen. Ohne genaue Details zu nennen sagte Geithner bei der Anhörung am Mittwoch: "Wenn wir jetzt nicht entschlossen und mit Kraft handeln, werden die Kosten der Krise höher ausfallen." Geithner steht wegen nicht-gezahlten Steuern in der Kritik. Es wird aber damit gerechnet, dass seine Nominierung trotzdem erfolgreich ist. Obama vertraut dem 47-Jährigen, weil er als Präsident der Distriktnotenbank New York seit Jahren direkt mit den Wall-Street-Banken in Kontakt steht.

FTD